So will der BTW Wirtschaft und Nachhaltigkeit verbinden
Der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) startet mit vorsichtigem Optimismus ins Jahr 2026. Präsident Sören Hartmann (l.) und Generalsekretär Sven Liebert (r.) skizzieren im Reise vor9 Podcast die Agenda des Dachverbandes. Von der Politik erwartet der BTW mehr Tempo bei Bürokratieabbau, Infrastruktur und Nachhaltigkeit.
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Sören Hartmann und Sven Liebert schildern im Reise vor9 Podcast ihre Agenda
Die Nachfrage in der Reisebranche zeigt sich zu Jahresbeginn 2026 robust. Im Outgoing-Sektor gab es zuletzt zwar einen Dämpfer, im Deutschlandtourismus liegen die Buchungen leicht über Vorjahr. Besonders Camping und das Luxussegment entwickeln sich positiv. Gleichzeitig wachsen die wirtschaftlichen Sorgen der Unternehmen. "Die Nachfrage bleibt gleich, aber der Margenkampf wird größer", sagt Hartmann. Steigende Kosten und sinkende Reallöhne erhöhten den Preisdruck entlang der Wertschöpfungskette.
Politik als Schlüssel für Resilienz
Die Resilienz der Branche sei begrenzt, betont der BTW-Chef. Entscheidend seien politische Rahmenbedingungen. Positiv bewertet der BTW die Rücknahme der Ticketsteuererhöhung im Luftverkehr und die erneute Senkung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie. Im Koalitionsvertrag fänden sich weitere richtige Ansätze. Nun gehe es um Umsetzung. Dazu zählten Bürokratieabbau, Investitionen in die Infrastruktur und eine stärkere wirtschaftspolitische Verankerung des Tourismus.
Arbeitsmarkt und Visa im Fokus
Konkret erwartet der Verband Impulse aus einem angekündigten Arbeits- und Sozialpaket. Geplant sind unter anderem steuerfreie Überstunden und mehr Flexibilität bei Arbeitszeiten. Gerade Hotellerie und Veranstaltungswirtschaft könnten profitieren. Ein weiteres zentrales Thema sind Visa-Verfahren. Diese seien bislang weder schnell noch digital genug, sagt Liebert. Der Bund habe hier Nachholbedarf, um Deutschland als Geschäfts- und Reiseland wettbewerbsfähig zu halten.
Um politisch gehört zu werden, setzt der BTW auf intensive Kommunikation. Die Branche trete geschlossener auf, der Austausch mit Ministerien sei enger geworden, betonen Hartmann und Liebert. Neue Formate sollen die Sichtbarkeit weiter erhöhen. Dazu gehört ein neu konzipierter Tourismusgipfel am 19. Mai in Berlin. Die Veranstaltung zieht vom Hotel Adlon ins Axika-Gebäude in Berlin-Mitte und soll größer, interaktiver und offener für Austausch mit der Politik werden.
Nachhaltigkeit nicht aus dem Blick verlieren
Trotz anderer Krisen dürfe Nachhaltigkeit nicht in den Hintergrund rücken, warnt Hartmann. Klimafreundliche Mobilität und Energieversorgung seien zentrale Zukunftsthemen. Der BTW fordert verlässliche Förderung für Sustainable Aviation Fuels, Lade- und Landstrominfrastruktur sowie europaweit abgestimmte Rahmenbedingungen. Fehlende Verfügbarkeit und hohe Preise erschwerten bislang den Markthochlauf.
Mit Blick auf internationale Entwicklungen äußert der BTW-Präsident die Sorge, dass klimapolitische Rückschritte und gesellschaftliche Polarisierung auch Europa erreichen könnten. Ein offenes, gastfreundliches Deutschland sei Voraussetzung für einen starken Incoming-Tourismus, der sich seit der Pandemie noch nicht erholt habe. Der BTW wolle daher wirtschaftliche Stärke, Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Offenheit gemeinsam vorantreiben.
Christian Schmicke
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