Wie Linnhoff Cashback auf die TUI-Hauptversammlung brachte
Die Zukunft des Handelsvertreterstatus beschäftigt VUSR-Chefin Marija Linnhoff schon länger. Auf der TUI-Hauptversammlung am Dienstag fragte sie TUI-CEO Sebastian Ebel, wie sich der Konzern bei einem möglichen Wegfall des Modells positionieren würde. Ebel erklärte, TUI bekenne zum Handelsvertretermodell und signalisierte zudem Gesprächsbereitschaft, sollte es zu Änderungen kommen.
VUSR
Marija Linnhoff platzierte eine Frage an Sebastian Ebel zu Cashback und zum Handelsvertreterstatus
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Auslöser der Debatte ist das laufende Gerichtsverfahren zwischen Aida Cruises und dem Cashback-Portal S-Markt, einem Unternehmen der Sparkassen Finanzgruppe. Für Mitte März wird dabei ein Urteil der nächsten Instanz, des Oberlandesgerichts Düsseldorf, erwartet. Beobachter rechnen allgemein damit, dass das Verfahren unabhängig von der Entscheidung des OLG in die nächste Instanz geht und am Ende auf EU Ebene durch den Gerichtshof entschieden wird.
Cashback-Praxis könnte Status verändern
Linnhoffs Kernthese dazu umfasst im wesentlichen zwei Teile. Erstens rechnet sie damit, dass das Urteil des EU-Gerichtshofs zu Gunsten des Rückvergüters ausfallen würde, dem danach das Recht zustünde, zu Lasten seiner Provision Teile des Reisepreises an Kunden zurückzureichen. Zweitens glaubt sie, dass es den großen Veranstaltern, die die Cashback-Praxis aktuell durch die Bank zähneknirschend hinnehmen, zu bunt werden könnte.
Das wiederum könnte dazu führen, dass die Veranstalter sich entscheiden, vom provisionsbasierten Handelsvertreterstatus Abstand zu nehmen und auf ein Maklermodell umzuschwenken. Sie böten dann Nettopreise, auf die Reisebüros ihre eigene Marge kalkulieren müssten – mit weitreichenden Folgen für die Geschäftsmodelle im stationären und mobilen Reisevertrieb. Undenkbar ist ein solches Szenario keineswegs, denn wenn die Cashback-Praxis abschließend für rechtens erklärt würde, wäre es um die Preishoheit der Veranstalter, die das Handelsvertretermodell eigentlich gewährleisten soll, ohnehin geschehen.
Frage auf der Hauptversammlung
Weil sie das Thema umtreibt, begab sich Linnhoff zur TUI-Hauptversammlung nach Hannover, um TUI-Chef Sebastian Ebel zu der Thematik zu befragen. Ob die VUSR-Vorsitzende selbst TUI-Aktien besitzt oder lediglich Stimmrechte anderer ausübte, ist der Redaktion nicht bekannt. Jedenfalls schaffte sie es auf die Bühne der Hauptversammlung.
Im Kern drehte sich ihre Frage darum, wie TUI vorgehen würde, wenn der Handelsvertreterstatus durch eine Entscheidung im Sinne der bestehenden europäischen Rechtsprechung faktisch in Frage gestellt würde. TUI-Chef Ebel stellte in seiner Replik dem Vernehmen nach klar, dass TUI am Handelsvertretermodell festhalten wolle. Der Konzern sei ein "überzeugter Unterstützer" dieses Systems. Gerade für den Vertrieb von Pauschalreisen und die damit verbundene Absicherung sei das Modell ein zentraler Pfeiler. Auch für TUI selbst sei der stationäre Vertrieb mit Kosten verbunden, biete aber einen Mehrwert, der im Alltag oft unterschätzt werde.
Nutzen von Pauschalreisen
Ebel verwies darauf, dass sich der Nutzen von Pauschalreisen häufig erst im Problemfall zeige. Preisunterschiede von 20, 30 oder 50 Euro würden im Normalfall von den Kunden oft nicht akzeptiert. Entscheidend werde der Mehrwert bei Störungen, Umbuchungen oder in Krisensituationen. Der aktuelle Streit zwischen Aida und dem Cashback-Portal zeige, dass es dabei nicht um klassische Reisebüros gehe, sondern um externe Wettbewerber.
Für den Fall, dass der Handelsvertreterstatus "wider Erwarten wegfallen" sollte, habe Ebel Gesprächsbereitschaft signalisiert, heißt es aus Teilnehmerkreisen. TUI wäre demnach grundsätzlich bereit, auch in einem anderen Modell weiterhin eine Vergütung für den aktiven Verkauf von Reisen zu zahlen. Man werde "alles Mögliche" tun, um den Vertrieb zu unterstützen und gemeinsam Lösungen zu finden, sollte es zu grundlegenden Änderungen kommen. Der Konzern sehe Reisebüros nicht als Kostenfaktor, sondern als wichtigen Teil der Wertschöpfungskette.
Von der Nummer Eins im Markt kommt also erst einmal eine Beruhigungspille. Aida Cruises hat sich zudem zuletzt wiederholt entschlossen gezeigt, den Kampf durchzufechten. Dabei stehen für die Reederei nach allem, was bekannt ist, erhebliche Summen auf dem Spiel, die S-Markt seit der Kündigung des Agenturvertrags durch Aida als Schadenersatz fordert. Die übrigen Spieler im Veranstaltermarkt halten sich mit öffentlichen Statements derzeit eher zurück. Stimmen sind vor allem aus der genervten Vertriebsszene zu hören.
Debatte lebt immer wieder auf
Die Debatte um den Handelsvertreterstatus ist übrigens keineswegs neu. 2018 hatte Sören Hartmann, damals DER-Touristik-Chef und heute BTW-Präsident, in einem Interview mit dem Reise vor9 Magazin gesagt, dass es mit dem Handelsvertreterstatus der Reisebüros "irgendwann" ein Ende haben werde. Die nachfolgende Debatte darüber beinhaltete einen echten Entrüstungssturm und führte zu einer "Richtigstellung" des Konzerns, der erklärte, man bekenne sich "klar und unmissverständlich zu den Reisebüro-Partnern“. Dass man die Zusammenarbeit mit Reisebüros infrage stelle, sei eine "Unterstellung", hieß es.
So sehr sich also manche Dinge geändert haben mögen – andere kehren offenbar immer wieder. Und auch beim Cashback-Streit wird noch einige Zeit verstreichen, bis die Rechtslage abschließend geklärt ist. Sollte das Thema wirklich nach Europa durchgereicht werden, rechnen Beobachter mit zwei bis drei Jahren.
Christian Schmicke
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