Tägliche News für die Travel Industry

8. Juni 2026 | 14:42 Uhr
Teilen
Mailen

Bedeutung der Premiumklassen für Airlines wächst

Premiumkabinen gewinnen für klassische Netzwerk-Airlines an Bedeutung. Laut der Unternehmensberatung McKinsey stellen Business und First Class in Nordamerika und Europa einen wachsenden Anteil an Sitzen, Passagieren und Umsatz. Auf stark nachgefragten Transatlantikstrecken könne die Business Class fast so viel Erlös bringen wie die gesamte Economy Class, brauche aber weniger Platz.

Discover Airlines A330 Business Class

Die Business Class, hier bei Discover Airlines, spielt für die Erträge der Fluggesellschaften eine wachsende Rolle

Die Entwicklung zeigt sich laut McKinsey bereits in den Zahlen einzelner Airlines. Delta Air Lines habe den Premiumumsatz 2025 um sieben Prozent gesteigert, während die Erlöse in der Hauptkabine mit der Economy Class sanken. United Airlines meldete ein Plus von elf Prozent. Bei Delta übertraf der Premiumumsatz im vierten Quartal 2025 sogar erstmals den Erlös der sogenannten Main Cabin.

Andere Kunden, andere Buchungsmuster

Das alte Bild vom spät buchenden Geschäftsreisenden greift nach Beobachtungen der Berater nicht mehr. Immer mehr Freizeitreisende, Remote- und Hybridarbeiter sowie Kunden, die sich etwas gönnen wollten, kauften Premiumsitze. Dadurch verschwimme die Grenze zwischen Business- und Leisure-Nachfrage.

Diese Kunden buchten teils früher und reagierten stärker auf Preise, heißt es weiter. Einige Airlines testeten deshalb abgespeckte Business-Light-Tarife, bei denen Leistungen wie Sitzplatzwahl, Gepäck, Loungezugang oder Umbuchungsoptionen nicht mehr automatisch enthalten sind.

Fehler kosten vorne mehr

Weil Premiumkabinen kleiner und teurer seien, wirken Prognosefehler stärker, so McKinsey weiter. Bei einem Langstreckenflug mit 40 Business- und 200 Economy-Sitzen entspreche eine Fehleinschätzung um fünf Plätze in Business bereits 12,5 Prozent der Kapazität, in Economy nur 2,5 Prozent.

McKinsey sieht zudem Probleme bei Upgrades, Firmenverträgen, Prämientickets und uneinheitlichen Zuständigkeiten. Wenn Vertrieb, Kundenbindungsprogramme, Ertragsmanagement und der operative Bereich Premiumplätze nach unterschiedlichen Logiken vergäben, sinke die Steuerbarkeit.

Mehr Daten für bessere Preise

Die Berater empfehlen eigene Premium-Teams, bessere Nachfrageprognosen und Ereigniskalender für sportliche Ereignisse, Kreuzfahrtwechsel, Messen oder Kongresse. Auch KI-gestützte Systeme könnten helfen, Preise laufend anzupassen und kleine Preisänderungen zu testen.

Entscheidend sei, Premiumplätze als knappe, hochwertige Kapazität zu steuern – nicht nur als bequemere Economy. Wer Preise, Upgrades, Firmenkunden und Kundenwert gemeinsam betrachte, könne mehr Ertrag aus wenigen Sitzen holen, so das Fazit.

Kommentieren und folgen Sie Reise vor9 auf Linkedin

Anzeige