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31. März 2026 | 17:45 Uhr
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Lufthansa zwischen Wachstum und Schrumpfkurs

Die Lufthansa Group hat in Folge des Iran-Kriegs ihr Sommerangebot 2026 massiv angepasst. Einerseits geht der Konzern mit rund 1.600 zusätzlichen Flügen in die Offensive. Gleichzeitig bereitet sich Lufthansa auf Szenarien vor, die weniger Strecken und eine mögliche Stilllegung von bis zu 40 Flugzeugen vorsehen.

Lufthansa

Die Nachfrageverlagerung weg von den Golfstaaten beschert Lufthansa gerade volle Maschinen

Der Krieg am Persischen Golf stellt die Lufthansa Group vor ein Paradox: Einerseits profitiert der Konzern kurzfristig davon, dass Passagiere von den Golfdrehkreuzen auf europäische Direktverbindungen ausweichen und sich höhere Preise durchsetzen lassen. Andererseits drohen milliardenschwere Mehrkosten durch explodierende Kerosinpreise, die mittelfristig die Nachfrage dämpfen dürften. Lufthansa-Konzernchef Carsten Spohr fasste die Lage laut "Handelsblatt" auf einer internen Veranstaltung knapp zusammen: "Die Folgen sind größer, als wir erwartet hatten. Es werden weniger Menschen reisen."

Sonderkonjunktur treibt Angebotsausbau auf breiter Front

Doch kurzfristig beschert der Lufthansa die Nachfrageverlagerung weg von den Golfstaaten volle Maschinen. Bereits im März und April stockte der Konzern ad hoc 60 zusätzliche Flüge zu Zielen in Asien und Afrika auf. Für den gesamten Sommer 2026 plant die Gruppe nun laut eigenen Angaben rund 1.600 zusätzliche Abflüge von ihren Drehkreuzen Frankfurt und München.

Allein Lufthansa will von Frankfurt aus wöchentlich zwei zusätzliche Verbindungen nach Chennai und Delhi, einen weiteren Flug nach Hyderabad sowie von München einen zusätzlichen Flug nach Bangalore anbieten. Swiss hat ihren Flugplan bereits um sieben wöchentliche Flüge nach Delhi ergänzt. Gestärkt wird auch das Europa-Programm, hier plant Lufthansa zwischen April und Oktober rund 540 zusätzliche Flüge ab Frankfurt und München, mit Schwerpunkt Iberische Halbinsel, Griechenland und Italien. Austrian Airlines soll rund 700 Flüge ab Wien beisteuern, Brussels Airlines etwa 170 ab Brüssel und Swiss über 100 ab Zürich.

Kerosinpreis verdoppelt sich und frisst Margen auf

Die Kehrseite der geopolitischen Krise zeigt sich jedoch an der Tankrechnung. Der Kerosinpreis hat sich laut Brancheninformationen binnen Wochen verdoppelt. Zwar hat Lufthansa 80 Prozent ihres Treibstoffbedarfs für 2026 über Hedging-Geschäfte preislich abgesichert, was Finanzvorstand Till Streichert gegenüber Medienvertretern und Investoren als "wichtigen Wettbewerbsvorteil" bezeichnete. Doch allein der nicht abgesicherte Anteil von 20 Prozent dürfte laut Spohr Mehrkosten von rund 1,5 Milliarden Euro verursachen. 

Szenarien bis zur Stilllegung von 40 Flugzeugen machen die Runde

Parallel zum Angebotsausbau arbeiten die Konzernplaner an Gegenszenarien für den Fall, dass die Nachfrage unter dem Druck steigender Preise einbricht. Laut "Handelsblatt" prüft Lufthansa eine Angebotsreduktion um 2,5 Prozent durch die Stilllegung von rund 20 überwiegend älteren Flugzeugen. Sollte sich die Lage weiter verschärfen, könnten sogar 40 Maschinen geparkt oder vorzeitig ausgemustert werden.

Konkret bestätigen will Lufthansa die Pläne nicht, allgemein gesprochen gibt der Konzern aber in einem aktuellen Statement zu: "Aktuell werden parallel zur Erweiterung des Flugangebotes auch Szenarien bei den Airlines der Lufthansa Group entwickelt und bewertet, um auf Änderungen des Marktumfeldes schnell reagieren zu können, zum Beispiel durch Streichung unprofitabler Strecken oder auch einer vorzeitigen Ausflottung von älteren Flugzeugen." 

Pascal Brückmann

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