DRV-Präsident hofft auf spätere Buchungen statt Ausfälle
Auf der DRV-Jahrestagung auf den Azoren hat Präsident Albin Loidl (Foto) die Reisebranche auf anhaltende Folgen des Kriegs am Golf eingestellt. "Globale Mobilität ist keine Selbstverständlichkeit. Sie ist verletzlich", sagte er, aber die Grundvoraussetzung fürs Reisen. Zugleich sei die Nachfrage weiter vorhanden, allerdings komme sie später zum Tragen.
DRV/Marcel Kautz
Der Golfkrieg trifft die Reisebranche hart, sagte DRV-Präsident Albin Loidl auf der Verbandstagung auf den Azoren
Laut Loidl belastet der Krieg am Golf die Reisebranche nach wie vor erheblich. Die Nachricht über eine Waffenruhe sei "zweifellos ein positives Signal, ein Moment des Innehaltens, ein kleiner Hoffnungsschimmer". Von Entwarnung könne aber "zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Rede sein".
Die Lage sei nach wie vor fragil und kaum berechenbar. Der Krieg dominiert weiterhin die Schlagzeilen und habe "von Beginn an zu spürbaren Einschränkungen im internationalen Reiseverkehr" geführt. Diese Entwicklung trifft die Branche hart, nicht nur wegen der direkten Auswirkungen in der Golfregion, sondern "vor allem durch die Verunsicherung, die sie auslöst – und zwar weltweit".
Loidl formulierte die Folgen grundsätzlich: "Globale Mobilität ist keine Selbstverständlichkeit. Sie ist verletzlich." Gerade sie sei aber "Grundvoraussetzung für alles, was die Reisewirtschaft ausmacht – für Geschäftsreisen ebenso wie für Urlaubsreisen". Sobald diese Grundlage ins Wanken gerate, spüre das die Branche unmittelbar.
Die Nachfrage bleibt, die Buchungen verschieben sich
Trotz der Krise sieht Loidl weiterhin eine stabile Nachfrage. "Die Reiselust ist da. Die Menschen wollen nach wie vor verreisen", sagte er. Verändert hätten sich jedoch das Timing und das Sicherheitsbedürfnis. Wer noch nicht gebucht habe, verschiebe die Entscheidung und halte sich Optionen länger offen. "Die Nachfrage ist da, aber sie manifestiert sich erst später."
Auch das Konsumverhalten verändere sich, glaubt Loidl. Steigende Energiepreise, Inflationsdruck und wirtschaftliche Unsicherheiten führten dazu, dass Menschen bewusster entscheiden. Sie verzichteten nicht auf Reisen, wollten aber "Sicherheit für ihr Geld, Verlässlichkeit bei der Planung und Unterstützung im Fall von Unvorhersehbarem".
Davon profitiere der organisierte Urlaub. "Die organisierte Reise gewinnt zunehmend an Bedeutung", sagte Loidl. Pauschalreisen, Reisebüros und professionelle Beratung stünden wieder stärker im Fokus. Seine Erklärung dafür: "Gerade in besonders unsicheren Zeiten gewinnt Vertrauen, gewinnt Bewährtes an Wert."
Für Reisebüros ergebe sich daraus eine doppelte Dynamik. Einerseits würden Margendruck, Preissensibilität und der Wettbewerb mit großen Online-Plattformen steigen. Andererseits wachse die Nachfrage nach "Orientierung, individueller Einordnung, persönlicher Beratung und Empathie". Loidl sagte: "Die Zukunft der Reisebüros liegt nicht im Wettbewerb über den Preis, sondern ganz klar in ihrer fachlichen Kompetenz."
Weitere Entlastung für Veranstalter beim DRSF
Beim Deutschen Reisepreis-Sicherungsfonds (DRSF) dringt der DRV auf weitere Entlastungen. Loidl betonte, dass "die Notwendigkeit zur Entlastung der Reiseveranstalter auch vor dem Hintergrund der zusätzlichen Belastungen durch die Nahost-Krise dringend geboten ist".
Die Beitragssenkung auf 0,5 Prozent im vergangenen November sei ein Schritt gewesen. Weitere Entlastungen seien nun "mehr als nur wichtig". Der DRV hoffe, "bald mit dem Fonds weitere Fortschritte kommunizieren" zu können.
Loidl bewertete auch die Reform der EU-Pauschalreiserichtlinie nur teilweise positiv. Sie bringe "in vielen Punkten mehr Klarheit und damit auch mehr Rechtssicherheit". Zugleich bleibe offen, ob aus früheren Krisen genug gelernt worden sei. Seine Antwort fiel knapp aus: "Ich sage: Nein."
Vor allem die unveränderte Rückerstattungsfrist von 14 Tagen kritisierte Loidl. Diese zeige, dass in außergewöhnlichen Situationen weiterhin zu wenig Flexibilität vorgesehen sei. In Krisen seien zusätzliche Instrumente nötig, etwa Gutscheinlösungen oder mehr zeitlicher Spielraum bei Erstattungen. "Wir brauchen ein ausgewogenes Verhältnis von Verbraucherschutz und wirtschaftlicher Tragfähigkeit", sagte Loidl.
Thomas Hartung