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1. November 2021 | 18:32 Uhr
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Virologe Kekulé hält Fernreisen für verantwortbar

Grünes Licht vom Coronaexperten: Der bekannte Epidemiologe und Virologe Alexander Kekulé (Foto) sieht keinen Grund mehr, auf Fernreisen zu verzichten, und glaubt auch nicht, dass die neue Regierung wieder Reisebeschränkungen erlässt. Auf der DRV-Jahrestagung gab er allerdings den Rat, beim Fliegen weiterhin eine Maske aufzusetzen.

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Professor Alexander Kekulé gab auf der DRV-Tagung den Rat, beim Fliegen auch dann die Maske aufzusetzen, wenn die Pflicht dazu fällt

"Fernreisen ja, das ist verantwortbar", sagte Kekulé auf der Jahrestagung des Deutschen Reiseverband (DRV). Entscheidend sei die Situation im Zielgebiet. Wenn die Destination ein ordentliches Hygienekonzept habe, spreche nichts dagegen. Kekulé sieht hier die Reiseveranstalter in der Pflicht. "Die Leute müssen das Gefühl haben, ich habe die gleiche Sicherheit wie zu Hause."

"Ich habe bei Fernreisen ein bisschen Bauchschmerzen beim Fliegen", so Kekulé. "Es ist so, dass die Ansteckungsgefahr im Zusammenhang mit dem Fliegen aus verschiedenen Gründen hoch ist." Deshalb hält er es für falsch, dass der Airline-Verband Iata 2G ohne Maske im Flugzeug einführen wolle. 2G am Himmel werde wahrscheinlich trotzdem kommen, glaubt der Professor. "Wer sich selbst freiwillig besser schützen will, auch als Geimpfter, der setzt beim Fliegen eine FFP2-Maske auf."

"Ich bin gegen 2G", sagt Kekulé. "Wir sind noch nicht reif dafür." Bei 2G laufe die nächste Coronawelle völlig unerkannt, weil sich nur noch wenige testen ließen. Außerdem infizierten sich auch Geimpfte und gäben das Virus weiter, auch wenn sie selbst nicht schwer erkrankten. Zudem gebe es kein Konzept für Kinder, und auch bei Älteren sieht Kekulé Probleme. "Wir haben in Deutschland noch drei Millionen Ungeimpfte über 60. Denen kann man nicht sagen, selber schuld, dann stirbst Du halt."

Keine neuen Reisebeschränkungen zu erwarten

Von der neuen Bundesregierung erwartet Kekulé keine Eingriffe mehr in die Reisefreiheit. "Die Ampel-Koalitionäre haben die epidemische Lage ja schon mehr oder weniger beerdigt", das sei ein politisches Signal. "Es wird von deutscher Seite keine Reisebeschränkungen mehr geben." International würden die Staaten allerdings unabhängig voneinander entscheiden. Daher glaubt Kekulé, dass es zunehmend bilaterale Abkommen zur Reisefreiheit wie zwischen Singapur und Deutschland über eine sogenannte Bubble geben werde.

Was Behörden der einzelnen Länder machten, sei allerdings der größte Unsicherheitsfaktor. "Es ist völlig unsinnig, nach sechs Monaten Booster-Impfungen zu verlangen", wie das viele Staaten vorschreiben, sagt Kekulé. Wie schnell der Immunschutz nachlasse, hänge davon ab, wie gut das Immunsystem ganz am Anfang auf die Impfung angeschlagen habe. "Wenn Sie gut reagiert haben, vor allem bei jüngeren, dann ist der Impfschutz auch nach sechs Monaten nicht weg." Erst nach ein bis zwei Jahren brauche man eine Auffrischung oder eine Infektion, was dann eher wahrscheinlich sei.

"Herdenimmunität kann es nicht geben"

"Ja, es werden immer wieder Menschen an Corona erkranken und auch sterben." Aber Corona werde eine Erkrankung sein, mit der wir letztlich leben können und müssen. "Es gibt keine Herdenimmunität bei Corona. Das war ein falsches Versprechen", sagt der Virologe.

Dennoch sei das Ende der Pandemie in Sicht. "Wir müssen noch eine Saison durchstehen, jetzt diesen Winter", glaubt Kekulé. "Danach werden wir in Deutschland und in einigen anderen Teilen der Welt wahrscheinlich soweit sein, dass wir 90 Prozent der Bevölkerung immun haben." Ein Großteil sei dann geimpft, es gebe aber "eine riesige Dunkelziffer von Infizierten", die einen ebenso guten Schutz hätten.

"Schwierig ist es, vorherzusagen, was die Politik daraus machen wird", mahnt Kekulé. Bisher habe man den Menschen mit guter Absicht Angst vor dem Virus gemacht. Nun müsse man den Schalter umlegen und den Leuten erklären, dass Corona nicht mehr weggehe, sondern zum allgemeinen Lebensrisiko gehöre. "Das wird die Aufgabe der nächsten Bundesregierung sein, hier die Kommunikation zu ändern."