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12. August 2019 | 07:00 Uhr
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Mailen

Ryanair liegt erneut im Clinch mit der Belegschaft

Nach den britischen haben sich nun auch die in Dublin stationierten Piloten für einen Streik ausgesprochen. Sie fordern höhere Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen. In Spanien droht im September ein Streik des Kabinenpersonals, weil die Airline Basen in Teneriffa-Süd, auf Gran Canaria und im katalanischen Girona dichtmachen will.

Es ist immer dasselbe Muster. Wenn es bei dem irischen Billigflieger nicht so richtig läuft, baut CEO Michael O’Leary sofort Druck auf die eigene Belegschaft auf. Dabei hilft es ihm, dass die Airline-Gruppe mit Ryanair, Laudamotion, Buzz und Malta Air mittlerweile über vier Marken verfügt. So kann er der einen Marke mit den günstigeren Kostenstrukturen der jeweils anderen drohen.

Macher mag sich gedacht haben, dass dieses Spiel mit den diversen Tarifabschlüssen, die der Carrier im vergangenen Jahr mit Arbeitnehmervertretungen vereinbarte, ein Ende haben würde. Doch weit gefehlt: Zunächst drohte O'Leary der österreichischen Tochter Lauda damit, dass die Expansion in Wien von Ryanair selbst übernommen werde, wenn es nicht zu einem passenden Abschluss mit den Mitarbeitern käme. Laut Medienberichten lehnte das Personal die Forderungen der Chefetage, die mit einem Ultimatum bis zum 14.August versehen waren, ab. Unter anderem ist von Gewerkschaftsseite von "Zwangsurlaub" die Rede, den die Geschäftsleitung der Belegschaft verordnen wolle.

In London sprachen sich die Mitglieder der Pilotengewerkschaft Blapa für fünf ganztägige Streiks am 22. und 23. August sowie vom 2. Bis zum 4. September aus. Grund sind Streitigkeiten, unter anderem über Renten und Bezahlung. Die in Irland stationierten Ryanair-Piloten wollen ebenfalls streiken, wenn sich die Airline nicht bis Montag gesprächsbereit zeige.

In Spanien kündigte die Ryanair-Führung mit der Schließung dreier Basen, zudem soll auch die Dependance im portugiesischen Faro geschlossen werden. Als Grund nennt das Management die Verzögerungen bei der Auslieferung der gegroundeten Boeing 737 Max. Dies zwinge Ryanair zusammen mit gestiegenen Kosten für Treibstoff und Personal zu Sparmaßnahmen, so die spanische Zeitung "El Pais". Das Kabinenpersonal will nun im September für den Erhalt seiner Arbeitsplätze in den Ausstand treten. Und auch in Portugal plant das Bordpersonal, vom 21. bis zum 25.August zu streiken.

Die in Deutschland stationierten Piloten des Billigfliegers warten indes nach einem Bericht des Portals "Aero" immer noch auf einen Tarifvertrag. Auch mehr als neun Monate nach der grundsätzlichen Einigung auf Eckpunkte gebe es noch keinen Abschluss, sagte der Sprecher der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit, Janis Schmitt, demnach.

Auch mit dem eigenen Führungspersonal liegt O'Leary im Clinch. So will er gegen Peter Bellew, der sein Vorstandsamt zum Jahresende aufgibt, vor Gericht ziehen , weil der den Posten als Chief Operating Officer beim Konkurrenten Easyjet antritt. Bellew seien eine halbjährige Kündigungsfrist und ein umfangreiches Konkurrenzverbot auferlegt worden, heißt es. 

Christian Schmicke

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