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14. Oktober 2020 | 15:09 Uhr
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Wikinger Reisen erreicht ein Drittel des Vorjahresumsatzes

Der Wanderreisespezialist, der bereits Ende März die halbe Belegschaft entließ, verbucht im auslaufenden Geschäftsjahr 42 Millionen Euro Umsatz. Für 2021 rechnet Inhaber Daniel Kraus (Foto) mit einem ähnlichen Umsatzniveau.

Kraus Daniel

Daniel Kraus rechnet mit gut 40 Millionen Euro Umsatz im nächsten Jahr

Am 24. März machte Wikinger-Chef Kraus einen harten Schnitt und schockte die Mitarbeiter des kurz zuvor noch florierenden Unternehmens. Insgesamt 71 Angestellte erhielten Kündigungsschreiben. Noch zehn Tage zuvor habe die Geschäftsführung versichert, dass das Unternehmen ohne Entlassungen durch die Krise kommen werde, sagt ein langjähriger Mitarbeiter, den es ebenfalls erwischte. Dass der Unternehmer, dessen Veranstalter im Vorjahr noch sieben Millionen Euro Gewinn verbuchte, so hart durchgreifen würde, hatte wohl niemand erwartet.

Kraus sieht sich indes angesichts der anhaltenden touristischen Krise bestätigt. "Wir haben die Lage frühzeitig richtig eingeschätzt – die Entlassungswelle im Frühjahr war sehr schmerzhaft", sagt er. "Aber ohne Alternative, um die verbleibenden Arbeitsplätze zu sichern. Das enorme Minus machte den Abbau von knapp 50 Prozent unumgänglich."

Viel Deutschland, wenig  Fernreisen

Nun soll Wikinger Reisen in eine Art Normalbetrieb zurückkehren. Von November an arbeiteten alle verbliebenen Mitarbeiter wieder mit voller Stundenzahl. "Wir haben unsere erste Restrukturierungsphase abgeschlossen und schauen zuversichtlich ins Jahr eins der neuen touristischen Zeitrechnung", so Kraus. Ab November sind alle Mitarbeiter wieder auf voller Stundenzahl. Der Aktivspezialist, der nach eigenen Angaben "aufgrund hoher Eigenkapitalquote ohne Kredite unterwegs" ist, hofft, "die Talsohle in Kürze zu durchschreiten". Ab Januar will er auch wieder Auszubildende einstellen.

Für 2021 rechnet Kraus mit einem ähnlichen Umsatzniveau wie in diesem Jahr. „Unsere Gäste wollen reisen, die große Stammkundentreue hilft uns sehr. Aber der durchschnittliche Reisepreis pro Urlauber wird signifikant sinken.“ Für Fernreisen, noch im Vorjahreswinter starke Stütze des Geschäfts, sieht der Veranstalter kaum Chancen. Er sei froh, dass der Fernreiseanteil auch zuvor nur bei rund 15 Prozent gelegen habe.

Kraus geht davon aus, dass Reisen in Deutschland im nächsten Jahr besonders gefragt sind. „Wir erwarten über 8.000 Gäste in heimischen Zielen“, so der Wikinger-Chef. „Insgesamt werden rund 12.000 erdgebunden anreisen, ein Anteil von fast 40 Prozent.“ Im Flugbereich plant der Spezialist für 2020/21 mit 20.000 Gästen, 90 Prozent davon in europäischen Destinationen.

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