Luftfahrt-Lobby klagt weiter über hohe Kosten
Das Flugangebot ab Deutschland ist im ersten Halbjahr um ein Prozent geschrumpft und liegt bei 85 Prozent des Vor-Corona-Niveaus. Im übrigen Europa stieg die Kapazität um vier Prozent auf 111 Prozent des Niveaus von 2019. Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) macht hohe staatliche Kosten und den Nahostkonflikt für den Rückstand verantwortlich.
iStock/Marcus Millo
Die deutsche Luftfahrtindustrie sieht sich im internationalen Wettbewerb weiter benachteiligt
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An den deutschen Flughäfen wurden von Januar bis Juni 97,7 Millionen Passagiere gezählt. Das waren 0,8 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum und nach Angaben des BDL der erste Rückgang seit dem Ende der Corona-Pandemie.
Im europäischen Vergleich vergrößerte sich der Abstand. Während das Sitzplatzangebot in Deutschland auf 85 Prozent des Niveaus von 2019 sank, erreichte es in den übrigen europäischen Ländern durchschnittlich 111 Prozent.
Innerdeutsche Strecken besonders schwach
Besonders groß ist der Rückstand bei europäischen Punkt-zu-Punkt-Airlines. Ihr Angebot liegt im übrigen Europa inzwischen um 58 Prozentpunkte über dem deutschen Wert. Auch Verbindungen zu Wirtschaftsmetropolen in Nord-, Ost- und Westeuropa blieben ausgedünnt.
Der innerdeutsche Verkehr erreicht nur noch 48 Prozent des Angebots von 2019. Bei dezentralen Strecken, die nicht als Zubringer zu den Drehkreuzen Frankfurt oder München dienen, sind es lediglich 18 Prozent.
Der Nahostkonflikt belastete vor allem die Netzwerk-Airlines. Außereuropäische Fluggesellschaften reduzierten ihre Kapazitäten ab Deutschland gegenüber dem Vorjahr um acht Prozent, europäische Netzwerk-Airlines um vier Prozent. Die Kerosinversorgung sei zwar vorerst gesichert, erklärte BDL-Präsident Lars Redeligx. Hohe Preise und gesperrte Lufträume wirkten sich dennoch auf den Betrieb aus.
Verband fordert Halbierung der Standortkosten
Der BDL begrüßt die Rücknahme der jüngsten Erhöhung der Luftverkehrsteuer und den Entbürokratisierungskurs der Bundesregierung. Für eine Trendwende reiche dies jedoch nicht aus. Der Verband fordert, die staatlichen Standortkosten um zwei Milliarden Euro, also 15 Euro je Passagier, zu senken.
Die Belastungen durch Luftverkehrsteuer, Flugsicherung und Sicherheitskontrollen stiegen 2025 nach Verbandsangaben um 1,1 Milliarden auf 4,3 Milliarden Euro. Damit hätten sie sich seit 2019 mehr als verdoppelt.
Als positives Beispiel nennt der BDL Schweden. Nach der Abschaffung der dortigen Luftverkehrsteuer Mitte 2025 sei das Flugangebot dort im ersten Halbjahr 2026 um sechs Prozent gewachsen.
Rückstand dürfte im Winter weiter wachsen
Auch der Ausblick auf den Winterflugplan 2026/27 zeigt ein deutliches Gefälle. Interkontinental soll das Angebot ab Deutschland leicht über das Vorkrisenniveau steigen, auf Europastrecken jedoch nur 90 Prozent erreichen.
Innerdeutsch sinkt die Kapazität voraussichtlich auf 43 Prozent des Winters 2018/19, bei dezentralen Verbindungen auf 14 Prozent. Insgesamt kommt Deutschland auf 88 Prozent des früheren Angebots. Im übrigen Europa erwartet der BDL einen Rekordwert von 118 Prozent. Der Abstand würde damit auf 30 Prozentpunkte wachsen.
Christian Schmicke