Tägliche News für die Travel Industry

14. März 2022 | 07:00 Uhr
Teilen
Mailen

Weit weit weg: Wo man in Kanada auch mal hinfahren könnte

Kanada ist so groß, da liegt vieles abseits, Städte, Straßen, Naturwunder und ganze Regionen. Genau das richtige Ziel für Entdecker. Hier ein paar lohnende Ecken, wo man kaum auf andere Touristen trifft: spektakuläre Panoramastraßen, einsame Inseln oder spirituelle Orte der First Nations.

Kanada Neufundland iStock UpdogDesigns

Einsame Plätze mit spektakulären Ausblicken wie hier in Neufundland gibt es in Kanada reichlich

Klippen umfahren im Südwesten Neufundlands

Die meisten fahren einfach daran vorbei. Dabei ist die Südwestecke von Neufundland die facettenreichste und wohl einsamste Gegend der Provinz. Gleich in Port aux Basques beginnt die wohl schönste Küsten-Kurverei in Neufundland. Nach knapp 50 Kilometern mit Klippen, Schären und Fischerdörfern endet der Highway 470 an einem Fleckchen Erde mit farbenfrohen Häuschen, Schuppen und Garagen an steilen Klippen zum Meer.

Unterwegs gibt’s jede Menge Highlights wie das winzige Örtchen Rose Blanche mit seinem fotogenen Leuchtturm und als Ausgangspunkt ganztägiger Bootstouren unter der Leitung ehemaliger Fischer. Entlang der Küste zeigen sich Wale, Seehunde, Seevögel und mit etwas Glück auch Karibus und Elche, und das auch gern mal auf oder neben der Straße. Das Örtchen Codroy Valley ist ein Paradies für Vogelbeobachter.

Kajaken zwischen den 100 Wild Islands in Nova Scotia

Kanada Nova Scotia Insel iStock kenmo

Ein paar Fischkutter tuckern an winzigen Felseninseln vorbei, bevor sie in Richtung offenes Meer verschwinden. Kajaks gleiten auf dem Weg zu einer kleinen Insel mit Sandstrand durch glasklares Wasser. Unter ihnen ist ein dunkler Schatten zu sehen, Sekunden später kräuselt die Rückenflosse eines neugierigen Tümmlers die Oberfläche des Wassers vor dem Bug. Es könnten Szenen aus der Karibik sein, aber es ist der entspannte Alltag der 100 Wild Islands in Nova Scotia.

Die in Wirklichkeit knapp 300 Inseln und Inselchen liegen etwas nördlich von Halifax. Seit einigen Jahren gehören ihre windgeschützten Buchten mit dem türkisfarbenen Wasser, ihre Sandstrände, Wälder und Feuchtgebiete zur Eastern Shore Islands Wilderness Area, die diesen bis heute ursprünglich gebliebenen Küstenabschnitt schützt. Ein Anbieter in Tangiers bietet halb- und ganztägige Kajaktouren in dieses ganz besondere kanadische Paddler-Paradies an.

Auf der Route 132 den Atlantik immer im Blick

Kanada Quebec Route 32 Perce Rock iStock AlbertoLoyo

Die grau-schwarze, mehrere hundert Meter hohe Steilküste ragt gleich neben der Straße auf. Auf der anderen Seite schützen Wellenbrecher gegen die vor dem auf Augenhöhe anrollenden Atlantik, doch der sprüht trotzdem hin und wieder eine Runde Gischt auf die Fahrbahn. Winzige Siedlungen liegen in kleinen Buchten und kommen nach scharfen Kurven landeinwärts unvermutet in Sicht.

Québecs Route 132 rund um die menschenleere, nur an den Küsten dünn besiedelte Gaspé-Halbinsel ist die ungeschliffene Schwester des berühmten Cabot Trail. Sie passiert Straßendörfer, wo der raue Atlantik gleich hinter den Häusern auf den steinigen Strand schlägt. Gründe zum Aussteigen gibt es auf dieser Panoramastrecke reichlich. Die schönsten drei: der Parc National de la Gaspésie mit Garantie zur Elchsichtung, der Parc National de Forillon mit Bären und Walbeobachtung von den Klippen aus und das sympathische Städtchen Percé mit einer über 100.000 Vögel zählenden Tölpel-Kolonie.

Kanadas Wilder Westen in den Big Muddy Badlands

Kanada Saskatchewan Castle Butte Big Muddy Valley Foto iStock Bobloblaw

Kein Handyempfang, kein W-Lan. Nur Felsen, Kakteen und surreal geformte Sandsteinschluchten. Das Big Muddy Valley 170 Kilometer südlich von Regina in Saskatchewan kurz vor der US-Grenze ist eine Welt für sich. Oben auf dem Grasland macht der unverstellte Blick auf den Horizont fast schwindelig. Auf dem Talboden erinnern die vielen dunklen Höhlen und Felsenspalten an Hollywood-Western.

Und tatsächlich: Ende des 19. Jahrhunderts tauchten hier kanadische und amerikanische Outlaws unter, darunter Gangster-Aristokratie wie Butch Cassidy. Wer sich heutzutage in das Big Muddy Valley verirrt, der flieht auch. Nicht vor dem Gesetz, sondern eher vor Lärm, Stress und Umweltverschmutzung. Denn im Sommer blüht das Grasland in allen Wildblumenfarben. Von Ende Mai bis Mitte September werden im Städtchen Coronach geführte Touren zu den Outlaw-Höhlen und zum 60 Meter hohen Castle Butte angeboten.

Kalifornische Vibes und kulinarische Genüsse in Osoyoos

Kanada British Columbia Osoyoos iStock StephenBridger

Der Name Osoyoos stammt aus der Syilx-Sprache und bedeutet "schmaler werdende Wasser". Der Name "warmes Wasser" hätte ebenfalls Sinn gemacht, denn der Lake Osoyoos im Osten British Columbias ist Kanadas wärmster See. Das ist keineswegs übertrieben: Der in Kanada übliche Kälteschock beim Sprung ins Wasser stellt sich hier selbst im September nicht ein. Das Klima der Region bietet heiße Sommer und milde Winter. Es findet sich sogar eine kleine Wüste.

Osoyoos fühlt sich an wie ein Städtchen in Nord-Kalifornien, punktet jedoch mit der Abwesenheit von Kettenrestaurants. Dafür locken kulinarische Genüsse auf Obstplantagen und Weingütern. Nicht verpassen sollten Besucher eine Weinprobe im Weingut Nk`Mip Cellars, dem ersten von First Nations betriebenen Weinberg in Kanada. 

Manitoulin Island ist die Heimat des Großen Geistes

Kanada Ontario Manitoulin Island iStock joannasgallery

Als Manitou die Welt erschuf, behielt er das beste Stück für sich. In der Schöpfungsgeschichte der Volksgruppe Anishinaabe ist dies Gitchi Manitou, die "Insel des Großen Geistes". Die per Autofähre von Tobermory in Ontario aus erreichbare Insel im Lake Huron präsentiert sich mit lauschigen Kiefernwäldern, Wasserfällen und warmen Badeseen als Ort mit hoher Lebensqualität.  Über die Hälfte der dort lebenden 14.000 Menschen sind selbstbewusste Anishinaabe, die das Überleben ihrer uralten Sprache und Kultur auf ihren Pow Wows feiern und "Bleichgesichter" gern dabei willkommen heißen.

Weitere Einblicke in die indigene Kultur und Lebensweise erhalten Besucher auf geführten Wander- und Paddeltouren oder bei Sprachkursen und Workshops. Für Entdecker reicht die Palette der Outdoor-Aktivitäten von der Wanderung auf dem Cup-and-Sauce-Trail bis zu Seekajaken im kristallklaren Wasser des North Channel.

Mehr über das Reiseland Kanada erfahren Sie mit unserer Themenwoche Kanada auf Reise vor9 und Counter vor9: News, Hintergrund und Tipps für die Beratung im Reisebüro.

Anzeige Reise vor9