Reisemarkt bleibt bis 2035 stark, wandelt sich aber
Die Zahl der Urlaubsreisen der Deutschen ab fünf Tagen bleibt laut Trendstudie bis 2035 auf hohem Niveau stabil. Das ist für die Branche eine eher unspektakuläre, aber wichtige Botschaft, so Martin Lohmann von der Forschungsgemeinschaft FUR. Zugleich erwartet er Verschiebungen im Detail. Die qualifizierte Beratung im Reisebüro könnte davon profitieren.
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Urlaub von Familien mit Kindern werden in den nächsten zehn Jahren zunehmen, sagt die FUR-Trendstudie
Laut Trendstudie werden auch in zehn Jahren mehr als 80 Prozent der deutschen Bevölkerung pro Jahr mindestens eine Urlaubsreise von fünf Tagen oder länger unternehmen. Das Volumen liegt dabei stabil bei knapp 70 Millionen Reisen jährlich. "Für die Branche ist das keine spektakuläre, aber eine gute Nachricht", sagte Lohmann auf der DRV-Tagung auf den Azoren. Denn die Studie beschreibt den Markt auch in Krisenzeiten als resilient.
Vor dem Hintergrund von Klimawandel, geopolitischer Lage sowie wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Unsicherheiten sei es wichtig, dass die Branche den Blick auf "verlässliche langfristige Entwicklungen" nicht verliere, so Lohmann weiter. Grundlage für die stabile Nachfrage ist der hohe Kundennutzen von Urlaubsreisen. Diese Beständigkeit bildet den Ausgangspunkt für die Zukunftsplanung der Touristik.
Stabil in der Summe, dynamisch im Detail
Die Stabilität des Marktes bedeutet laut Studie jedoch nicht, dass sich das Reiseverhalten der Deutschen kaum verändert. Es sei "sehr dynamisch, also oft wechselnd", die Konstanz ergebe sich erst aus der demoskopischen Perspektive. Zugleich führen gewachsene Reiseerfahrung und ein immer stärker optimiertes Angebot zu höheren Ansprüchen der Kunden.
Verschiebungen erwartet die Studie auch in der Struktur der Nachfrage. So steigt beispielsweise der Anteil älterer Reisender. Im Jahr 2035 sollen 33 Prozent der Urlaubsreisen auf Über-60-Jährige entfallen, nach 29 Prozent im Jahr 2025. Auch Reisen mit Kindern legen leicht zu. Ihr Anteil wächst von 19 auf 20 Prozent. Deutlich stärker steigt jedoch der Anteil von in Deutschland lebenden Ausländern an den Urlaubsreisen: von 11 Prozent im Jahr 2025 auf 16 Prozent im Jahr 2035.
Mehr Mittelmeer, mehr Online und mehr Pauschalreisen
Dynamik sieht die Trendstudie zudem beim Reiseverhalten. Genannt werden vor allem Veränderungen bei den Reisezielen, der Buchung und der Organisation der Reisen. So rechnet die Studie mit einem Plus für Mittelmeerziele. Gleichzeitig nimmt die Online-Buchung weiter zu, während das Reisebüro wichtig bleibt. Auch bei der Organisationsform erwarten die Autoren einen Anstieg bei Veranstalterreisen.
Technologische Entwicklungen wie künstliche Intelligenz verändern laut der Studie außerdem das Informations- und Entscheidungsverhalten der Reisenden. Für Unternehmen und Organisationen bilden solche übergeordneten Trends den Hintergrund für die eigene Planung, glaubt Lohmann. Gefragt sind deshalb präzise Zielgruppenanalysen statt eines undifferenzierten Blicks auf den Gesamtmarkt.
Chancen für gezielte Angebote und Beratung
Als Beispiel nennt Lohmann das Segment der Urlaubsreisen mit Kindern. Es gilt in der Studie zwar als stabil, verändert sich aber in der Struktur und in den Motiven. So gibt es einerseits mehr Reisen mit nur einem Kind, andererseits wachsen die Ansprüche. Sonne und Spaß gewinnen an Bedeutung, während Mittelmeerziele zulasten des Inlandstourismus zulegen.
Daraus lasse sich laut den Thesen auch eine Chance für qualifizierte Beratung im Reisebüro ableiten, sagt Lohmann. Insgesamt bleibt der deutsche Markt bis 2035 attraktiv. Laut der Studie verspricht jedoch nicht ein Angebot für alle Erfolg, sondern eine Ausrichtung auf präzise Zielgruppen, realistische Entwicklungen und belastbare Daten.