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19. März 2020 | 08:18 Uhr
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LH-Chef hält Staatshilfe für Airlines für unvermeidlich

"Je länger diese Krise andauert, desto wahrscheinlicher wird es, dass die Zukunft der Luftfahrt ohne staatliche Hilfe nicht gewährleistet werden kann", sagte Carsten Spohr (Foto) bei der Präsentation der Jahresbilanz. Dabei betonte er, Lufthansa sei "finanziell gut gerüstet, um auch einer außergewöhnlichen Krisensituation wie der jetzigen zu begegnen".

Spohr Carsten Lufthansa CEO

Carsten Spohr verzichtet dieses Jahr auf ein Fünftel seines Grundgehalts

Der Lufthansa-Chef zeichnete das Bild einer Industrie, die auch im vergangenen Jahr schon unter Druck stand, weil die Abkühlung der Konjunktur, gestiegene Treibstoffpreise und Überkapazitäten die Gewinne drückten. Die Lufthansa-Gruppe selbst erzielte mit 1,2 Milliarden Euro 2019 ein Konzernergebnis, das um 44 Prozent unter dem des Vorjahres lag. Daran konnte ein um 2,5 Prozent auf 36,4 Milliarden Euro gestiegener Umsatz nichts ändern.

Drastische Einschnitte

Nun ergreift das Unternehmen drastische Maßnahmen, um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise zu begrenzen. Air Dolomiti hat am Mittwoch den vorläufig letzten Flug durchgeführt. Am Donnerstag landete der vorerst letzte reguläre Linienflug von Austrian Airlines in Wien. Bis auf Sonderflüge setzt Austrian Airlines ihren Flugbetrieb zunächst bis zum 28. März aus. Brussels Airlines bietet in der Zeit vom 21. März bis 19. April keine regulären Flüge an.

Lufthansa stellt den Langstreckenbetrieb in München ein und wird vorerst nur noch Langstreckenflüge ab Frankfurt anbieten. Swiss bietet neben einem deutlich reduzierten Flugplan für Kurz- und Mittelstrecke künftig nur noch drei wöchentliche Langstreckenflüge nach Newark (USA) an. Auch das Kurzstreckenprogramm von Lufthansa wird laut Spohr nochmals deutlich weiter reduziert und in München nur noch von Lufthansa City Line geflogen. Von den Drehkreuzen Frankfurt, München und Zürich aus werden ausschließlich einige europäische Metropolen angeflogen. Der Rückkehrerflugplan reicht bis zum 19. April und sieht insgesamt rund fünf Prozent des ursprünglich geplanten Programms vor. Rund 700 der 763 Flugzeuge der Lufthansa Group werden vorübergehend geparkt.

Neue Kredite

Um seine Liquidität zu sichern, hat der Konzern in den vergangenen Wochen zusätzliche Mittel in Höhe von rund 600 Millionen Euro aufgenommen und verfügt damit über liquide Mittel von rund 4,3 Milliarden Euro. Hinzu kommen nach Angaben des LH-Chefs ungenutzte Kreditlinien von rund 800 Millionen Euro. Weitere Mittelaufnahmen befänden sich aktuell in Umsetzung, kündigt er an. Unter anderem werde das Unternehmen dafür Flugzeugfinanzierungen nutzen.

"Die Lufthansa Group ist finanziell gut gerüstet, um auch einer außergewöhnlichen Krisensituation wie der jetzigen zu begegnen. 86 Prozent der Konzernflotte befinden sich in unserem Eigentum und sind weitestgehend unbelastet, was einem Buchwert von rund zehn Milliarden Euro entspricht. Zudem haben wir uns entschlossen, der Hauptversammlung eine Aussetzung der Dividendenzahlung vorzuschlagen und stellen in unseren Heimatmärkten Anträge auf Kurzarbeit“, sagt Ulrik Svensson, Finanzvorstand der Deutschen Lufthansa AG. Der Lufthansa-Vorstand habe zudem beschlossen, auf 20 Prozent seiner Grundvergütung für das laufende Jahr zu verzichten.

Christian Schmicke

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