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27. April 2023 | 18:12 Uhr
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RTK-Daten-Affäre erhält neue Dynamik

Nach Informationen des Fachblatts FVW waren fast 3.000 Reisebüros von der Datenübermittlung durch RTK an FTI betroffen. Dass TUI nun eine "Trennung" von RTK und FTI fordert, macht die Sache für die Kooperation aus Burghausen nicht leichter.

Vertragsverhandlung

Mehrere Tausend Büros sollen von dem Daten-Deal betroffen sein

Der FVW liegen nach eigenen Angaben Dateien aus den Jahren 2015/16 und teilweise 2014/15 vor, die dokumentieren sollen, dass FTI einen umfassenden Blick auf jede einzelne der fast 3.000 Agenturen erhalten habe; und das nicht nur in den genannten Geschäftsperioden. Wie Reisebüroinhaber Alain Freeman, Mitglied der Kooperation Alpha, im Reise vor9 Podcast schildert, waren auch seine Umsatzdaten betroffen – und zwar heruntergebrochen auf einzelne Reisebüros, Veranstalter, Destinationen und Hotels. Denn weitergeleitet wurden nicht nur Daten von RTK-Büros, sondern auch die von Kooperationen wie Alpha und TUI Travel Star, an denen neben Schauinsland Reisen beziehungsweise TUI auch die RTK-Zentrale beteiligt ist.

"Potenziell unsteuerbarer Umsatz" 

Laut FVW sollen die Excel-Tabellen zeigen, wie viel Umsatz einzelne Reisebüros bei FTI und bei Konkurrenten machten. Insgesamt 13 Veranstalter seien gelistet, heißt es. Ein zentraler Wert der Tabellen sei der „potenziell auf FTI umsteuerbare Umsatz pro Reisebüro“, berichtet FVW weiter. Als Lockmittel zum Umsteuern sollen Zusatzprovisionen angeboten worden sein. Reisebüroinhaber Freeman sind derlei Avancen indes nicht gemacht worden, wie er im Reise vor9 Podcast erklärt.

Wie aus TUI-Kreisen zu hören ist, ist die Empörung im Konzern über die mutmaßlichen Aktivitäten der Kooperation, an der TUI selbst mit 25,1 Prozent beteiligt ist, groß. Immerhin besteht der Verdacht, dass diese versucht hat, Umsätze zum Nachteil von TUI und anderen Veranstaltern, auf denjenigen Veranstalter zu steuern, dessen Hauptgesellschafter derselbe ist wie der der RTK-Mutter RT Reisen: Naguib Sawiris. Wohl auch deshalb hat TUI am Mittwoch öffentlich gemacht, dass eine Anwaltskanzlei mit einer umfassenden rechtlichen und explizit auch strafrechtlichen Prüfung beauftragt worden sei.

"Keine Vorverurteilung" 

Der Konzern betont öffentlich, dass er keine Vorverurteilung vornehmen und eine lückenlose Aufklärung der Vorfälle abwarten wolle. Dass er deutlich macht, dass im Falle einer Bestätigung der Vorwürfe "die handelnden Personen zur Verantwortung gezogen" werden müssten, spricht indes eine klare Sprache. Auch die Feststellung, dass "schon jetzt davon auszugehen" sei, dass RTK und FTI ihre Verbindungen und Verflechtungen kappen müssten, ist deutlich.

Was die Zukunft der TUI-Beteiligung an RTK und der Kooperation TUI Travel Star als Joint Venture betrifft, hüllen sich die Akteure in Schweigen. Allerdings erscheint es längst nicht mehr ausgeschlossen, dass die Affäre im stationären Vertrieb noch für eine Menge Bewegung sorgt.

Reisebüroinhaber Alain Freeman berichtet im Reisevor9 Podcast über seine Erfahrungen mit dem Datentransfer von RTK an FTI. Einfach reinhören:

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