Schmetterling-CEO rügt Veranstalter und bringt neue KI-Tools
Schmetterling-CEO Ömer Karaca (Foto) hat bei der Tagung auf Rhodos Klartext gesprochen. Der Geschäftsführer der Reisebürokooperation kritisiert den Umgang vieler Veranstalter mit Krisenlagen und warnt zugleich vor wachsender Abhängigkeit der Branche von großen Online-Portalen. Dem stelle Schmetterling unter anderem mehr KI-Einsatz entgegen.
Schmetterling
Schmetterling-CEO Ömer Karaca moniert mangelnde Unterstützung der Veranstalter in Krisenzeiten
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Hintergrund der Kritik Karacas ist die Eskalation im Nahen Osten seit Ende Februar. Reisebüros verkauften mit der Pauschalreise seit jeher ein Sicherheitsversprechen, sagte Karaca. In der Praxis sehe es aber oft anders aus. Statt partnerschaftlicher Hilfe habe es automatische Stornierungen und mangelhafte Alternativen mit teils hohen Aufpreisen gegeben. Die Folgen landeten nach Karacas Darstellung direkt im Reisebüro. Mitarbeiter hingen stundenlang in Warteschleifen, fingen den Ärger der Kunden auf und verlören im Zweifel selbst an Glaubwürdigkeit, weil die Unterstützung der Leistungsträger ausbleibe.
Der Schmetterling-Chef zog daraus ein grundsätzliches Fazit. Der häufig gelobte Verbraucherschutz der Pauschalreise existiere oft nur noch auf dem Papier, wenn es ernst werde. Das sei eine echte Belastungsprobe für das stationäre Reisebüro.
Warnung vor ruinöser Online-Abhängigkeit
Ebenso deutlich fällt seine Kritik an Cashback- und Rabattaktionen im Online-Vertrieb aus. Rückvergütungen von bis zu 800 Euro trieben den Markt in einen ruinösen Preiskampf, so Karaca. Vor allem Veranstalter warnte er davor, sich zu stark auf große Online-Portale zu stützen. Wer 20 bis 30 Prozent seines Umsatzanteils über solche Plattformen mache, begebe sich in eine massive Abhängigkeit. Karaca machte deutlich, dass die Stärke der Onliner vor allem in ihrem datengetriebenen Arbeiten liege. Hier seien die Reisebüros ins Hintertreffen geraten.
KI soll Fleißarbeit im Hintergrund übernehmen
Schmetterling wolle darauf mit Technologie antworten. Der CEO der Reisebürokooperation aus dem fränkischen Geschwand präsentierte auf Rhodos eine Agentic-AI-Lösung für den stationären Reisevertrieb, die standardisierte Fleißarbeit bei der Angebotserstellung im Hintergrund übernehmen soll. Zur Erklärung: Agentic AI steht laut Fraunhofer Institut für KI-Systeme, die eigenständig denken, lernen und handeln.
Er appellierte an die Reiseverkäufer, sie sollten der KI mehr vertrauen und sie als Unterstützung im Alltag sehen. Der gewonnene Freiraum solle in das investiert werden, was Reisebüros von Algorithmen unterscheide, "Qualität, Persönlichkeit und Beratungskompetenz".
Karaca verband das mit einem Hinweis auf den Alltag vieler Reiseverkäufer. Das klassische Brot-und-Butter-Geschäft der Pauschalreise binde viel Zeit und Kraft, während die Provision oft in keinem Verhältnis zum Aufwand stehe. Das Ziel sei deshalb, das Tagesgeschäft profitabler zu steuern und so Raum für höherwertige Beratung und größere Warenkörbe zu schaffen.
Neues Cockpit soll Ertrag sichtbar machen
Ein zentrales Instrument dafür ist nach Angaben von Schmetterling das verbesserte Provisions-Cockpit, das Partnerbüros kostenfrei nutzen können. Laut Karaca geht Reisebüros jedes Jahr Provision verloren, weil Umsatzziele zwar insgesamt erreicht würden, aber nicht gezielt je Veranstalter.
Das Cockpit werde deshalb nicht nur Pauschalreisen erfassen, sondern auch Versicherungen, Nur-Hotel-Buchungen, Hotelboni und Nebenleistungen. Herzstück ist laut CEO eine Prognosefunktion mit drei Ebenen: dem aktuellen Stand, der Jahresend-Prognose und der Information, wie viel Umsatz bis zur nächsten Staffelstufe fehlt.
Ampelsystem gegen Blindflug in der Beratung
Im Beratungsalltag soll vor allem die Verknüpfung des Provisions-Cockpits mit dem bestehenden Provisionskompass im Vergleichs- und Beratungssystem Xena Wirkung entfalten. Über ein Ampelsystem könnten Expedienten auf einen Blick erkennen, ob ein Angebot provisionsattraktiv oder nachteilig sei.
Schmetterling wolle den Blindflug in der Beratung beenden, sagt Karaca zur Zielsetzung des Kompasses. Verkäufer sollten gezielt zu den Produkten geführt werden, die sowohl den Kundenwunsch erfüllen als auch die Arbeit des Reisebüros fair entlohnen. Damit folge auf die Kritik an aktuellen Marktverhältnissen ein Gegenentwurf der Kooperation. Es gehe um mehr Datennutzung im stationären Vertrieb, weniger Abhängigkeit von Dritten und mehr Steuerung aus eigener Kraft.
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