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19. Mai 2022 | 23:06 Uhr
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Warum eine Reisebüroinhaberin jetzt ihr Büro dichtmacht

Sandra Böhm schließt Ende Juni ihr Reisebüro in der nordrhein-westfälische Kleinstadt Olfen und wechselt in den Finanzsektor. Die Unternehmerin hätte gerne weiter Reisen verkauft, Kunden waren da, aber sie fand keine Mitarbeiter.

Reisebüro

Sandra Böhm schließt ihr Reisebüro Ende Juni

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"Ich verlasse die Touristik mit einem lachenden und einem weinenden Auge", sagt Sandra Böhm im Gespräch mit Counter vor9. Lachend, weil sie seit einiger Zeit einen neuen Job im Finanzsektor hat, der sich gut mit ihrem Leben als Mutter von zwei Kindern vereinbaren lässt. Und weinend, weil sie den Neustart der Reisebranche, der sich nach zwei Jahren Corona-Pandemie abzeichnet, gerne mit ihrem Reisebüro begleitet und mitgestaltet hätte.

Doch nach zwölf Jahren ist bald Schluss. Das Reisebüro Böhm in Olfen, in zentraler Lage am Markt und nach Angaben der Betreiberin das einzige der 12.000-Einwohner-Stadt, macht dicht. Dabei hätte Böhm es trotz ihres neuen Berufs gerne weiterbetrieben. Sie hat Kunden weit über die Grenzen der Kleinstadt hinaus, viele von ihnen buchen hochwertige Reisen.

Neuorientierung während der Pandemie

Böhm hatte eine Mitarbeiterin, die sich in der Phase der Kurzarbeit neu orientierte und der Reisebranche den Rücken kehrte. Die Reisebüroinhaberin selbst blieb, nachdem die Rückabwicklung gebuchter Reisen 2020 erledigt war, ebenfalls nicht untätig. Sie absolvierte eine Ausbildung und startete eine selbstständige Tätigkeit in der Finanzbranche.

Das Ende ihres Reisebüros sollte damit freilich noch lange nicht besiegelt sein. Böhm wollte weitermachen, aber nicht als Einzelkämpferin. Schließlich gilt es, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Doch die Suche nach dem passenden Personal blieb erfolglos; ebenso, wie danach die Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin, die das Büro übernähme.

Skurrile Erfahrungen bei Übernahmegesprächen

Auch dabei machte die Reiseverkäuferin interessante Erfahrungen, wie sie Counter vor9 erzählt. „Ein Interessent wollte, dass ich ihm neben dem Büro samt Ausstattung und Kundenstamm noch Geld gebe“, sagt sie. Schließlich hätten sie ja Arbeitsaufwand mit denjenigen Buchungen, für die das Geld noch auf Böhms Konto geflossen war. "Manche Kollegen sind schon ein bisschen unverschämt", resümiert die scheidende Reisebürochefin.

So beschloss sie, das Reisebüro zum 30. Juni zu schließen. Gebuchte Reisen will sie noch bis Ostern nächsten Jahres abwickeln. Die hochwertige Einrichtung des Büros verkaufte sie, „für kleines Geld“, wie sie sagt, an eine junge Reisebürounternehmerin. Ihrer eigenen Zukunft blickt Sandra Böhm mit Optimismus entgegen. Für die Reisebranche und die Olfener Kundschaft dürfte ihr Abgang hingegen ein Verlust sein.

Christian Schmicke  

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