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12. März 2026 | 14:24 Uhr
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Flughafenverband drängt auf bessere Bedingungen für Airlines

Der Flughafenverband ADV fordert von Bund und EU wettbewerbsfähigere Rahmenbedingungen für den Luftfahrtstandort Deutschland. Hintergrund sind schwache Zuwächse im Vergleich zu Europa. Nach Prognosen des Luftfahrtverbandes BDL werden von März bis August rund 141 Millionen Sitzplätze angeboten – rund zwei Prozent mehr als im Vorjahr und weiterhin deutlich weniger als 2019.

Flughafen Memmingen

Schwacher Zuwachs mit Ausnahmen: Der Flughafen Memmingen hat das Sitzplatzangebot auf Flügen gegenüber 2019 mehr als verdoppelt 

Der Verwaltungsrat des Flughafenverbandes ADV sieht den Luftverkehrsstandort Deutschland im europäischen Wettbewerb weiter zurückfallen. Auf seiner Ländertagung in Frankfurt formulierte das Gremium drei Prioritäten für eine zukunftsfähige Luftverkehrspolitik: niedrigere Standortkosten, investitionsfreundliche Klimaschutzregeln und verlässliche Regulierung.

Während der Luftverkehr in Europa bereits deutlich über dem Vorkrisenniveau liegt, bleibt das Angebot ab Deutschland weiterhin darunter. Besonders im Wettbewerb um neue Verbindungen zeigt sich eine Schwäche. Punkt-zu-Punkt-Airlines, die in vielen europäischen Ländern das Wachstum treiben, bauen ihr Angebot in Deutschland kaum aus. Gleichzeitig ist seit 2019 gut ein Drittel der innerdeutschen Strecken weggefallen.

Der Vorsitzende des ADV-Verwaltungsrates, Kaweh Mansoori, im Hauptberuf hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum und Stellvertreter des hessischen Ministerpräsidenten Boris Rhein, warnt vor den Folgen für die internationale Anbindung. "Deutschland darf im europäischen Luftverkehr nicht weiter zurückfallen", sagt er. Flughäfen sicherten Konnektivität, Wertschöpfung und Beschäftigung. Dafür bedürfe es wettbewerbsfähiger Standortbedingungen, damit Airlines wieder stärker investierten.

Prognose zeigt schwaches Wachstum

Die aktuelle Verkehrsprognose des Luftfahrtverbandes BDL bestätigt diese Entwicklung. Von März bis August werden auf Flügen von, nach und in Deutschland rund 141 Millionen Sitzplätze angeboten. Das entspricht einem Plus von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr, erreicht aber weiterhin nur 93 Prozent des Angebots von 2019.

Im restlichen Europa wächst der Luftverkehr deutlich stärker. Dort steigt das Sitzplatzangebot im gleichen Zeitraum um sieben Prozent und erreicht 116 Prozent des Vorkrisenniveaus. Besonders dynamisch entwickeln sich europäische Punkt-zu-Punkt-Airlines, deren Kapazitäten europaweit bereits bei 143 Prozent des Niveaus von 2019 liegen.

Innerdeutscher Verkehr bleibt schwach

Auch innerhalb Deutschlands verläuft die Erholung langsam. Der innerdeutsche Verkehr wächst zwar um sechs Prozent, erreicht aber nur 54 Prozent des Angebots von 2019. Besonders stark ist der Rückgang auf dezentralen Strecken ohne die Drehkreuze Frankfurt oder München. Dort liegt die Kapazität nur noch bei 19 Prozent des früheren Niveaus.

Auf europäischen Kurz- und Mittelstrecken liegt das Angebot mit 98 Prozent ebenfalls noch unter dem Stand von 2019. Wachstum entsteht vor allem auf touristischen und ethnisch geprägten Strecken nach Ost- und Südosteuropa sowie nach Nordafrika.

Auf der Langstrecke erreicht das Angebot 97 Prozent des Niveaus von 2019 und wächst um ein Prozent. Besonders deutlich rückläufig ist der Verkehr nach Nordamerika.

Forderung nach klarer Luftverkehrsstrategie

Nach Ansicht des ADV verschärfen hohe staatliche Steuern und Gebühren sowie zusätzliche regulatorische Anforderungen die Situation. Auch beim Hochlauf nachhaltiger Flugkraftstoffe fordert der Verband investitionsfreundliche Rahmenbedingungen und praktikable Instrumente wie Book-and-Claim-Modelle. Bei letzterem handelt es sich um ein Bilanzierungs- und Zertifizierungssystem für nachhaltige Kraftstoffe, etwa Sustainable Aviation Fuels (SAF). Es soll den Einsatz klimafreundlicher Treibstoffe erleichtern, auch wenn diese physisch nicht an genau dem Flughafen verfügbar sind, an dem ein Flug startet.

Christian Schmicke

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