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Meliá-Chef warnt vor pauschalen Tourismuslimits

Meliá-Chef Gabriel Escarrer (Foto) warnt davor, touristisches Wachstum vor allem mit Besucherlimits und höheren Abgaben zu bremsen. Ungesteuertes Wachstum könne zwar Probleme verschärfen, pauschale Beschränkungen griffen aus seiner Sicht aber zu kurz, schreibt er in einem Beitrag für die Zeitung El Confidencial. Er fordert mehr Planung, bessere Infrastruktur und Konsequenz bei illegalen Angeboten.

Escarrer stellt in seinem Kommentar für die spanische Zeitung El Confidencial nicht infrage, dass starkes touristisches Wachstum Belastungen für Destinationen verursachen kann. Dazu zählt er Überfüllung, Probleme auf dem Wohnungsmarkt, Druck auf öffentliche Dienstleistungen und Verkehrsprobleme. Diese Entwicklungen allein dem Tourismus zuzuschreiben, hält er jedoch für zu kurz gegriffen.

Besucherzahlen per Verordnung zu begrenzen oder die steuerliche Belastung für touristische Unternehmen zu erhöhen, vergleicht der Meliá-Chef mit einem medizinischen Aderlass: Solche Maßnahmen bekämpften aus seiner Sicht nicht die Ursachen und könnten zugleich einen wichtigen Wirtschaftsfaktor schwächen.

Ferienvermietung im Fokus

Als Beispiel führt Escarrer die Balearen an. Dort sei die Einwohnerzahl in den vergangenen 20 Jahren um rund 30 Prozent gestiegen, die Touristenzahl dagegen um mehr als 60 Prozent. Die Hotelkapazität habe sich im selben Zeitraum kaum erhöht.

Das zusätzliche Wachstum sei vor allem durch die Ausweitung der Ferienvermietung möglich geworden, schreibt der Chef eines der größten europäischen Hotelkonzerne. Mehr als 140.000 Plätze seien reguliert, hinzu kämen zahlreiche illegale oder rechtlich ungeklärte Angebote. Escarrer betont, regulierte Ferienwohnungen könnten Teil des touristischen Angebots sein. Problematisch werde es dort, wo Anbieter nicht denselben Anforderungen bei Planung, Nachhaltigkeit, Steuern und Kontrolle unterlägen.

Mehr Wert statt mehr Volumen

Statt den Tourismus generell zu begrenzen, fordert Escarrer eine stärkere Steuerung. Dazu zählt er Investitionen in Infrastruktur, eine intelligentere Besucherlenkung sowie die konsequente Durchsetzung bestehender Regeln.

Zugleich plädiert er für ein Modell, das stärker auf Wertschöpfung als auf Volumen setzt. Qualität und Nachhaltigkeit sollten Vorrang vor ungehemmtem Wachstum haben.

Entscheidend sei dabei die Zusammenarbeit von Unternehmen, Verwaltungen und Destinationen. Der zentrale Streitpunkt dürfe aus seiner Sicht nicht lauten, ob Spanien mehr oder weniger Tourismus brauche, sondern wie sich die Branche so steuern lasse, dass wirtschaftlicher Nutzen, Nachhaltigkeit und Lebensqualität miteinander vereinbar bleiben.

Christian Schmicke