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12. Januar 2021 | 15:10 Uhr
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Kriselnde Großveranstalter – Umbau bei TUI, DER und FTI

Bei den drei größten Veranstaltern sind zum Jahreswechsel wichtige Führungsposten neu verteilt worden. TUI, DER Touristik und FTI nutzen die Krise, um sich "schlanker" aufzustellen.

Baustelle

Bei den großen Veranstaltern wird kräftig umgebaut

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Ein Zufall war es wohl nicht, dass die Meldung am Nachmittag des 23. Dezember in den Redaktionen eintrudelte. All zu groß sollte die öffentliche Aufmerksamkeit für die Nachricht vom Rückzug des FTI-Gründers und langjährigen Firmenchefs Dietmar Gunz aus dem operativen Geschäft "seines" Unternehmens vielleicht nicht sein. Schließlich gilt der Österreicher mit seiner Vorliebe für intensives Engagement in touristischen Krisenregionen in der Branche als ausgesprochenes Schwergewicht.

Sollte es der Plan gewesen sein, die Stabsübergabe an ein Management-Team unter Führung des langjährigen Co-Geschäftsführers Ralph Schiller und den Leiter der Unternehmens-Reorganisation Constantin von Bülow ohne große Schlagzeilen unter Dach und Fach zu bringen, dann ist er geglückt. Außer der touristischen Fachpresse interessierte sich kaum ein Medium für den Wechsel an der Spitze des drittgrößten deutschen Tourismusunternehmens.

Sawiris stärkt Zugriff

Einen Bruch mit der Vergangenheit signalisiert der Abschied von Gunz freilich nicht. Schließlich bleibt er, ebenso wie seine Frau Roula Jouny, Minderheitsgesellschafter und soll Chef eines noch zu gründenden Aufsichtsrates werden. Zudem wird er etwa mit Schiller von einem erfahrenen Touristiker beerbt, der das Unternehmen, ebenso wie die Branche, wie seine Westentasche kennt.

Klar ist aber, dass der ägyptische Mehrheitsgesellschafter Samih Sawiris, der 75,1 Prozent an der FTI Group hält und dem Unternehmen in der Krise mit seinem Geld das Überleben sicherte, die Zügel stärker in die Hand nimmt. Dafür spricht auch, dass die Führung der firmeneigenen Hotels und der Incoming-Agentur Meeting Point International an Karim Hassan übertragen wird. Hassan, der Jouny in der Führung der beiden strategisch wichtigen Firmenbereiche ablöst, kommt vom Immobilienentwickler Orascom Development Holding, der Sawiris gehört.

Neuverteilung bei TUI

Bereits im Oktober hatte TUI einen Umbau der Führung angekündigt. Sebastian Ebel, lange der starke Mann im Bereich „Holiday Experiences“ mit Hotels, Kreuzfahrten und Zielgebietsaktivitäten, ist nun Finanzchef des börsennotierten Konzerns. Ex-Banker Peter Krüger hat einen neu zugeschnittenen Vorstandsbereich übernommen, in dem die Hotel- und Kreuzfahrtbeteiligungen und die Fluggesellschaften sowie sein bisheriger Verantwortungsbereich M&A (Mergers & Aquisitions) gebündelt werden.

Zudem hat Erik Friemuth neben Marketing und den eigenen Hotelmarken des Konzerns zum Jahreswechsel auch die Gruppenverantwortung für Vertrieb und Kundenservice übernommen. Im Dezember teilte TUI dann mit, dass sich Karl Pojer, der Chef der Kreuzfahrtmarke Hapag-Lloyd Cruises, aus dem Unternehmen zurückzieht, nachdem seine zuvor Sparte in das Joint Venture TUI Cruises, an dem Royal Caribbean die Hälfte der Anteile hält, eingebracht worden war.

14 Führungsjobs weg

Ein sich durchziehendes Muster dieser Umbauten liegt darin, mehr Führungsaufgaben auf weniger Köpfe zu verteilen, um Kosten zu sparen. So auch bei DER Touristik. Der Konzern baut nach eigenem Bekunden an seinen Standorten in Köln und Frankfurt 253 Vollzeitstellen ab, darunter auch 14 Führungspositionen. Das Produktmanagement hat nun standortübergreifend Sven Schikarsky übernommen.

Wer aus der bisherigen Führungsriege das Unternehmen verlassen muss oder dies mangels Perspektiven am Ende mit Hilfe einer Abfindung auch will, hat DER Touristik bislang nicht mitgeteilt. Auch ist unklar, wie viele Veranstaltermarken sich die Rewe-Tochter künftig noch leisten will, nachdem Dertour bereits im Sommer zur „Leitmarke“ erklärt worden war und die Marke ADAC Reisen aufgegeben wurde. Zudem könnte die Frage, ob das Unternehmen langfristig weiterhin mit zwei Standorten und Firmenzentralen operieren will – was es bislang immer wieder bekräftigte – künftig noch Raum für Spekulationen bieten.

Krise ohne Ende?

Klar ist unterdessen, dass der Druck auf die schon vor der Krise margenschwachen Veranstalter weiter wächst. Schließlich sind die Perspektiven für eine Wiederbelebung des Geschäfts trotz des Anlaufens von Impfungen gegen Corona-Infektionen kurzfristig schlecht und mittelfristig unklar.

Unter den drei Schwergewichten im Markt hat DER Touristik gegenüber den Konkurrenten einen nicht zu unterschätzenden Vorteil: Während diese in den nächsten Jahren die staatlich abgesicherten Kredite nebst nicht unerheblicher Zinsen zurückzahlen müssen, kann die Rewe-Tochter die Krise dank der stabilen Erträge der Einzelhandelssparte bislang aus eigener Kraft stemmen. Das verschafft dem Unternehmen womöglich Spielräume, die den verschuldeten Mitbewerbern verschlossen bleiben.

Christian Schmicke

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