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21. Januar 2020 | 14:16 Uhr
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Gefahr von Flügen über Krisengebiete wird unterschätzt

Der Abschuss des Passagierflugzeugs in Teheran ist nicht die erste Tragödie dieser Art. Airlines und Behörden verkennen die Gefahren in Krisengebieten, sagt Pilot Georg Fongern, Mitglied in der Arbeitsgruppe Security der Vereinigung Cockpit. Tatsächlich fliegen einige bekannte Airlines nach wie vor über Iran und Irak.

Iran Irak Flightradar in Echtzeit Foto Flightradar24.jpg

Über Iran und Irak sind auch nach dem versehentlichen Abschuss eines Verkehrsflugzeugs in Teheran noch viele Airlines unterwegs

„Es begann mit dem Abschuss der Korean 007 durch einen sowjetischen Abfangjäger 1983“, erzählt Pilot Georg Fongern im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. „1988 wurde eine iranische Passagiermaschine durch das amerikanische Kriegsschiff USS Vincennes über dem Persischen Golf abgeschossen. Es gab Abschüsse über Ägypten, dem Schwarzen Meer, dann, 2014, der Abschuss der MH 17 über der Ukraine.“ Und die Liste ließe sich fortsetzen, sagt Fongern.

„Die Gefahr, in einer Konfliktzone mit Passagiermaschinen zu fliegen, wird einfach nicht ernst genug genommen“, kritisiert der erfahrene Pilot. Tatsächlich fliegen seit dem Abschuss in Teheran längst nicht alle großen Airlines einen Bogen über Iran und Irak. Wer sich auf der Website Flightradar24 die Flüge in Echtzeit anschaut, entdeckt Maschinen von Oman Airways, Emirates, Etihad, Qatar Airways oder Turkish Airlines über Iran und Irak, die zwischen Europa und der Golfregion pendeln.

„Es gibt derzeit einfach so viele Länder, bei denen der Überflug potenziell eine Gefährdung darstellt. Libyen, Ägypten, Syrien, Irak, Iran, Afghanistan - das ist wie eine Mauer zwischen Europa und dem Fernen Osten“, so Fongern. Doch Überflugverbote von europäischen Behörden gebe es keine, nur die Empfehlung, gefährliche Regionen zu umfliegen. Verbieten könnten das nur einzelne Staaten, also das Luftfahrtbundesamt für alle in Deutschland registrierten Flugzeuge. Das habe es aber nicht getan.

Am Ende entscheide daher die Airline, ob sie über ein bestimmtes Gebiet fliegt. „Sie ist verpflichtet, mit all den zur Verfügung stehenden Informationen eine Risikobewertung zu machen und dann zu entscheiden: Wir führen den Flug durch oder wir lassen es“, sagt Fongern. Allerdings spielten hier auch wirtschaftliche Faktoren eine Rolle. Und Umwege zu fliegen, koste Geld und Zeit.

Fongern fordert daher eine zentrale europäische Stelle, die beschließen kann wo geflogen wird und wo nicht. Erbil etwa, die Hauptstadt der Autonomen Region Kurdistan im Irak, ist für den Piloten derzeit ein No-Go-Ziel. „Ich kann überhaupt nicht nachvollziehen, warum der Nordirak angeflogen wird, obwohl das Sicherheitslevel für Iran und Irak derzeit wirklich gering ist. Das ist unglaublich.“

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