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7. Mai 2026 | 13:33 Uhr
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Regierung rechnet nicht mit Kerosinengpässen

Die Bundesregierung sieht derzeit keine physische Knappheit bei Kerosin, aber erhebliche Preissteigerungen. Lagerbestände, Eigenproduktion und eingeschränkte Importe könnten den deutschen Bedarf nach Regierungsangaben etwa fünf Monate decken. Lufthansa-Chef Carsten Spohr gibt ebenfalls vorsichtig Entwarnung:

Die Bundesregierung sieht aktuell keine physische Knappheit bei der Versorgung mit Flugturbinenkraftstoff. Das berichtete sie im Tourismusausschuss des Bundestages. Die Lage bleibt dennoch angespannt, weil die Kerosinpreise deutlich gestiegen sind und damit die Reisebranche belasten.

Bei einem Gespräch mit Vertretern der Mineralöl- und Luftfahrtwirtschaft hätten die Teilnehmer übereinstimmend berichtet, dass derzeit noch keine physischen Engpässe eingetreten seien, heißt es. Viele deutsche und europäische Raffinerien hätten zudem Spielräume, den Anteil von Kerosin in der Produktion zu erhöhen und dafür weniger Diesel oder Heizöl herzustellen.

Einige Raffinerien hätten ihre Produktion bereits angepasst und den Kerosin-Anteil maximiert. Das Defizit durch die Sperrung der Straße von Hormus lasse sich damit kurzfristig aber nicht vollständig ausgleichen.

Flugpläne reagieren auf höhere Kosten

Die gestiegenen Kerosinkosten zeigen bereits Wirkung im Markt. So wurden Flugverbindungen gestrichen oder zusammengelegt. Diese Reaktion trage dazu bei, das Defizit zu verringern, heißt es von der Regierung. Preisliche Eingriffe plane die Bundesregierung nicht. Stattdessen verweist sie auf Lagerbestände, Importe und Produktionsanpassungen.

Der monatliche Kerosinverbrauch in Deutschland schwankt laut einem Regierungsbericht je nach Jahreszeit zwischen etwa 650.000 und 900.000 Tonnen. Der Erdölbevorratungsverband verfüge über rund 1,1 Millionen Tonnen Kerosin. Hinzu kämen etwa 300.000 Tonnen Lagerbestände der Industrie.

Unter der Annahme einer fortdauernden Sperrung der Straße von Hormus, weiterhin verfügbarer, aber eingeschränkter Importe und eigener Produktion könnte der deutsche Bedarf für etwa fünf Monate voll gedeckt werden. Für Gesamteuropa fehlen der Bundesregierung indes belastbare Daten. Gleichzeitig machte die Regierung deutlich, dass sie nur "auf Sicht fahren" könne. Niemand könne vorhersagen, wie sich die Lage weiter entwickle.

Spohr sieht Sommer nicht gefährdet

Auch Lufthansa-Chef Carsten Spohr gibt bei der Kerosinversorgung vorsichtige Entwarnung. "Bis Mitte Juni können wir sicher davon ausgehen, dass es ausreichend Treibstoff gibt", sagte er bei der Präsentation der Quartalszahlen des Konzerns. Auch für den gesamten Sommer sollten sich Reisende keine Sorgen machen. Aktuell seien keine Engpässe an den Drehkreuzen der Lufthansa-Gruppe absehbar.

Nach Spohrs Angaben fehlen wegen des Kriegs im Nahen Osten und der gesperrten Straße von Hormus rund 25 Prozent des in Europa benötigten Flugbenzins. Die Hälfte davon werde durch Lieferungen aus den USA und Nigeria ersetzt. Die andere Hälfte stamme derzeit aus kommerziellen Lagerbeständen, nicht aus nationalen Reserven.

Spohr hofft, dass die Versorgungslücke bald vollständig durch größere Liefermengen aus den USA und Nigeria sowie zu einem kleineren Teil aus Israel geschlossen werden kann. Dann könnten auch die Lagerbestände wieder aufgefüllt werden.

Christian Schmicke

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