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6. Juli 2024 | 13:34 Uhr
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So kommentiert die Branche den TUI-Austritt aus dem DRV

Die Meinungen zu Ursachen, Motiven und Konsequenzen des Austritts des größten deutschen Reisekonzerns aus dem DRV sind innerhalb der Branche höchst kontrovers, wie eine aktuelle Reise-vor9-Umfrage zeigt. Wir dokumentieren einige der mehr als 200 beigefügten Kommentare. Sie spiegeln die Bandbreite der Einschätzungen.

Austritt Exit

Am Austritt von TUI aus dem DRV scheiden sich die Geister

Der Austritt des größten Beitragszahlers aus dem Verband lässt die Branche nicht kalt. Das belegt nicht zuletzt die Teilnahme von mehr als 750 Reiseprofis aus dem Vertrieb, von Veranstaltern und aus anderen Bereichen an der Reise-vor9-Umfrage. Mehr als 200 nahmen sich zusätzlich die Zeit, um Kommentare beizufügen. Hier kommt ein Auszug:

"Die Interessen der gesamten Branche sollten gebündelt vorgetragen werden. Solch eine Zerstücklung schadet letztlich nur allen.“

"Bereits jetzt sind sich die Touristiker nicht einig im Auftritt gegenüber der Bundesregierung und EU. Der Austritt von TUI wird eine weitere, weniger gemeinschaftliche Wahrnehmung des Tourismus nach sich ziehen."

"Es wäre besser, wenn der DRV eine schlagkräftige Einheit wäre, die auch im Sinne der Urlauber mehr Präsenz in den Medien und der Politik zeigt. Wir brauchen einen 'Mr. Urlaub'."

"Der DRV entfernt sich immer mehr von der Basis."

"Meiner Meinung nach setzt sich der DRV nicht sehr für die Bedürfnisse seiner Mitglieder ein. Ich habe den DRV schon vor vielen Jahren verlassen."

"Wenn ich Geld an einen Brancheverband bezahle, und das nicht wenig, und dieser nicht wirklich meine Interessen vertritt, dann muss ich Konsequenzen ziehen."

"Der Austritt ist nicht richtig für den DRV und seine Mitglieder. Bisher habe ich der Fachpresse keine Klagen der TUI bezüglich der Branchenvertretung durch den DRV vernommen. Vor Corona hat die TUI den Reisebürovertrieb bekämpft und versucht, den Direktvertrieb zu forcieren. Dann kam Corona und die TUI braucht jetzt die Reisebüros wieder dringend. Aber als verlässlicher Partner sollte niemand die TUI sehen! Wer nicht dabei ist, kann auch nichts verändern! Ebel lobt VUSR und Arbeit von Linnhoff. Das wird kein ehrliches Lob sein! Aber die fleißigen kleinen Mittelständler, die oftmals nur die Mindestprovision erhalten, spülen in der Gesamtheit Umsatz in die Kassen der TUI, den diese nicht verlieren will. Frau Linnhoff war als 'Seherin' der Pleiten von Thomas Cook und FTI sehr hilfreich. Wenn sie das nicht mehr ist und aufbegehrt, wird die TUI sie fallen lassen. Den Pfad als starker Partner der Reisebüros hat die TUI schon lange verlassen und lässt die Reisebüros in Krisensituationen in der Warteschleife verhungern! Der Direktbuchende TUI-Kunde wird aber schnell bedient und es findet sich schnell eine freie Leitung!"

"Der DRV ist zu groß, zu unflexibel und viel zu weit weg vom Vertrieb."

"Ob der DRV in den letzten Jahren mit allen Aktionen richtig lag, kann man diskutieren, aber ausgerechnet im 'Krawall-Verband' der Selbstdarstellerin Linnhoff zu bleiben, der es immer nur um sich selbst und nie um die Sache geht, ist mit Sicherheit das falsche Zeichen."

"Endlich wird der DRV wachgerüttelt."

"Vielleicht bewirkt der Austritt eine positive Veränderung."

"Das wird auf Kosten der Gehälter gehen! Auch das Unternehmen, für das ich arbeite, trat vor knapp 20 Jahren aus. Heute zeigt sich, dass unsere Gehälter 20 Prozent niedriger als bei den Mitbewerbern sind."

"Es ist wichtig, um ein Zeichen zu setzen, dass der Verband mehr um sich selbst kreist als sich um die Mitgliederthemen zu kümmern."

"Ein viel zu verstaubter Verband. Redet viel und bewirkt nichts. Da schätze ich den VUSR. Frau Linnhoff spricht das aus, was viele denken. Sie hat Ihr Herz auf der Zunge und hat schon vieles vorausgesagt und richtig eingeschätzt. Das weiß auch Herr Ebel sehr zu schätzen."

"Der DRV ist zu konservativ und unflexibel."

"Die TUI ist in dem Verband zu groß und wird sich konsequenter Weise in Zukunft selber vertreten. Der DRV sollte sich als Gemeinschaft der kleinen und mittelständischen Unternehmen verstehen.

"Absolut richtig. Der DRV steht nicht wirklich hinter den Reisebüros uns will diese auch nicht schützen; zum Beispiel mit einem Meisterbrief wie im Handwerk."

"Der DRV verliert auf jeden Fall Durchsetzungsvermögen."

"Die Führungsriege des DRV ist nicht kompetent genug, um wichtige Themen anzugehen. Es werden alle wichtigen Themen verschlafen."

"TUI ist der größte Veranstalter in Deutschland und dieser sollte nicht austreten. Es geht um wichtige Entscheidungen in der Tourismusbranche und um deren Mitarbeiter."

"Die zuletzt genannten Entscheidungskriterien sind zwar nachvollziehbar, aber man hätte aufeinender zugehen sollen, bevor man diesen Schritt macht."

"Statt konstruktiver Mitarbeit kocht die TUI immer ihr eigenes Süppchen – schrecklich."

"Die TUI macht so einen gravierenden Schritt nicht ohne vorherige gründliche Abwägung und nicht, ohne im Vorfeld Kritik am Handeln oder Nichthandeln der Verbandsspitze geübt zu haben. Wenn von dort keine Anpassungen oder Änderungen vorgenommen werden, ist ein Austritt nur konsequent."

"Die TUI zeigt mit diesem Schritt, dass Sie nicht mit Branchenweitblick denkt, sondern allein an sich als AG."

"Schlechtes Signal an die Politik."

"Das muss man fast als Skandal bezeichnen."

"Dieser Veranstalter schwebte seit jeher über den Dingen, wie andere Großunternehmen aus diesem Bundesland (VW usw.) auch. Völlig losgelöst! Hochmut kommt vor dem Fall! Und das ist gut so!"

"Der DRV ist, wie viele deutsche Verbände, von Überalterung geprägt und fährt noch zu sehr auf der Schiene der einseitigen Kommunikation. Kommunikation ist heute ganzheitlich zu betrachten und Verbandsmitglieder müssen sich der Dynamik des Internets anpassen. Statements müssen 'live' kommentiert und gegenüber Kritikern verteidig werden. Auf diesem Gebiet dominieren klar andere Verbände in der Touristik."

"Letztlich ist ein kumuliertes Auftreten immer stärker als das von einzelnen, insbesondere in der Politik. Ein Verband bietet ein anderes Sprachrohr als ein einzelnes Unternehmen. Daher, schätze ich, wird der Austritt zum einen die gesamte Branche im Ansehen und auch in Teilen in der Schlagkraft treffen, aber insbesondere auch die TUI selbst, die hier die Bedeutung einer gemeinsamen Stimme in meinen Augen verkennt."

"Höchste Zeit, dass dem DRV einmal die eigenen Versäumnisse in Sachen verfehlte EU-Lobbypolitik aufgezeigt werden. Hier hätte schon längst an einer schlagkräftigen Strategie gegen die immer höheren Belastungen aus Brüssel gearbeitet werden können. Der DRV hat sich in der Vergangenheit als komplett zahnloser Tiger erwiesen."

"Der Austritt ist die logische Konsequenz der Veränderungen in der Reisebranche. Er kommt daher nicht überraschend und wurde in den letzten 30 bis 40 Jahren unter unterschiedlichen Vorzeichen immer mal wieder erwartet beziehungsweise diskutiert. Bedauerlich, weil die einst mittelständischen Gründerväter der TUI auch zu den Gründern des DRV gehörten. Klar ist, dass eine weltweit und längst industriell operierende TUI ihre branchenpolitischen Interessen auf allen Ebenen kraftvoll selbst vertreten kann. Als freundliche Geste hätte sie dem DRV aber zumindest als passives Mitglied mit einem finanziellen Beitrag verbunden bleiben können. Derartige Emotionen sind einem eiskalt agierenden Herrn Ebel aber völlig fremd. Konsequenterweise sollte/könnte die TUI jetzt auch aus der Folkloreveranstaltung 'Bundesverband der Tourismuswirtschaft' (BTW) austreten. Den braucht sie erst recht nicht."

"Meiner Wahrnehmung nach ist die TUI auf vielen politischen Ebenen in Europa unterwegs und wird wahrscheinlich den DRV nicht vermissen. Es wird eher andersherum sein: die letzten Anhörungen im Bundestag haben gezeigt, dass TUI und DER neben dem DRV extra eingeladen werden, da der DRV anscheinend keine umfassende Position beziehen kann."

"Finde diesen Schritt von TUI unmöglich! Diesen Konzern hätte man meiner Meinung auch nicht mit unseren deutschen Steuergeldern in Coronazeiten unterstützen sollen."

"Laepple: 'Nicht unerheblich sei aber auch der finanzielle Schaden durch die fehlende Mitgliedsbeiträge'. Da hat der Alt-Präsident natürlich recht! Der DRV wird die Mitgliedsbeiträge anheben und als Folge werden dann dann viele privat geführte Mittelständler den Verband verlassen, da der Mitgliedsbeitrag bereits recht hoch ist. Profitieren wird der VUSR – schon jetzt ein Sammelbecken unzufriedener Reisebüros!"

"Die TUI hat noch nie ein 'gemeinsames Interesse' verfolgt und dies mit dem Austritt nun auch offiziell dokumentiert."

"Vielleicht werden andere Verbände gestärkt und der DRV erinnert sich daran, die Interessen seiner Mitglieder ordentlich zu vertreten."

"Die Bedeutung des Verbandes ist längst gesunken, weil seine Strukturen nicht in die veränderte Landschaft passen. Bestes Beispiel die Diskussion um den Einfluss des VUSR bei der FTI-Pleite, bei der der DRV aus falsch verstandener persönlich-freundschaftlicher Solidarität mit den Verantwortlichen völlig sprachlos geblieben ist."

"Die gerade während Corona mühsam aufgebaute Lobbyarbeit mit möglichst einheitlichem Bild der heterogenen Branche wird unnötig untergraben. Man sollte Probleme im Feld lösen und sich nicht tendenziös hinter dem Zaun stellen." 

"Siehe Brexit – es ist besser, in einem Verband zu bleiben und intern für die eigenen Positionen zu werben als rauszugehen. Zwar wird der Schaden für TUI nicht so groß wie für GB, aber es schadet dem Image. 'Ich als der Stärkste hier kann auch ohne Euch, ist eine Botschaft, die der Rest der Welt nicht gerne hört – und auch (politische) Partner werden dies einzuschätzen wissen."

"Die TUI hat nach der Krise verstanden, wie viele andere Veranstalter natürlich auch, dass der Kunde wieder in den Fokus gerückt werden muss. Der Vorstoß bei der Absicherung von Einzelleistungen in Folge der FTI-Insolvenz ist der beste Beweis. Vom DRV kam da leider nicht viel."

"Der DRV war schon immer – aufgrund der Säulen-Konstruktion – ein behäbiger Tanker. Es ist offensichtlich, dass hierbei diverse Interessen kollidieren. Leistungsträger, insbesondere Hotellerie und Airlines, Veranstalter und Vermittler, haben eben manchmal auch gegenläufige Interessen. Ob der Austritt der TUI richtig ist, weiß ich allerdings tatsächlich nicht. Wenn die TUI meint, anderweitig ihre Interessen besser vertreten zu können, müssen sie es halt ausprobieren. TUI kann sicher auch auf anderem Weg politisch Einfluss nehmen."

"DRV, ASR, VIR und andere konstruktive Verbände haben seit Corona eng und gut kooperiert, immer unter Beachtung der Interessen sowohl der eigenen Mitglieder als auch derjenigen der gesamten Branche. Jetzt auszutreten und einem Verband nach dem Munde zu reden, der nur seine Partikularinteressen vertritt und die Branche ständig mit neuen Themen spaltet, das ist mindestens äußerst fragwürdig."

"Der DRV hat sich zuletzt während Corona als zu schwach und hilflos erwiesen. Es wird Zeit, einen großen, starken Verband zu gründen, so dass man gegenüber der Politik mit einer starken Stimme spricht."

"Der DRV ist behäbig geworden. Man dachte, auf Grund der Größe hätte man Einfluss, ohne viel dazu zu tun. Die Interessen der Mitglieder hat man mehr oder weniger nur noch 'zur Kenntnis' genommen."

"Wenn die Größten durch die FTI-Insolvenz noch größer werden und dann aus dem Branchenverband austreten, ist das eine gefährliche Entwicklung. Aber als geschäftsführender Gesellschafter eines Asien-Reiseveranstalters muss ich TUI beim Thema Insolvenzversicherung für Einzelanbieter absolut zustimmen."

"So muss der DRV die teils individuellen Interessen der TUI nicht mehr höher bewerten als die anderer 'kleinerer' Mitglieder, diese können mehr in den Fokus rücken." 

"Wir alle stehen in einem sehr herausfordernden Wettbewerb. Diesen zu bestehen, und dennoch gesund wirtschaftlich zu handeln, erfordert geballte Kraft im Verbund. Die aktuelle Insolvenz der FTI mit Ansage über einen großen Zeitraum und auch die kommende Überarbeitung der Pauschalreiserichtlinie, da sollte der mächtigste Verbund der Touristik, also der DRV, Verantwortung tragen und diese Interessen für uns alle kommunizieren und vorantreiben. Zumindest wenn wir die Pauschalreise bezahlbar halten möchten und im Wettbewerb Schritt halten wollen."

"Durch das egoistische Verhalten schadet die TUI der Branche. Statt sich kritisch und konstruktiv in den DRV einzubringen, macht man den DRV-Exit!"

"Der DRV hat nun endlich die Möglichkeit, sich mehr für die Interessen des Mittelstandes einzusetzen, statt sich den Wünschen der Großkonzerne beugen zu müssen. Ich sehe in dem Austritt der TUI eine große Chance für den DRV, wieder mehr Gewicht und Akzeptanz bei den kleinen und mittelständischen Anbietern in der Touristik zu erhalten. Die Chance muss nur richtig genutzt werden."

"Der DRV muss sich jetzt verändern. Ein 'weiter so' ist keine Lösung."

"TUI hat die Power und die Fähigkeiten, sich auf politischer Ebene selbst zu helfen. Insofern ist der Schritt aus Sicht des Marktführers vordergründig nachvollziehbar. Dennoch glaube ich, dass sich die Entscheidung der TUI auf lange Sicht für das Unternehmen als nachteilig und unklug erweisen könnte. Man sitzt jetzt nicht mehr mit anderen Branchenteilnehmern an einem Tisch, sondern ist nun Außen vor. Das kann der TUI egal sein, wenn der DRV in der Bedeutungslosigkeit versinken sollte. Aber was, wenn genau das nicht passiert? Wenn sich Dertour, Schauinsland, Alltours und andere Branchengrößen solidarisieren und ihr finanzielles und persönliches Engagement beim DRV ausbauen und dem Verband den Rücken stärken? Unabhängig davon, ob der Plan der TUI aufgeht oder nicht, schwächt die Entscheidung in jedem Fall die Durchschlagskraft und auch die Relevanz der Branche. Schade!"

Die Zusammenstellung der Kommentare erfolgte durch Christian Schmicke. Fehlt Ihnen in dem Meinungsbild ein wichtiger Aspekt? Dann melden Sie sich gerne per Mail an redaktion@gloobi.de

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