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25. September 2019 | 16:32 Uhr
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Debatte um Tragfähigkeit der Insolvenzsicherung hält an

Dass die auf 110 Millionen Euro gedeckelte Insolvenzversicherung ausreicht, um alle Kunden voll zu entschädigen, bezweifeln immer mehr Experten. Thomas-Cook-Deutschland-Chefin Stefanie Berk versicherte lediglich, das Geld werde "ausreichen, um alle Kunden, die auf Reisen sind, nach Deutschland zurückzubringen".

Markus Lanz

Auch bei "Markus Lanz" wurde die Cook-Insolvenz diskutiert – mit VUSR-Chefin Marija Linnhoff als Prophetin

Berk unterstrich im Interview mit der "FAZ": "Wir haben uns gesetzeskonform mit einer Obergrenze von 110 Millionen Euro versichert. Das Geld wird ausreichen, um alle Kunden, die auf Reisen sind, nach Deutschland zurückzubringen. Die EU-Pauschalreiserichtlinie sieht vor, dass die Rückführung der Gäste Priorität genießt."

Dass alle Kunden, die ihren bevorstehenden Urlaub bereits bezahlt haben, ihr Geld komplett zurückerhalten, gilt dagegen als unwahrscheinlich. Das "Handelsblatt“ rechnete am Montag vor, zum Bilanzstichtag vor knapp einem Jahr habe Thomas Cook Kundenanzahlungen in Höhe von umgerechnet gut 1,5 Milliarden Euro im Geschäftsbericht ausgewiesen. Etwa ein Drittel davon, also rund 500 Millionen Euro, gingen auf das Konto deutscher Kunden.

Muss der Staat einspringen?

Damit wäre ein erheblicher Teil der Kundengelder nicht abgedeckt. Reiserechtler Ernst Führich geht davon aus, dass der Versicherer Zurich, hierzulande vertreten durch den Makler Kaera, dann "den Erstattungsbetrag an den betroffenen Reisenden in dem Verhältnis kürzt, in dem der Gesamtbetrag zum Höchstbetrag von 110 Millionen Euro steht". Weil aber die Deckelung des Betrages nicht den Anforderungen der EU-Pauschalreiserichtlinie entspreche, glaubt Führich, dass daraus ein Anspruch der Geschädigten auf Staatshaftung entstehen würde. Diese müssten dann die Bundesrepublik Deutschland auf Schadenersatz verklagen.

Vor dieser Situation hatten Skeptiker schon vor Monaten gewarnt. So beantragte die Bundestagsfraktion der Grünen Mitte März, die Haftungsgrenze auf "mindestens 300 Millionen Euro" zu erhöhen. Eine ähnliche Forderung stellte die Vorsitzende des Reisebüroverbandes VUSR, Marija Linnhoff, die bereits im Februar bei einem Parlamentarischen Frühstück der Tourismuswirtschaft in Berlin gesagt haben soll: "Passt Ende September auf Thomas Cook auf!" und fortan mancherorts als "Orakel von Iserlohn" betitelt wurde. Am Dienstagabend brachte es Linnhoff, die gegenüber der "Welt" die Untätigkeit der Bundesregierung in dieser Angelegenheit als "grob fahrlässig" anprangerte, mit ihrer wahrgewordenen Prophezeiung bis in die ZDF-Talkshow von Markus Lanz. Dort übrigens sprach die Finanzexpertin des Hessischen Rundfunks, Anja Kohl, ebenfalls von einer „riesigen Deckungslücke“ in dem Versicherungstopf.

Christian Schmicke