TUI mahnt bessere EU-Politik für Tourismus an
TUI fordert Korrekturen in der europäischen Tourismuspolitik. Der Konzern sieht heimische Anbieter durch ungleiche Regulierung, lange Visaverfahren, fehlende Infrastruktur und Bürokratie unter Druck. Im Fokus stehen faire Regeln für Onlineplattformen und Kurzzeitvermieter, schnellere Visa, abgestimmte SAF-Vorgaben sowie Investitionen in Landstrom, Ladeinfrastruktur und Wasserwege.
TUI Group
TUI fordert von der EU bessere Rahmenbedingungen für den Tourismus
Seit der TUI-Konzern den Deutschen Reiseverband (DRV) verlassen hat, betreibt er eine deutlich stärker sichtbare eigene Lobbypolitik – sowohl in Berlin als auch in Brüssel. Teil des Spiels sind regelmäßige Veröffentlichungen zur Politik-Agenda, die sich das Reiseunternehmen auf die Fahnen schreibt.
In der aktuellen Ausgabe thematisiert TUI naheliegenderweise die Luftfahrtstrategie der Bundesregierung, deren Entlastungen das Unternehmen wenig überraschend für unzureichend hält. Damit stimmt der Konzern in das Konzert der Airline-Lobbyverbände ein, das Reise vor9 bereits ausführlich thematisiert hat.
Ein weiterer Schwerpunkt richtet sich an die Europäische Union. TUI sieht den europäischen Tourismus nach eigenem Bekunden vor einer "politischen Richtungsentscheidung". Der Sektor steht nach Konzernangaben für zehn Prozent des EU-Bruttoinlandsprodukts und 25 Millionen Arbeitsplätze. Zugleich gerieten europäische Tourismusunternehmen durch Regulierung, fehlende Infrastruktur und Bürokratie unter Druck, heißt es.
Der Konzern fordert deshalb Korrekturen auf EU-Ebene. Im Kern gehe es um Wettbewerbsfähigkeit, faire Regeln für gleiche Geschäftsmodelle und Rahmenbedingungen, die Investitionen in Transformation und Digitalisierung ermöglichen. Tourismus könne in Europa stärker wachsen als die Gesamtwirtschaft, heißt es in der Vorlage. Dafür müssten politische Hürden abgebaut werden.
Gleiche Regeln für Plattformen
TUI kritisiert unter anderem Wettbewerbsverzerrungen durch ungleiche Regulierung. Pauschalreiseveranstalter unterliegen nach EU-Recht umfangreichen Verbraucherschutzpflichten. Dazu zählen Insolvenzschutz, Rücktransport bei Krisen und kostenlose Stornierungen bei höherer Gewalt.
Online-Plattformen, vor allem aus den USA, seien davon ausgenommen, obwohl sie ähnliche Reiseprodukte anböten. Für sie sollte nach Einschätzung von TUI dasselbe gelten wie für Kurzzeitvermietungen von Wohnungen: Wer Reiseleistungen kommerziell anbiete, müsse denselben steuerlichen und regulatorischen Pflichten unterliegen wie Hotels und Reiseveranstalter.
Auch Visaverfahren zählen zu den EU-Themen, bei denen TUI Änderungen verlangt. Reisende aus wachstumsstarken Quellmärkten wie China oder Indien müssten für Visa bis zu sechs Wochen Bearbeitungszeit einplanen, so die Kritik. Die Vereinigten Arabischen Emirate, Thailand oder die Türkei vergäben Visa dagegen binnen Tagen. Kürzere Bearbeitungszeiten seien deshalb auch Wettbewerbspolitik.
SAF-Regeln verzerren Wettbewerb auf Langstrecken
Handlungsbedarf sieht der Konzern zudem bei nachhaltigen Flugkraftstoffen. Die EU-Beimischungspflicht für SAF belaste Langstrecken europäischer Airlines einseitig. Als Beispiel nennt TUI einen Flug von Amsterdam nach Cancún: TUI müsse für die gesamte Strecke die kostspielige Quote erfüllen, während außereuropäische Airlines mit Umstieg in Istanbul oder Dubai nur für die erste Teilstrecke betroffen seien.
Hinzu komme ein Infrastrukturproblem. Während SAF in Amsterdam verfügbar sei, fehle der Kraftstoff in Palma de Mallorca oder Heraklion fast vollständig. Eine planbare Dekarbonisierung der Flotte werde dadurch erschwert. Tui fordert, SAF-Verpflichtungen international abzustimmen und Einnahmen aus dem Emissionshandel gezielt in den Markthochlauf zu investieren.
Infrastruktur für grüne Transformation
Auch Kreuzfahrt, Busverkehr und Flusskreuzfahrten brauchen aus Sicht von TUI mehr öffentliche Investitionen. TUI Cruises habe zwölf von 13 Schiffen für grüne Landstromversorgung ausgerüstet. In den meisten Mittelmeerhäfen fehle jedoch der Anschluss an grünen Strom.
Auch für die Elektrifizierung von Busflotten seien in vielen Reisezielen die Stromnetze nicht angepasst. Zudem mangele es an Schnellladestationen für den Schwerlastverkehr. Ohne diese Infrastruktur könne die grüne Transformation im Tourismus nicht im notwendigen Tempo vorankommen.
Bei Flusskreuzfahrten verweist TUI auf die regionale Wertschöpfung entlang europäischer Wasserwege. Europaweit beförderte die Branche 2025 rund 1,5 Millionen Gäste, acht Prozent mehr als im Vorjahr. Mehr als die Hälfte der Passagiere kam aus Nordamerika, Großbritannien, Asien und Australien. Die Kommunen entlang der Routen profitierten von Ausgaben im Einzelhandel und in der Gastronomie.
Damit das Wachstum anhält, fordert TUI zusätzliche Liegeplätze, mehr Landstrom und verlässlich instand gehaltene Wasserwege. Fahrrinnen, Schleusen und Engpässe müssten modernisiert werden. Die europäische Flotte von TUI River Cruises könne Landstrom nutzen, wenn die Häfen ihn bereitstellten.
Christian Schmicke
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