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15. April 2026 | 14:48 Uhr
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Lufthansa-Tarifstreit spitzt sich weiter zu

Im Tarifkonflikt mit der Vereinigung Cockpit hat Lufthansa nach Angaben der Gewerkschaft ein Schlichtungsangebot abgelehnt. Gleichzeitig verschärft die Lufthansa Group wegen der wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs ihren Sparkurs. Über die Berechtigung der aktuellen Streiks gehen die Einschätzungen weit auseinander.

Lufthansa Flugzeuge Flughafen Frankfurt

Im Tarifkonflikt bei Lufthansa zeichnet sich weiter keine Lösung ab

Im Tarifstreit zwischen Lufthansa und der Vereinigung Cockpit verhärten sich die Fronten weiter. Nach Angaben der Pilotengewerkschaft haben Lufthansa und Lufthansa Cargo ein Schlichtungsangebot der VC abgelehnt. Gewerkschaftspräsident Andreas Pinheiro sprach von einem "konstruktiven Vorschlag", der in der Öffentlichkeit positiv aufgenommen worden sei. Umso bedauerlicher sei die Absage.

Nach Darstellung der VC sollte mit dem Schlichtungsvorschlag ein strukturierter und lösungsorientierter Weg eröffnet werden, um die offenen Konflikte zu befrieden. Stattdessen habe die Arbeitgeberseite umfassende Vorbedingungen gestellt. Nach Aussage der Gewerkschaft sollten dabei nicht nur aktuelle Tarifstreitigkeiten verhandelt werden, sondern auch bereits abgeschlossene Tarifverträge mit teils langer Laufzeit. Das stelle etablierte Vereinbarungen infrage und erschwere eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Zugleich betont die Gewerkschaft, weiter gesprächsbereit zu sein.

Konzern verschärft parallel den Sparkurs

Während der Arbeitskampf andauert, reagiert die Lufthansa Group intern auf die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs mit neuen Sparvorgaben. In einem offenen Brief an die Belegschaft, den das Handelsblatt zitiert, verweist Konzernvorstand Dieter Vranckx auf "zunehmende wirtschaftliche Unsicherheit", die Geschäft und Kostenlage belaste. Trotz bestehender Absicherungen rechnet die Konzernführung im laufenden Jahr laut Handelsblatt mit Mehrkosten von 1,5 Milliarden Euro für Treibstoff. Hinzu komme die Sorge vor Versorgungsengpässen wegen der blockierten Straße von Hormus.

Mehrere Maßnahmen sollen bereits beschlossen sein. Externe Einstellungen für nicht operative Funktionen sollen vorerst entfallen, neue Stellen werden nicht geschaffen. Offene Positionen dürfen nur mit Genehmigung des Vorstands nachbesetzt werden. Auch Reisebudgets werden gekürzt. Interne Treffen sollen grundsätzlich virtuell stattfinden. Projektbudgets sollen um mindestens zehn Prozent sinken, nicht zwingend notwendige Weiterbildungen und Offsite-Veranstaltungen werden ausgesetzt. Neue Verträge mit Managementberatungen seien untersagt, heißt es weiter.

Streit über Berechtigung der Streiks

Die Bewertungen der aktuellen Streiks fallen deutlich unterschiedlich aus. Die Vereinigung Cockpit verweist auf den ungelösten Konflikt um die betriebliche Altersversorgung und fehlende verhandlungsfähige Angebote. Das Management dagegen argumentiert, die wirtschaftliche Lage der Kernmarke lasse keine höheren Beiträge zu. Personalvorstand Michael Niggemann sagte, man könne die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens nicht weiter verschlechtern, nur weil die VC mehr Arbeitgeberleistungen fordere.

Tatsächlich zählen die Piloten der Kernmarke Lufthansa nach Angaben des Handelsblatts zu den bestbezahlten im Konzern. Ein First Officer steigt demnach mit 88.600 Euro Fixgehalt im Jahr ein. Kapitäne können in der höchsten Senioritätsstufe auf bis zu 281.300 Euro kommen, Zulagen nicht eingerechnet. Bei Eurowings liegt das Einstiegsgehalt eines First Officer mit rund 70.200 Euro deutlich niedriger, das maximale Fixgehalt eines Kapitäns bei knapp 202.300 Euro. Das Blatt zitiert den Experten Gerald Wissel vom Luftfahrtberatungsunternehmen Airborne Consulting mit den Worten, es gebe bei den Piloten der Lufthansa-Gruppe "eine Zweiklassengesellschaft". Das beginne beim Geld und ende bei Extrazulagen. Lufthansa müsse "raus aus dem Tarif-Wirrwarr".

Kritik auch aus der Tourismuswirtschaft

Außerhalb des Konzerns wächst die Kritik an den Streiks. BTW-Präsident Sören Hartmann spricht von Streiktiraden, die in der Tourismuswirtschaft Schäden in Millionenhöhe verursachten. Abgesagte Geschäftsessen, nicht angetretene Kreuzfahrten, Umbuchungen von Pauschalreisen und Ausfälle im Gastgewerbe führten zu hohen Kosten und erheblichem Mehraufwand.

Hartmann betont zwar, dass das Streikrecht ein hohes Gut sei. Es dürfe aber nicht inflationär genutzt werden. Angesichts von Iran-Krieg, steigenden Preisen, wegfallenden Verbindungen und verunsicherten Kunden kämen die Arbeitskämpfe zu einer Unzeit. Er warnt vor institutionellem Schaden für den Wirtschaftsstandort und einem langfristigen Imageschaden für die Reisedestination Deutschland.

In dasselbe Horn stößt der Luftfahrtverband BDL. Die aktuellen Streiks bei Lufthansa beeinträchtigten den deutschen Luftverkehr in dieser Woche erneut massiv und unverhältnismäßig, erklärt er. Der Verband fordere "den Gesetzgeber auf, das Streikrecht endlich anzupassen". Präsident Jens Bischof: "Wesentliche Bereiche des Luftverkehrs gehören zur kritischen Infrastruktur und sichern die Mobilität von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft. Streiks in diesem Bereich haben daher eine weit über einzelne Unternehmen hinausgehende, systemische Wirkung. Aus unserer Sicht braucht es deshalb eine neue Balance im Streikrecht für den unverzichtbaren Bereich Luftverkehr."

Christian Schmicke

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