NCL-Chef sieht Europa-Geschäft unter Druck
Norwegian Cruise Line Holdings senkt die Prognose für 2026 deutlich. Der Konzern verweist auf Folgen des Iran-Kriegs, höhere Treibstoffkosten und schwächere Nachfrage, besonders für Europa-Kreuzfahrten. CEO John Chidsey (Foto) will nun Kosten senken, Marketingausgaben optimieren und die Organisation an Land straffen.
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NCLH-CEO John Chidsey will die Kosten senken
Norwegian Cruise Line Holdings hat die Jahresprognose für 2026 spürbar gesenkt. Der Kreuzfahrtkonzern erwartet nun einen Nettoertrag, der auf währungsbereinigter Basis drei bis fünf Prozent unter dem Vorjahr liegt. Zuvor war das Unternehmen noch von einem stabilen Wert gegenüber 2025 ausgegangen.
Auch beim operativen Ergebnis wird Norwegian vorsichtiger. Das bereinigte Ebitda soll 2026 umgerechnet 2,12 bis 2,26 Milliarden Euro erreichen. Die vorherige Erwartung lag bei 2,52 Milliarden Euro.
Als Hauptbelastung nennt das Unternehmen den Krieg im Nahen Osten. Er führe zu höheren Treibstoffkosten und dämpfe die Nachfrage, weil Verbraucher ihre Reisepläne neu bewerteten. Besonders betroffen sei das Europa-Geschäft in der Sommersaison, so Chidsey.
Europa steht unter Druck
Finanzchef Mark Kempa verweist auf die starke Europa-Exponierung des Konzerns. Im zweiten Quartal entfallen 26 Prozent der Kapazitäten auf Europa, im dritten Quartal sogar 38 Prozent. Der Iran-Krieg treffe damit einen wichtigen Einsatzraum der Flotte.
Neben Europa zeigt sich laut Kempa auch die Nachfrage nach Alaska-Kreuzfahrten schwächer. Hinzu komme eine allgemein geringere als erwartete Inlandsnachfrage, weil Verbraucher Reisepläne überdenken.
Kosten sollen sinken
CEO Chidsey, der im Februar geholt wurde, um die Leistung des Unternehmens zu verbessern, reagiert mit Sparmaßnahmen. Norwegian will die Organisation an Land straffen. Dadurch sollen Gehalts- und Leistungskosten auf Jahresbasis um rund 15 Prozent sinken.
Auch beim Marketing will Norwegian kürzen und effizienter werden. Chidsey sagt, das Unternehmen werde genau darauf achten, Kosten nicht dort zu senken, wo Erlöschancen gefährdet würden. Beim Marketing sehe er jedoch Spielraum, weil die Ausgaben in den vergangenen drei bis vier Jahren stark gestiegen seien und die Effizienz hinter Wettbewerbern zurückgeblieben sei.
Erstes Quartal besser als erwartet
Die gesenkte Prognose folgt auf ein erstes Quartal, das operativ besser ausfiel als erwartet. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent auf knapp zwei Milliarden Euro. Der Nettogewinn lag bei knapp 90 Millionen Euro.
Der operative Gewinn erreichte 456 Millionen Euro und lag damit über der Prognose von rund 440 Millionen Euro. Gegenüber dem Vorjahreswert von 388 Millionen Euro entspricht das einem Plus von 18 Prozent.
Weitere Maßnahmen denkbar
Norwegian will in den kommenden zwei bis vier Quartalen weitere Möglichkeiten zur Kostensenkung prüfen. "Wir drehen jeden Stein um", sagte Chidsey laut dem Portal Travel Weekly in einer Telefonkonferenz.
Die finanzielle Lage bleibt unterdessen angespannt. Zum 31. März wies Norwegian Cruise Line Holdings eine Gesamtverschuldung von 13 Milliarden Euro und eine Nettoverschuldung von 12,8 Milliarden Euro aus. Die Liquidität betrug 1,37 Milliarden Euro, darunter 158 Millionen Euro an Zahlungsmitteln und 1,2 Milliarden Euro über verfügbare Kreditlinien.
Christian Schmicke
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