Wie Singapore Airlines die Krise als Chance nutzen will
Singapore Airlines baut ihr Europa-Angebot aus und erhöht ab Ende Oktober 2026 die Frequenz zwischen München und Singapur von sieben auf zehn Flüge pro Woche. Sales Manager Patrick Bucher sieht trotz geopolitischer Risiken eine starke Nachfrage im DACH-Markt.
SDingapore Airlines
Patrick Bucher bescheinigt den europäischen Quellmärkten eine starke Nachfrage
Singapore Airlines erlebt nach Einschätzung von Bucher, Sales Manager Deutschland, Schweiz und Österreich, weiterhin eine starke Nachfrage im europäischen Geschäft. Die Airline habe im März zusätzliche Flüge nach Frankfurt und London aufgelegt, um auf die hohe Nachfrage und das begrenzte Angebot zu reagieren.
Die aktuelle weltpolitische Lage wirkt sich auch auf die Preise aus. Bucher verweist auf den Einfluss des Konflikts im Mittleren Osten auf den Öl- und Kerosinpreis. Da Kerosin einer der wichtigsten Kostenblöcke sei, müssten Fluggesellschaften ihre Preise anpassen, wenn die Kosten stiegen.
Treibstoffversorgung bleibt im Blick
Bei der Kerosinversorgung sieht sich Singapore Airlines angesichts des Drehkreuzes Singapur vergleichsweise gut aufgestellt. Bucher verweist darauf, dass Singapur der viertgrößte Kerosinproduzent der Welt sei.
Gleichzeitig beobachtet die Airline Herausforderungen in einzelnen asiatischen Ländern. Je nach Flug könne Singapore Airlines mehr Treibstoff mitnehmen oder, falls nötig, Zwischenstopps prüfen. Auf Langstrecken nach Europa sei die Gesellschaft zudem auf die Entwicklung an europäischen Flughäfen angewiesen.
Mit Partnern vor Ort stehe man im Austausch, sagt Bucher. Ziel sei es, den Flugbetrieb aufrechtzuerhalten und größere negative Auswirkungen für die Airline zu vermeiden.
Mehr Flüge nach München
Unabhängig von der aktuellen Lage baut Singapore Airlines ihre Kapazität in Europa aus. Ab dem 26. Oktober soll München im Winterflugplan zehnmal pro Woche statt bisher siebenmal angeflogen werden. Damit gehört die Strecke zu den am häufigsten bedienten europäischen Routen im Netzwerk.
Dem DACH-Markt schreibt Bucher eine hohe strategische Bedeutung zu. Singapore Airlines fliegt Frankfurt, München und Zürich an. Die Märkte seien wirtschaftlich stark und wichtig für das Premiumsegment. Das Produkt der Airline passe zu Kunden, die ein hochwertiges Reiseerlebnis suchten und bereit seien, dafür mehr zu bezahlen.
Europa-Netz wächst weiter
Auch andere europäische Strecken werden ausgebaut. Madrid wird künftig fünfmal pro Woche über Barcelona angebunden. Damit erweitert Singapore Airlines das europäische Netz auf 15 Ziele.
Manchester wird ab Mitte Juli täglich angeflogen. Das Verbindungsnetz von London-Gatwick wächst ab Ende Oktober auf insgesamt zwei tägliche Verbindungen. Mailand wird ab Ende Oktober ebenfalls täglich bedient.
Neben Europa wächst das Netz auch in Richtung Australien. Singapore Airlines will den neuen Western Sydney International Airport anfliegen. Der Flughafen hat keine Nachtflugsperre, was spätere Verbindungen ab Sydney ermöglicht.
Reisebüros bleiben wichtig
Für den Vertrieb im DACH-Raum sieht Bucher Reisebüros und Veranstalter weiter als zentrale Partner. Singapore Airlines investiere in Ansprechpartner für Agenturen und betreue größere Reisebüropartner über persönliche Account Manager.
Ein wichtiges Thema bleibt NDC. Bucher sagt, weltweit liefen rund 60 Prozent der Buchungen über diesen Datenstandard. Die Airline biete mehrere Wege: direkte Schnittstelle, GDS, Aggregatoren oder ein eigenes Agenturportal. Reisebüros könnten wählen, wie sie NDC-Inhalte buchen.
Nicht alle Marktsegmente seien gleich. Online-Anbieter, Veranstalter und Consolidator seien bereits weit vorangekommen, während das Geschäftsreisesegment im DACH-Markt noch zurückhaltender sei.
Rekordumsatz bei sinkendem Nettogewinn
Im Geschäftsjahr 2025/26 erzielte die Singapore-Airlines-Gruppe einen Rekordumsatz. Die Erlöse stiegen um fünf Prozent auf 20,5 Milliarden Singapur-Dollar, umgerechnet rund 14,1 Milliarden Euro. Der operative Gewinn legte um 39 Prozent auf 2,4 Milliarden Singapur-Dollar, rund 1,6 Milliarden Euro, zu.
Singapore Airlines und die Tochter Scoot beförderten zusammen 42,4 Millionen Passagiere. Das waren 7,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Auslastung stieg auf 87,7 Prozent.
Unter dem Strich sank der Nettogewinn jedoch um 57,4 Prozent auf 1,18 Milliarden Singapur-Dollar, rund 800 Millionen Euro. Gründe waren nach Angaben der Airline ein weggefallener Sondereffekt aus dem Vorjahr sowie Verluste aus der Beteiligung an Air India.
Christian Schmicke
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