VIR warnt vor Überlastung durch neue Vorschriften
Der Verband Internet Reisevertrieb warnt vor einer Überlastung der Touristik durch immer neue Vorgaben. Allein im laufenden Jahr stehen laut VIR rund ein Dutzend Gesetze und Verordnungen zur Umsetzung an. Verbandschef Michael Buller (Foto) fordert deshalb einen verpflichtenden Kapazitätscheck vor neuen Regelungen.
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Michael Buller warnt vor wachsenden bürokratischen Auflagen für die Reisebranche
VIR-Vorstand Michael Buller sieht das Problem weniger in einzelnen Gesetzen als in deren gleichzeitiger Umsetzung. Unternehmen müssten parallel rechtliche Prüfungen vornehmen, Prozesse und IT-Systeme anpassen, Mitarbeiter schulen sowie zusätzliche Dokumentations- und Meldepflichten erfüllen, kritisiert er.
Diese Arbeit binde Personal und Geld, die dann für Digitalisierung, Produktentwicklung und Innovation fehlten. "Unternehmen verfügen nicht über unbegrenzte Umsetzungskapazitäten", sagt Buller.
Zahlreiche Vorgaben treffen die Branche gleichzeitig
Für das laufende Jahr nennt der Verband unter anderem NIS-2 mit verschärften Anforderungen an die Cybersicherheit und die EU-Kurzzeitvermietungs-Verordnung mit neuen Registrierungs- und Datenpflichten. Der AI Act regelt den Einsatz künstlicher Intelligenz, Empco verschärft die Vorgaben für Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen.
Hinzu kommen das Entry-Exit-System EES zur digitalen Erfassung von Ein- und Ausreisen an den Schengen-Außengrenzen sowie Etias, die geplante elektronische Reisegenehmigung für visumfrei einreisende Drittstaatsangehörige. Der Data Act regelt den Zugang zu und die Nutzung von Daten aus vernetzten Geräten und Diensten. Weitere Änderungen betreffen das Verbraucher- und Versicherungsvertragsrecht.
Zum Jahresbeginn 2027 folgen weitere Anforderungen. Dazu gehören Vorgaben zur E-Rechnung sowie das Schweizer CO2-Gesetz, das unter anderem Angaben zu den Emissionen angebotener Flüge vorsieht.
Parallel laufen weitere Vorhaben. Die Reform der EU-Pauschalreiserichtlinie betrifft unter anderem Stornierungen, Erstattungen und Insolvenzschutz, die Überarbeitung der Fluggastrechte Entschädigungen und Betreuungsleistungen bei Flugstörungen. Der geplante Digital Fairness Act soll problematische Verkaufsmethoden im Internet begrenzen. Mit der EUDI Wallet soll zudem eine europaweit nutzbare digitale Identitäts-Brieftasche entstehen.
Kapazitäten sollen vorab geprüft werden
Der VIR fordert deshalb einen verpflichtenden "Umsetzungskapazitäts-Check". Vor dem Inkrafttreten neuer Vorschriften solle geprüft werden, welche Regelungen eine Branche bereits umsetzt, welchen personellen und technischen Aufwand zusätzliche Vorgaben verursachen und ob Fristen entzerrt werden müssen.
Zudem sollten vorhandene Daten stärker genutzt werden. Als Beispiel nennt der Verband DAC7: Plattformen melden bereits umfangreiche Daten an die Finanzverwaltung, während bei anderen Regelungen teilweise ähnliche Informationen erneut erhoben werden sollen.
Nach dem sogenannten Once-Only-Prinzip sollten Unternehmen Daten, die dem Staat bereits vorliegen, grundsätzlich nicht erneut übermitteln müssen. Wo gesetzliche Vorschriften eine gemeinsame Nutzung verhinderten, müssten diese angepasst werden.
Christian Schmicke