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28. Januar 2026 | 07:00 Uhr
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Shitstorm für VHS-Kurs "Reisebüro war gestern"

Kleine Schulung, große Wirkung. So könnte man die Aufregung rund um den VHS-Kurs mit dem vielsagenden Titel "Reisebüro war gestern, heute buche ich selbst", beschreiben. Expis machen ihrem Unmut in Social Media Luft, da die Volkshochschule in der Beschreibung des Kurses Online-Buchungen einfacher und günstiger als am Counter darstelle.

Aufregung Ärger Foto iStock Raw Pixel

Counter-Profis sind sauer wegen eines VHS-Kurses, der eine Einführung in das Reise-Selbstbuchen verspricht

Mehrere Volkshochschulen bieten derzeit Kurse an, die vermitteln sollen, wie Reisen ohne Unterstützung eines Reisebüros gebucht werden können. Besonders viel Aufmerksamkeit bekommt ein Termin der Volkshochschule Bochum, der am 23. April 2026 stattfindet. Der Kurs wird mit identischem Titel und Kursleiter auch an weiteren Standorten angeboten, darunter Unna, Hamm, Dortmund und Bruchsal. Im Kurs sollen die Teilnehmenden lernen, ihre "Traumreise ganz ohne die Hilfe eines Reisebüros" zu planen. Genau diese Aussagen stoßen in der Branche auf Widerstand.

Kritik aus sozialen Netzwerken

In einer Facebook-Gruppe von Counter-Profis entlädt sich der Unmut, wie zuerst das Fachmedium FVW berichtet hat. Dort ist von Respektlosigkeit die Rede, aber auch von Ironie. "Friseur war gestern. Heute schneide ich mir die Haare selbst", lautet ein Kommentar. Andere Touristiker kündigen an, den Dialog mit der örtlichen VHS suchen zu wollen. Etwas gelassener sieht es etwa Andreas Lambeck, Geschäftsführer Ahrtal Marketing und Berater der Raiffeisen Touristik Group, der die Diskussion laut FVW angestoßen hat. Digitale Kompetenz zu vermitteln sei legitim, so Lambeck. "Aber sie darf nicht eine staatlich finanzierte Plattform nutzen, um eine ganze Branche als überholt darzustellen", heißt es weiter.

Zwischen Empörung und Gelassenheit

"Es gibt nichts zu sagen gegen die Vermittlung digitaler Kompetenz", findet ein anderer Reiseverkäufer. Wenn dies allerdings mit Lügen einhergehe, wie die Behauptung selbst online zu buchen sei günstiger, sehe man "eine gute Gelegenheit für einschlägige Verbände, sich mit einer Unterlassungsklage im Sinne der Reisebüros zu positionieren". Der nächste schlägt vor, den Kurs selbst unter einem Pseudonym zu buchen und kritisch zu begleiten. Unstrittig ist, dass der VHS-Kurs eine Debatte ausgelöst hat. Sie zeigt, wie sensibel das Verhältnis zwischen stationärem Vertrieb und der Online-Konkurrenz weiterhin ist.

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Sabine Schreiber-Berger

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