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19. September 2018 | 16:21 Uhr
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Zoff im ASR – warum

Ihr sei "der Kragen geplatzt", antwortet Roswitha Schlesinger auf die Frage, warum sie für das Präsidentenamt im Mittelstandsverband ASR kandidieren wolle. Außerdem sei sie von anderen Mitgliedern darum gebeten worden. "Wenn sich jetzt nichts ändert, dann können wir einpacken", sagt die Inhaberin des Reisebüros ITD Travelmanagement in Borkheide.

Vorwürfe gegen amtierendes Präsidium

Stein des Anstoßes für Schlesinger ist die Arbeit des aktuellen ASR-Präsidiums, namentlich die von Präsident Jochen Szech und Schatzmeisterin Anke Budde. Die eigentliche Strippenzieherin im Verband sei Budde, sagt Schlesinger. In deren Privatwohnung liefen derzeit sämtliche Telefonate auf, die eigentlich in Geschäftsstelle des Verbandes in Berlin bearbeitet werden sollten, die aktuell unbesetzt sei.

Zudem bewahre Budde das Mitgliederverzeichnis des ASR bei sich zu Hause auf. Darauf wolle sie als Vorsitzende des Bildungsausschusses Zugriff haben, doch der werde ihr trotz mehrmaliger Aufforderung verwehrt. Nun wolle sie diesen Anspruch mittels eines Rechtsanwalts durchsetzen.

 

ASR-Verantwortliche widersprechen

Auf Nachfrage von „Reise vor9“ weist das amtierende ASR-Präsidium, dem Jochen Szech, Anke Budde und Martin Pundt angehören, Schlesingers Vorwürfe zurück. Es sei schlicht falsch, dass die Geschäftsstelle des ASR verwaist sei und die Mitgliederdaten bei Budde privat aufbewahrt würden. Die Daten befänden sich auf dem Server und gedruckt in der ASR-Geschäftsstelle.

Richtig sei jedoch, dass Schlesinger der Zugang zu den Mitgliederdaten verwehrt werde. Dies sei schon aus Datenschutzgründen nicht möglich. Zudem gebe es einen Mitgliederbeschluss aus dem vergangenen Jahr, dass Mitgliedern die Anschriften nicht zur Verfügung gestellt werden dürften.

Zur Vorbereitung der Wahlen auf der Mitgliederversammlung vom 2. bis zum 4. November in Wien habe die Geschäftsstelle alle Kandidaten angeschrieben und um ein zweiseitiges Schreiben zu ihrer Kandidatur gebeten. Dies solle den Mitgliedern als Teil der Tagungsbroschüre zugesandt werden. Bislang sei von Schlesinger nichts eingegangen. Bisher liege offiziell auch noch keine Kandidatur von ihr vor, wie sie die Satzung vorschreibe.

 

Kommunikationsbedarf nach innen und außen

Jenseits persönlicher Fehden sieht Schlesinger beim ASR auf allen Feldern der Kommunikation Verbesserungsbedarf. Die Basis der Entscheidungsträger müsse durch eine bessere Einbeziehung des Vorstandes, aber auch der Mitglieder, erweitert werden. Derzeit gebe es keine funktionierende verbandsinterne Kommunikation. Szech und Budde fällten Entscheidungen im Alleingang, wirft Schlesinger dem Führungsduo vor.

Auch nach außen müsse mehr geredet werden, nicht zuletzt mit den anderen Verbänden, so Schlesinger. Neben DRV und BTW schließt sie dabei auch den Reisebüroverband VUSR ein, der sich vom ASR abgespalten hatte. Zu deren Vorsitzender Marija Linnhoff sei ihr Verhältnis "in Ordnung", sagt die Reisebüroinhaberin. Jeder müsse mit jedem sprechen können. Das sei wichtig, um bei wichtigen Branchenthemen die Kräfte bündeln zu können.

Christian Schmicke

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