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24. März 2020 | 14:45 Uhr
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Ist die Gutschein-Lösung für Anzahlungen vom Tisch?

Diese Einschätzung äußerten jedenfalls Insider-Kreise gegenüber Reise vor9. Der Reisebüroverband VUSR distanziert sich neuerdings von der Forderung, Kunden statt der Erstattung ihrer Anzahlungen ausschließlich Reiseguthaben anbieten zu dürfen. Und der DRV, der das Ansinnen unterstützt, wirbt mit der "Solidaritätsaktion #verschiebdeinereise" dafür, dass Kunden geplanten Urlaub nicht absagen.

Absage

Veranstalter-Kunden werden ihre Anzahlungen wohl weiterhin zurückverlangen können

Bis vor wenigen Tagen sah es noch so aus, als wolle die Reisebranche angesichts der Corona-Krise geschlossen eine politische Lösung erwirken, mittels derer Veranstalter in die Lage versetzt würden, fällige Rückzahlungen von Anzahlungen für abgesagte Reisen durch Gutscheine zu ersetzen. Doch dieser Ansatz ist mittlerweile auch innerhalb der Branche umstritten. In Beiträgen von Reisebüros auf Social-Media-Kanälen mehren sich die Stimmen, die fordern, dass Kunden die Wahl zwischen Gutschein und Bargeld haben müssten.

Bedenken wegen Vertrauensverlusts

Denn der stationäre Vertrieb fürchtet um das Vertrauen der Kundschaft, wenn er ihr ohne Alternative klarmachen müsste, dass sie angezahlte Beträge nicht zurückerhalten, sondern die Summe allenfalls für den nächsten Urlaub beim selben Anbieter nutzen kann. So macht die VUSR-Vorsitzende Marija Linnhoff mittlerweile unmissverständlich deutlich, dass sie diese ursprünglich auch von ihr befürwortete Lösung ablehnt.

Es gebe viele Kunden, die nun selbst Existenzängste hätten und sich nun nicht zwingen lassen wollten, ihr Geld den Reiseveranstaltern als zinslosen Kredit für eine wann auch immer geplante Reise zur Verfügung zu stellen, sagte Linnhoff im Gespräch mit Reise vor9. Das Vertrauen der Kunden sei das wichtigste Kapital der Reisebüros, das diese nicht verspielen dürften.

Keine Gutschein-Pflicht für Kunden?

Unterdessen wird die Variante, den Weg dafür freizumachen, dass Verbraucher nun statt einer Rückerstattung ausschließlich einen entsprechend dotierten Gutschein auf ihre nächste Reise erhalten sollen, immer unwahrscheinlicher, wie Reise vor9 aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen erfuhr. Dafür spricht auch die Mitteilung der Unternehmensberatung One World Consulting, nach der die tourismuspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Gabriele Hiller-Ohm, der Gutschein-Lösung auf Anfrage eine klare Absage erteilt habe: "Eine Annahmepflicht für Gutscheine beispielsweise, ist für uns nicht der richtige Weg. Verbraucherinnen und Verbraucher müssen die Wahl haben, ihre Reisekosten in Form eines Gutscheins oder in Form von Rückzahlungen zu erhalten.“

Solidaritätskampagne zur Liquiditätssicherung

Der DRV hält dagegen nach eigenem Bekunden an einer Gutscheinlösung auf politischem Wege fest. Man sei diesbezüglich weiter in Gesprächen mit den zuständigen Ministerien, erklärt der Verband auf Anfrage von Reise vor9. Zugleich startet er allerdings gemeinsam mit dem Deutschen Tourismusverband (DTV) eine Kampagne, die um die Kulanz der Kunden wirbt.

Die Aktion ruft Reisende dazu auf, ihre schon gebuchten Reisen nicht zu stornieren, sondern aufzuschieben. Die Idee hinter der Solidaritätsaktion sei folgende: Wenn Reisen in Absprache mit dem Reisebüro, Reiseveranstalter oder Gastgeber nicht gecancelt, sondern auf einen späteren Termin verlegt würden, bleibe die jetzt dringend benötigte Liquidität in den Unternehmen.

Die aktuelle Krise sei "beispiellos für die Reisewirtschaft", unterstreicht DRV-Präsident Norbert Fiebig. Wenn sie allerdings vorüber sei, werde "die Lust auf Urlaub sicherlich ungebrochen sein“. Dann müsse man die Reisewirtschaft "kickstarten". Dabei können Kunden helfen, die ihren Urlaub jetzt nicht absagen, sondern verschieben. Auch DTV-Geschäftsführer Norbert Kunz sieht den Aufschub gebuchter Reisen als ein "Mittel, um Insolvenzen und Kündigungen von Beschäftigten zu vermeiden". 

Reisebüros, Reiseveranstalter, Gastgeber oder Dienstleister rund um die Tourismusbranche könnten in den sozialen Medien das Kampagnenhashtag #verschiebdeinereise verwenden, so die Verbände. Der DRV stelle zudem kostenfrei vier Kampagnenmotive bereit, die auf unterschiedliche Arten des Reisens abstellten. Die Motive seien auf der Webseite unter drv.de/verschieb-deine-reise kostenlos abrufbar und in Größe und Abmessung jeweils optimiert für Posts auf Facebook, Instagram oder Twitter.

Christian Schmicke

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