AIDA mit Rekordbuchungen ins neue Jahr gestartet
Felix Eichhorn (Foto), Präsident von AIDA Cruises, meldet zum Jahresstart eine Rekordauslastung der Kussmundflotte und ein starkes Buchungspolster für 2026. Im Interview mit Reise vor9 erklärt er, warum der klassische Reisevertrieb unverändert eine hohe Bedeutung hat und wie AIDA trotz fehlender Neubauten bis 2030 weiter wachsen wird.
AIDA Cruises
Schon seit über 25 Jahren bei AIDA Cruises an Bord: Felix Eichhorn
Südafrika: Eine außergewöhnlich verkaufsstarke Destination
Südafrika bietet Reisebüros ein überzeugendes Gesamtpaket: außergewöhnliche Erlebnisse, eine hohe emotionale Bindung und große Vielfalt sowie ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis. All das spiegelt die aktuelle internationale Kampagne "Come Find Your Joy – Finde, was dich glücklich macht – in Südafrika", die Reisebüros nun im Verkauf unterstützt. Reise vor9
Herr Eichhorn, zunächst noch ein frohes, neues Jahr. Wie zufrieden sind Sie mit den Buchungen zum Jahresstart?
Felix Eichhorn: Wir haben über die letzten Jahre registriert, dass die Hauptbuchungsphase für den Sommer deutlich früher anfängt. Inzwischen startet die so genannte Wave schon im Oktober. Selbst im September haben wir schon eine super starke Nachfrage auf die Sommerbuchungen für 2026 verzeichnet, sodass man gar nicht mehr wie früher üblich diesen einen großen Peak im Januar hat. Wir sitzen auf einem guten Buchungspolster und sind zufrieden mit dem aktuellen Status.
Aber ganz konkret, wo stehen Sie?
Obwohl wir aktuell eine gleichbleibende Kapazität haben, haben wir seit der Pandemie jedes Jahr ein ordentliches Wachstum generiert. Wir sind bei den Auslastungszahlen auf Rekordlevel. Auch die Passagier- und Umsatzzahlen steigen, teilweise über unseren Erwartungen. Das gilt auch für 2026.
Und wie entwickelt sich der Reisebürovertrieb?
Kreuzfahrt ist der Wachstumstreiber innerhalb des Tourismusmarktes, wir sehen Wachstum in allen Vertriebssegmenten. Ich habe viele Jahre den Reisebürovertrieb bei uns verantwortet und fand es schon damals faszinierend, wie viele unterschiedliche erfolgreiche Modelle es gibt, AIDA-Reisen zu verkaufen. Das hat sich fortgesetzt.
Aber die Reisebüros sind schon lange nicht mehr allein unterwegs…darin, jeden Partner bestmöglich zu unterstützen, ihn gut zu schulen, ihm gute Systeme an die Hand geben. Im vergangenen Jahr waren wir bei 20 Reisebüro-Tagungen dabei und über 800 Teilnehmer haben sich bei Ship-Visits unser Produkt angeschaut. Kreuzfahrt ist beratungsintensiver, vor allem für die ersten Reisen. Gerade die Gäste, die das allererste Mal eine Kreuzfahrt machen, kommen primär aus dem stationären Vertrieb.
Ein Dauerärgernis für viele Reisebüros bleibt das Thema Rückvergüter. AIDA hat da eine klare Position, am Ende entscheiden aber die Gerichte und einige Richter sehen durchaus Argumente, dass die Rückvergütung juristisch gesehen akzeptabel sein könnte. Wie ist hier der Stand?
Unsere Position ist seit fast 15 Jahren klar, es gibt ein klares Level Playing Field, die Preishoheit liegt bei uns. Der Kunde soll dort buchen, wo er sich am besten beraten fühlt. Das ist aus unserer Sicht auch ein Gebot der Fairness gegenüber dem stationären Vertrieb. Das juristische Verfahren läuft, ist nicht abgeschlossen, ändert aber nichts an unserer Position. Das wird von den Vertriebspartnern sehr wertgeschätzt, weil sie sicher sein können, dass der gleiche Preis in allen Kanälen gilt.
AIDA Cruises ist derzeit in der Sondersituation, dass es mindestens bis 2030 kein Kapazitätswachstum durch neue Schiffe gibt. Ist diese Phase eher Fluch oder Segen?
Das ist eine super wichtige Phase für uns, weil wir einen Großteil unserer Flotte im Rahmen des AIDA Evolution-Programms durch umfangreiche Modernisierungsmaßnahmen aufwerten. AIDA Diva und AIDA Luna haben das Werftprogramm schon erfolgreich durchlaufen. Übrigens, AIDA Diva war letztes Jahr unser Schiff mit der höchsten Gästezufriedenheit, hier zeigt sich, dass sich das Programm auszahlt. Fast ein dreistelliger Millionenbetrag wird pro Schiff investiert, auf insgesamt sieben Schiffe. AIDA Bella wird in dieser Woche als nächstes Schiff in die Werft geschickt.
Aber trotzdem sehnen Sie sich doch sicher nach der Auslieferung der für 2030 und 2031 angekündigten Neubauten?
Klar, hätten wir früher mehr Kapazität gehabt, hätten wir die erfolgreich verkaufen können. Aber die Werften und Neubauslots sind begrenzt. Trotzdem ist der Termin nicht mehr fern, schließlich erfolgt der Buchungsstart schätzungsweise zwei Jahre vor Indienststellung. Für mich ist das schon sehr nah.
Was lässt sich heute schon über die Neubauten berichten?
Die Schiffe reihen sich in der Größe zwischen AIDA Prima/Perla und Nova/Cosma ein. Wir glauben, Flexibilität in der Schiffsgröße ist sehr gut. Das ermöglicht uns, weiterhin differenzierte Routen weltweit anzubieten. Zu den Details rund um das geplante Produkterlebnis und den spezifischen Inhalten müssen sich aber alle noch etwas gedulden. Sicher ist aber, dass das Feedback der Gäste und Vertriebspartner von bestehenden Schiffen in die Konzeption und Ausgestaltung einfließt.
Mit den jüngsten Neubauten hat ihr Wettbewerber TUI Cruises das Konzept der Mein Schiff erweitert und macht es nun auch europäischen Gästen zugänglich. Könnte das künftig auch ein Thema für AIDA werden?
Wir sehen viel Nachfrage auf dem deutschen und deutschsprachigen Markt. Das ist unser Kernmarkt, darauf fokussieren wir uns und hier sehen wir weiter große Wachstumsmöglichkeiten. Eine gezielte Aktivierung außerhalb der deutschsprachigen Märkte ist nicht geplant und für AIDA nicht notwendig.
Die beiden neuen Schiffe werden mit einem "Multifuel“-Antrieb ausgestattet sein. Was bedeutet das konkret?
Wir setzen auf größtmögliche Flexibilität, da der künftige Technologie-Kraftstoffmix noch nicht feststeht. Seit vielen Jahren testen wir neue Technologien, um diese zusammen mit Partnern weiterzuentwickeln. AIDA Nova war bekanntermaßen weltweit das erste Kreuzfahrtschiff mit LNG-Betrieb. Wir haben Brennstoffzellen getestet und auf AIDA Prima die weltweit größte Batterieinstallation im maritimen Kreuzfahrtsektor mit 10 Megawatt installiert. Zusätzlich haben wir auch Biotreibstoffe in den Praxisbetrieb eingeführt, zunächst als 10 Prozent Beimischung und dann schrittweise auf 100 Prozent erhöht. Das funktioniert sehr gut, aber die Verfügbarkeit des Kraftstoffs ist leider noch begrenzt. Deswegen setzen wir auf Multi-Fuel-Maschinen, weil wir damit größtmögliche Flexibilität erhalten. Es wird sehr wahrscheinlich am Ende nicht die eine Lösung geben, sondern eine Kombination aus LNG, Bio-LNG, vielleicht auch Methanol und vor allen Dingen weiteren strombasierten Kraftstoffen. Die gibt es heute gar nicht oder in Kleinstmengen.
Wie sieht es beim Landstrom aus?
Auch hier sind wir Vorreiter und entwickeln das Thema sehr positiv. 2023 konnten wir bei 65 Hafenanläufen Landstrom beziehen, 2025 waren es schon deutlich über 400 Ladevorgänge, dieses Jahr planen wir über 600. In Nordeuropa erfolgt bereits jeder zweite Anlauf an der Landstromanlage. In Hamburg, Kiel, Rostock sind es sogar fast 100 Prozent, sofern es nicht einmal eine Wartung gibt. Im Mittelmeer hingegen muss sich noch mehr tun, derzeit gibt es lediglich im Hafen von Valletta auf Malta eine Landstromanlage. Dabei müssen bis 2030 laut EU alle großen Häfen mit Landstrom ausgestattet werden. Unsere Schiffe jedenfalls sind dafür ausgerüstet: Wo wir connecten können, connecten wir.
Ein anderes Thema, mit dem die Kreuzfahrt immer wieder konfrontiert wird, ist Overtourism. Welche Lösungen strebt AIDA hier an?
Ich bin ein Fan von Fakten. Die Kreuzfahrt selbst stellt auch in sehr beliebten Destinationen immer nur einen sehr kleinen Anteil der Gesamttouristen, meist im einstelligen Prozentbereich. In Dubrovnik etwa haben wir mit dem Bürgermeister ausgewertet, wie viele Gäste in die Altstadt gehen, und ein Slotsystem zur Entzerrung entwickelt. Das wurde dann auf die klassischen Bustouristen ausgerollt. Der Vorteil der Kreuzfahrt ist doch, dass wir nicht überraschend kommen, unsere Termine stehen zwei bis fünf Jahre vorher fest. Das bietet die Chance, die Abläufe aktiv zu managen. Aber die Destination muss hier auch mitwirken. Trotzdem lässt sich sagen, dass es besser wird. Wir sind heute deutlich proaktiver mit den Häfen unterwegs als noch vor zehn Jahren.
Wären möglicherweise private Destinationen wie in der Karibik ein Modell für Europa?
Das ist aktuell nicht notwendig. Wir haben signifikant mehr Häfen in Europa als Kreuzfahrtschiffe. Und unsere Gäste möchten auch die kulturellen Highlights sehen. In der Karibik sind die Nachfrage und das Bedürfnis ein anderes. In Europa haben wir ausreichend Alternativen und viel Nachfrage von Häfen, mehr Geschäft zu bringen, auch in der Nebensaison.
In diesem Jahr feiert AIDA seinen 30. Geburtstag, den Großteil der Reise haben Sie aktiv mitbegleitet. Ist für Felix Eichhorn ein Leben außerhalb von AIDA überhaupt noch vorstellbar?
Ich habe im Jahr 1999 gestartet, also bin ich jetzt schon deutlich mehr als 25 Jahre dabei. Damals hatten wir unter der Marke AIDA ein Schiff im Einsatz und knapp 35.000 Gäste pro Jahr. Etwas andere Zeiten. Aber ehrlich gesagt ist das heute immer noch ein absoluter Traumjob. Die Vielfalt der Themen macht den Reiz aus. Wir sind Hotelier, betreiben 15 Theater, fast 150 Restaurants, ebenso viele Bars, 11 Clubs, Spas und mehr als 30 Shops. Wir sind aber auch Reiseveranstalter und Reederei, was einen ganz anderen Blick in die Schifffahrt aber auch Technologie und Nachhaltigkeitsthemen ermöglicht. Und rekrutieren, trainieren und beschäftigen weltweit fast 20.000 Mitarbeiter. Diese Breite ist einzigartig. Und ich lerne auch heute noch jeden Tag dazu. Es macht Spaß und es wächst und es ist eine positive Branche: Wir möchten unseren Gästen ein einzigartiges Urlaubsprodukt bieten, um die schönste Zeit des Jahres bei uns zu verbringen. Ganz ehrlich, es gab bisher keinen Job, wo ich sagen würde, jetzt würde ich tauschen wollen.
Das Gespräch führte Pascal Brückmann