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27. Juli 2026 | 07:00 Uhr
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23-Jähriger baut Familienunternehmen um Kreuzfahrtportal aus

Lars Levinger (Foto) führt seit rund einem Jahr das von seinem Vater gegründete Unternehmen Destinations Touristik in Kempten, das hinter den Portalen "Vorne sitzen" und neu auch "Besser cruisen" steckt. Der Quereinsteiger setzt auf persönliche Beratung, ausgewählte Luxusprodukte und Kundenservice mit festen Ansprechpartnern.

Levinger Lars Vorne Sitzen Besser Cruisen Foto Sienz Nah

Lars Levinger hat sich nach einem Abstecher in die Münchner Start-up-Welt doch für eine Karriere im Familienunternehmen entschieden

Die Touristik war für Lars Levinger früh Teil des Familienalltags. Sein Vater Matthias gründete 1993 die Destinations Touristik GmbH, aus der später die Marke "Vorne sitzen" hervorging. Das Geschäftsmodell konzentriert sich auf Business- und First-Class-Flüge sowie die Suche nach günstigeren Verbindungen für anspruchsvolle Kunden.

"Ich bin mit dem Thema Reisen aufgewachsen und war schon immer fasziniert davon", sagt er. Trotzdem habe er sich zunächst nicht für eine touristische Ausbildung entschieden. Nach der Schule wurde er Einzelhandelskaufmann, arbeitete ein halbes Jahr in Australien und wechselte anschließend zu einem Medien-Startup nach München.

Der Einstieg begann als Medienprojekt

Der Kontakt zum Familienbetrieb entstand über ein begrenztes Projekt. Levinger sollte im Auftrag des Vaters Website, Newsletter, Außenauftritt und interne Prozesse modernisieren. Eine sofortige Nachfolge sei zunächst nicht geplant gewesen.

Mit der Zeit arbeitete er parallel für das Start-up und das Unternehmen in Kempten. Im Alter von 21 Jahren entschied er sich gegen diese Doppelrolle, zog zurück ins Allgäu und stieg vollständig in die Firma ein. Zunächst verschaffte er sich einen Überblick und übernahm schrittweise mehr Aufgaben. Seit rund einem Jahr ist er Geschäftsführer.

Sein Vater bleibe als Berater eingebunden, mische sich aber kaum noch ins operative Geschäft ein. "Er kommt dreimal die Woche kurz ins Büro und lässt mir ziemlich freie Hand", so Levinger. Bei größeren strategischen Entscheidungen nutze er dessen Erfahrung aus mehr als drei Jahrzehnten. So vollziehe das Unternehmen den Generationswechsel schrittweise.

Keine Buchbarkeit auf den Webseiten

Hinter dem seit mehr als 30 Jahren bestehenden Portal "Vorne-sitzen.de" stehen zwei Unternehmen, erklärt der 23-Jährige. Die Destinations Touristik GmbH verantwortet Marke, Strategie, Marketing und die Gewinnung von Anfragen. Reisebüro Koch Übersee übernimmt seit 2008 die Beratung und Buchungsabwicklung. Für Kunden bleibe diese Struktur im Hintergrund, so Levinger.

Eine direkte Online-Buchung auf den Webseiten lehnt er bewusst ab. "Die Technik soll Prozesse erleichtern, aber nicht den persönlichen Kontakt ersetzen", sagt er. Gerade bei Flugausfällen oder Streiks sollen Kunden einen festen Ansprechpartner erreichen, statt in einer Warteschleife zu landen.

Die Berater des Reisebüros Koch in Hamburg suchen Verbindungen, prüfen alternative Abflughäfen und übernehmen Buchung sowie Dokumente. Bei einem Langstreckenflug könne etwa ein Abflug ab Wien statt München einer Familie bei Premium, Business oder First Class mehrere Tausend Euro sparen. "Im Fluggeschäft nehmen wir für unsere Dienste eine Servicegebühr, damit sich der Aufwand auch für uns rechnet. Damit haben die Kunden kein Problem", sagt der Nachwuchstouristiker.

Kunden fragen nach Kreuzfahrten

Die zweite Marke mit gleichnamiger Webseite Besser-Cruisen.de entstand aus Anfragen langjähriger Flugkunden. Diese wollten auch Luxuskreuzfahrten über ihre vertrauten Berater buchen. "Zunächst hat das Team solche Reisen nur vereinzelt umgesetzt, das war ja nicht unser Kerngeschäft", so Levinger. 2024 habe er testweise ein Angebot einer Luxusreederei in den alle zwei Wochen erscheinenden Vorne-sitzen-Newsletter aufgenommen. "Das Angebot erhielt viele Klicks und führte direkt zu Buchungen", sagt der Geschäftsführer von Destinations Touristik. "Und so war es klar, dass ein eigener Kanal für Kreuzfahrten kommen wird."

Der durchschnittliche Warenkorb im Kreuzfahrtbereich liegt nach Levingers Angaben zwischen 22.000 und 27.000 Euro. Das Unternehmen setze auf eine begrenzte Auswahl an Reisen, damit die Berater Preise und Routen eng beobachten können. "Wichtig zum Verständnis des Geschäftsmodells ist, dass wir Flüge und Kreuzfahrten in separaten Bausteinen verkaufen. Wir begeben uns nicht selber in die Veranstalterrolle", betont der Quereinsteiger.

Kritik an Rabattschlachten

Levinger sieht die häufig wechselnden Sonderaktionen vieler Reedereien kritisch. Gerade im Luxussegment passten ständig neue Sales und Specials nur bedingt zum Produkt. Bei einer Weltreise könnten Preisschwankungen von 5.000 oder 10.000 Euro Kunden verunsichern. Auch wohlhabende Reisende achteten auf den Preis. Persönliche Beratung bedeute deshalb nicht nur, ein passendes Produkt zu finden, sondern Preisänderungen zu erklären und mögliche Nachlässe bei Reedereien aktiv einzufordern.

Mittelfristig denkt Levinger über eigene Schiffscharter und Veranstaltungen an Bord nach. Voraussetzung dafür sei eine ausreichende Reichweite. Ziel sei es, Kunden stärker an die Marken zu binden und ihnen bei hochwertigen Buchungen Vorteile zu verschaffen. "Das kann die Flasche Champagner sein, das Ausflugspaket, Bordguthaben, ein Upgrade oder Transfers", so Levinger.

Warum Levinger bei KI optimistisch bleibt

Künstliche Intelligenz bedroht aus seiner Sicht vor allem klassische Online-Buchungsmaschinen. Menschen, die KI zur Reisesuche einsetzen, hätten meist bereits eine hohe Bereitschaft, technisch und ohne Beratung zu buchen.

Dadurch könne sich die Trennung im Markt weiter verstärken. Auf der einen Seite stünden Selbstbucher, auf der anderen Kunden, die Erfahrung, Erreichbarkeit und das Gespräch mit einem Menschen schätzen. In dieser zweiten Gruppe sieht der junge Geschäftsführer die Zukunft von Vorne sitzen und Besser Cruisen.

Sabine Schreiber-Berger

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