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27. Mai 2019 | 07:00 Uhr
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Vtours will Rückvergüter im Vertrieb bestrafen

"Das Ganze hat ein Ausmaß erreicht, dass wir etwas dagegensetzen wollen", sagt Vtours-Chef Achim Schneider (Foto) im Gespräch mit Reise vor9. Rückvergütungen und Gutscheine seien schädlich und benachteiligten diejenigen, die sich an die Spielregeln hielten. "Hier müssen wir gegensteuern", sagt er und hofft auf Nachahmer.

Schneider Achim Vtours Geschäftsführer

Vtours-Chef Achim Schneider kündigt Einschnitte für Rückvergüter an.

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"Es geht nicht um das Reisebüro an der Ecke, das seinem Kunden mal was Gutes tut und ein paar Euro nachlässt", stellt Schneider klar. "Es geht vielmehr um Vertriebspartner, deren Geschäftsmodell es ist, Kunden mit einem finanziellen Vorteil zu gewinnen und die aktiv mit Rabatten, Cashbacks oder Gutscheinen werben." Das führe zu Wettbewerbsverzerrungen zwischen den Vertriebspartnern. "Kein Reisebüro kann 200 Euro von seiner Provision abgeben", sagt Schneider. "Das ist eine ungleiche Welt und ein unfairer Wettbewerb."

Abhängigkeit von großen Playern wächst

Auch für die Veranstalter habe die Rückvergütungspraxis Konsequenzen. "Wir machen uns immer abhängiger von wenigen großen Playern im Vertrieb", sagt der Vtours-Chef. Es gebe bereits eine massive Verschiebung vom stationären Vertrieb zu den Online-Portalen. Der Anteil des stationären Vertriebs sei auf 40 Prozent gesunken und die Rabattversprechen seien ein Treiber davon. "Das Thema ist da, aber es wird in der Branche totgeschwiegen", bedauert Schneider und will das ändern. "Das wird ein langer Weg, aber ich will auch andere ermutigen, das Thema anzusprechen."

Druckmittel Werbekostenzuschuss und Kulanz

"Letztendlich führt diese Praxis zu einer Erhöhung der Vertriebskosten, da diese Vertriebspartner versuchen, ihren erhöhten Marketingaufwand an uns weiter zu belasten", resümiert Schneider und will dem nun einen Riegel vorschieben. Wie er bei den Sündern Druck aufbauen will, darauf nennt Schneider etwa die Verhandlungen über Konditionen. Es gehe ja nicht nur um die Provision, sondern zum Beispiel auch um Werbekostenzuschüsse. "Warum sollen wir Werbung mit Gutscheinen auch noch mitfinanzieren?" Andere Themen seien der Umgang mit Fake-Buchungen oder der Kulanzrahmen generell, so Schneider. Erste Gespräche habe man geführt und natürlich seien die Betroffenen nicht gerade begeistert. Aber, so Schneider, "das Ende der Fahnenstange ist erreicht."

Provisionsmodell für Reisebüros bleibt gleich

Vtours behält sein Provisionsmodell im kommenden Jahr bei. Die Einstiegsprovision liegt bei neun Prozent und erhöht sich in vier Stufen bis auf zwölf Prozent. Zehn Prozent gibt es ab einem Jahresumsatz von 5.000 Euro. Mit mehreren Vereinfachungen für Expedient will Schneider den stationären Vertrieb stärken. So sollen Änderungen bestehender Buchungen vereinfacht und Optionsfristen verlängert werden.

Thomas Hartung

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