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11. Juli 2022 | 07:00 Uhr
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Kommentar: Wir müssen alle länger arbeiten

Zwei Zahlen reichen völlig aus, um zu verstehen, dass die Diskussion um den Personalmangel in Deutschland in die völlig falsche Richtung läuft: 2019 waren hierzulande 51,8 Millionen Menschen zwischen 20 und 66 Jahre alt. Dieses Jahr sind es 51,6 Millionen, also 200.000 Leute weniger. Und es kommt noch schlimmer. Ein Wettbewerb der Branchen untereinander um Mitarbeiter ist Blödsinn. Wir müssen länger arbeiten und endlich digitalisieren.

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Die Presse Schau

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Nach dem Erfolg im vergangenen Jahr veranstaltet die österreichische Tageszeitung Die Presse vom 4. bis 6. November die zweiten Ausgabe ihrer Lifestyle-Messe "SCHAU" in Wien. Wie bei der Premiere bildet das Thema hochwertige Reisen wieder einen Schwerpunkt. Reise vor9

Das Szenario habe ich mir nicht ausgedacht und es kommt auch nicht überraschend. Unsere Bevölkerung wird älter und das nicht irgendwann, sondern jetzt mit ganz praktischen Auswirkungen. Wer sich dafür interessiert, kann auf der Seite des Statistischen Bundesamtes mit der Bevölkerungspyramide spielen. Einfache Schieberegler liefern besorgniserregende, verdrängte Wahrheiten.

Denn 2023 werden die Menschen zwischen 20 und 66 Jahren, also im erwerbsfähigen Alter, noch einmal um 200.000 weniger, 2024 und 2025 sogar um jeweils 300.000. Macht in drei Jahren summa summarum eine Million Arbeitskräfte weniger als 2019. Die Frage, wo sind denn die Menschen alle hin, ist damit beantwortet: in Rente! Und junge Leute gibt es einfach nicht so viele, um das Gap zu schließen.

Wirtschaft und Politik haben es verpennt

Diese Entwicklung ist seit vielen Jahren bekannt und hat mit Corona gar nichts zu tun. Wir haben es einfach verpennt, uns darauf vorzubereiten. Dass wieder mal allein der Politik zuzuschieben, wäre ungerecht. Denn auch die Verantwortlichen an den Schalthebeln der Wirtschaft und die Gewerkschaften wissen seit Jahren um das Problem und schieben es vor sich her – weil es unbequem ist.

Denn niemand kann die Leute, die sich aus dem Arbeitsleben verabschieden, in diesem Umfang ersetzen. Wir können nicht ernsthaft eine Million Menschen aus dem Ausland hierher holen, um unseren Ruhestand zu genießen. Das ist ziemlich egoistisch, denn diese Fachkräfte fehlen natürlich dann in ihren Heimatländern.

Der Wettbewerb der Branchen um gute Leute, den wir gerade in der Wirtschaft sehen, hilft beim Blick auf das große Ganze auch nicht. Jede Branche sucht den Fehler bei sich, verbessert Bezahlung und Arbeitsbedingungen. Das ist zwar gut so. Aber wenn sich die unterschiedlichen Wirtschaftszweige gegenseitig die Mitarbeiter abwerben, löst dies das Altersproblem nicht. Davon werden es nicht mehr Arbeitskräfte.

Länger arbeiten und endlich digitalisieren

Es gibt nur zwei Ansätze, das Problem zu lösen: Länger arbeiten und Digitalisierung. Ich weiß, das Rentenalter ist eine heilige Kuh, aber die muss endlich geschlachtet werden. Alles andere ist Realitätsverweigerung. Natürlich gibt es Berufe, die man im hohen Alter nicht mehr ausüben kann, aber bei vielen ist das Alter eben kein Problem. Da muss man nur auf einige Politiker und Firmenchefs schauen, die das Rentenalter längst erreicht haben und trotzdem weitermachen. Ich bin dafür, den Ruhestand zu flexibilisieren. Wer länger arbeiten will, der soll das dürfen und dafür am Ende mit mehr Rente belohnt werden.

Die zweite Lösung heißt Digitalisierung. Das haben Unternehmen und Staatsapparat gemeinsam verschlafen. Und vor allem die Gewerkschaften waren und sind auch hier Bremser, die Digitalisierung als Arbeitsplatzvernichtung verteufeln. Das ist Unsinn. Es muss sogar das erklärte Ziel sein, mit weniger Menschen gleich viele oder gar mehr Dienstleistungen und Produkte zu erstellen. Anders werden wir unseren Wohlstand und Lebensstil nicht erhalten können.

Gerne interessiert mich Ihre Meinung dazu. Schreiben Sie mir, ich freue mich auf Feedback: thomas.hartung@gloobi.de.

Thomas Hartung

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