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8. September 2021 | 16:13 Uhr
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Mecklenburg-Vorpommern in Sachen Tourismus gespalten

Laut einer Akzeptanz-Studie sieht die Mehrheit der Menschen zwar positive Effekte – etwa die Schaffung von Arbeitsplätzen, die Förderung der lokalen Wirtschaft oder den Beitrag zum Erhalt der Kultur. Allerdings sagen auch 45 Prozent: "Es ist zu voll."

Usedom Ahlbeck

Auf Usedom sehen besonders viele Menschen den Tourismus als Belastung

Die repräsentative Studie "Tourismusakzeptanz in der Wohnbevölkerung", die am Mittwoch vom Landestourismusverband im Ostseebad Kühlungsborn vorgestellt wurde, ist Teil eines deutschlandweiten Forschungsprojektes des Deutschen Institutes für Tourismusforschung (DITF) der FH Westküste. Fazit der Forscher: Die Mehrheit der Menschen in Mecklenburg-Vorpommern schätze den Tourismus im Land. Dennoch hege ein Teil der Bevölkerung auch Befürchtungen dahingehend, dass es bereits zu voll sei. Diese Vorbehalte träten besonders in den Tourismusschwerpunkträumen auf, allen voran bei der Bevölkerung Usedoms.

Arbeitsplätze vs. Preisanstieg

Unter den 1.300 einheimischen Befragten erklärten 73 Prozent, dass Tourismus attraktive Arbeitsplätze schafft; 86 Prozent glauben, dass Tourismus die lokale Wirtschaft fördert, 67 Prozent sagen, dass Tourismus zum Erhalt der Kultur beiträgt, und 53 Prozent nehmen ein vielfältigeres Freizeitangebot wahr. Letzteres werde in den Tourismusschwerpunkträumen noch einmal auffälliger, so die Marktforscher. So erklärten 70 Prozent der Einheimischen auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst, dass sie ein vielfältiges Freizeitangebot durch den Tourismus wahrnähmen, 69 Prozent der Rostocker und 64 Prozent der Rüganer und Schweriner sähen das ebenso. Dahingegen könnten nur 38 Prozent der Einwohner in der Region Mecklenburg-Schwerin sowie 42 Prozent der Einwohner auf dem vorpommerschen Festland diese Wirkung erkennen.

Neben positiven Einflüssen nehmen die Befragten auch negative Effekte des Tourismus wahr, so die Studie: 45 Prozent sagten, es sei zu voll, 59 Prozent fänden, dass Tourismus zur Belastung der Natur beitrage, 53 Prozent seien der Meinung, dass Tourismus für einen Preisanstieg sorge, und sogar rund zwei Drittel der Befragten könnten keine Steigerung der Lebensqualität erkennen. Alle Effekte – ob positiv oder negativ – kämen zudem in der Saison überwiegend stärker zum Tragen als in der Ganzjahresbetrachtung.

Starke regionale Unterschiede

Ein zu hohes Gästeaufkommen an Tages- und Übernachtungstourismus wird nach den Erkenntnissen der Umfrage regional differenziert wahrgenommen: So sagten 67 Prozent der Einwohner Usedoms, dass es ihnen zu viele Übernachtungsgäste seien; auf der Insel Rügen seien es 30 Prozent, auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst 23 Prozent. Dieser Eindruck werde dagegen in Mecklenburg-Schwerin (2%), in Schwerin (3%), in der Mecklenburgischen Seenplatte (6%) und in Vorpommern (7%) weitaus weniger wahrgenommen. Ähnlich sieht es für die Tagesgäste aus. Hier sagte knapp die Hälfte der Bevölkerung Usedoms (46%), dass es ihnen zu viele davon seien.

Zudem lasse sich feststellen, dass mit zunehmendem Alter die Wahrnehmung von zu viel Tourismus abnehme. Während 42 Prozent der Menschen bis 34 Jahre sagten, dass sie in der Saison zu viel Tourismus wahrnähmen, seien es in der Altersgruppe 35 bis 64 Jahre 35 Prozent und bei den über 64-Jährigen nur noch 34 Prozent.

"Die Studie deckt Knackpunkte und durchaus auch Widersprüche auf: Warum beispielsweise nehmen die Menschen zwar ein vielfältiges Angebot durch den Tourismus wahr, sehen dadurch aber keine Steigerung der eigenen Lebensqualität? Wir werden uns einem strategischen Dialogprozess mit den Menschen im Land in den kommenden Jahren stellen und fragen, was gut läuft und was bislang auf der Strecke bleibt", kommentiert Wolfgang Waldmüller, Präsident des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern.

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