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8. Dezember 2020 | 14:58 Uhr
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Werden staatliche Airline-Hilfen zum Wettbewerbsproblem?

Der sich anbahnende Clinch zwischen Lufthansa und Condor ruft Kritiker auf den Plan. Mit Hilfe von Staatskrediten würden Überkapazitäten und Preiskämpfe im deutschen Airline-Markt befeuert, lautet der Vorwurf. Ein Berater schlägt deshalb eine Zusammenlegung vor.

Flugzeug Gewitter

Der Airline-Wettbewerb in Deutschland wird härter

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„Deutschland braucht keine drei großen Ferienfluggesellschaften“, sagte Gerald Wissel von der Beratungsgesellschaft Airborne Consulting dem "Handelsblatt". Die aktuelle Konstellation sei "ordnungs- und wirtschaftspolitisch ein absolutes Desaster", so der Berater weiter. Der bereits existierende Preiskampf werde mithilfe von Steuergeldern verstärkt und könne für manche existenzbedrohend werden.

Wissel plädiert gegenüber dem "Handelsblatt" für eine "Zusammenlegung der touristischen Fluglinien von Lufthansa, Condor und Tuifly". Denkbar wäre auch eine Beteiligung weiterer Reiseveranstalter, glaubt Wissel. Eine solche ,Genossenschaft‘ dürfte auch "nicht auf große Wettbewerbsbedenken bei den Kartellhütern stoßen", vermutet der Luftfahrtexperte.

Lufthansa drängt weiter in die Touristik

Hintergrund ist die Kündigung eines langjährigen Abkommens durch Lufthansa, das es dem Ferienflieger Condor bislang ermöglicht, Kapazitäten für Zubringerflüge zu eigenen Langstreckenverbindungen bei Lufthansa einzukaufen. Lufthansa will das touristische Geschäft selbst ausbauen. Condor sieht in der Kündigung der bisherigen Vereinbarung den Versuch von Lufthansa, die kleinere Konkurrenz mit Hilfe von Staatsgeld aus dem Markt zu drängen.

Tatsächlich sind sich alle Akteure darin einig, dass im deutschen Flugmarkt schon vor dem Beginn der Corona-Pandemie Überkapazitäten herrschten. Corona und eine möglicherweise auch mittelfristig geringere Reisenachfrage dürften dieses Problem verschärfen. Die bislang vergleichsweise friedliche Koexistenz von Lufthansa, Condor und Tuifly könnte der Vergangenheit angehören.

Wettbewerbsverschärfung aus Steuermitteln?

Für Condor ist der Vorstoß von Lufthansa ein vielleicht nicht ganz unerwarteter, in jedem Falle aber herber Schlag. Denn die Lufthansa-Anschlussflüge füllten Condor die Langstreckenflugzeuge und sorgten bei den Veranstalterkunden für die Sicherheit, dass im Falle einer Verspätung der Anschlussflüge die Airline für den Transport verantwortlich ist. Fallen diese Vorteile weg, verschlechtert sich die Wettbewerbsposition von Condor auf der Langstrecke gegenüber dem Lufthansa-Ableger Eurowings und der geplanten touristischen Plattform "Ocean“ deutlich.

Für den Bund ist das insofern ein Dilemma, als er mit seinen Krediten beide Airlines, und darüber hinaus den Mutterkonzern von Tuifly, TUI, in der Luft hält. Muss einer der Akteure aufgrund des Wettbewerbsdrucks die Segel streichen, gerät er in Erklärungsnot – zumal die üppigen staatlich verbürgten Kredite nebst Zinsen dann futsch wären. Gleichwohl dürfte die Zahl der Fans für einen Zusammenschluss der touristischen Airlines überschaubar sein. Weder Kunden noch Veranstaltern dürfte an einer einzigen touristischen Airline gelegen sein; auch wenn die internationale Konkurrenz keine echte Monopolstellung entstehen lassen wird.

Christian Schmicke

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