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5. Mai 2020 | 07:00 Uhr
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Zehntausende Crewmitglieder kommen nicht vom Schiff

Die Passagiere sind nach vielen Irrfahrten wieder zu Hause, doch was ist mit den Crews der Kreuzfahrtschiffe? Zehntausende harren seit Wochen auf den Megalinern aus und dürfen nicht an Land. Jetzt versuchen Reedereien, die Besatzungsmitglieder auf ihren Schiffen zu ihren Familien zu bringen. Doch auch das gestaltet sich schwierig.

TUI Cruises Mein Schiff 3 Foto TUI Cruises.jpg

Die "Mein Schiff 3" hat derzeit 2.900 Crewmitglieder auch von Schwesterschiffen an Bord, die nach Hause wollen

Es gibt wohl nur wenige Arbeitsplätze, wo so viele verschiedene Nationen als Team arbeiten wie auf einem Kreuzfahrtschiff. Die Besatzung ist bunt zusammengewürfelt, die Seeleute kommen aus aller Herren Länder. Doch dies wird jetzt zum Problem. Alle Kreuzfahrten sind abgesagt, die Schiffe liegen in aller Welt vor Anker und die Crews könnten bis auf eine kleine Stammmannschaft eigentlich nach Hause. Doch genau das gestaltet sich schwierig.

Behörden erschweren den Landgang

Reguläre Heimflüge gibt’s nicht mehr. Covid-19 hält die Flugzeuge am Boden. Doch selbst wenn die Jets abheben würden, müssten die Schiffsbesatzungen zunächst an Land gehen dürfen. Das Visum scheint dabei eher das kleinere Problem. Viele Behörden fürchten, dass die Crews neue Corona-Fälle und andere Probleme mitbringen. In den USA etwa erwartet die Gesundheitsbehörde CDC, dass die Reedereien nicht nur die finanzielle, sondern auch strafrechtliche Verantwortung für ihre Mitarbeiter übernehmen.

Reedereien fahren Crews mit Schiffen nach Hause

Angesichts solcher rechtlichen und logistischen Probleme gehen einige Reedereien dazu über, ihre Mitarbeiter selbst nach Hause zu fahren. So stoppte etwa die „Artania“ von Phoenix auf ihrem Rückweg von Australien nach Deutschland in Manila und Jakarta, um Besatzungsmitglieder in ihre Heimat zu bringen.

Der Kreuzfahrtkonzern Carnival hat mittlerweile sogar einen eigenen Fahrplan zur Rückführung von Crewmitgliedern organisiert. Über ein Dutzend Kreuzfahrtschiffe treffen sich etwa auf den Bahamas, tauschen die Besatzung je nach Herkunftsland und schwärmen dann aus in alle Welt, um die Mitarbeiter heimzubringen. Aida Cruises ist seit Wochen dabei, die Heimreise für ihre Crews zu organisieren, teilweise mit Direktflügen auf die Philippinen.

TUI Cruises mit Corona-Fall an Bord

TUI Cruises hat Crewmitglieder, die derzeit nicht gebraucht werden, von der „Mein Schiff 1“, „Mein Schiff 2“ und „Mein Schiff Herz“ eingesammelt und mit der „Mein Schiff 3“ nach Cuxhaven gebracht. Von dort sollten sie eigentlich ihre Heimreise antreten. Nun sind 2.900 Besatzungsmitglieder an Bord – und einer davon wurde positiv auf Covid-19 getestet. Derzeit laufen auf dem Schiff Tests an allen an Bord. Wie es weitergeht, ist offen.

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