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22. Mai 2019 | 07:00 Uhr
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Warum finanziert Chamäleon Lodges in Afrika, Herr Lies?

Nachhaltigkeit als Investition: Chamäleon-Chef Ingo Lies kauft zwölf Millionen Quadratmeter Regenwald, pflanzt 18.000 Bäume und finanziert Einheimischen in Afrika den Bau von Lodges. "Wir helfen in unserem eigenen Interesse", sagt Lies im Teil 2 des Interviews mit Reise vor9. "Im schlimmsten Fall ist das Geld weg, aber das bringt uns nicht um."

Chamäleon Unterkunft Botswana Gomoti River Lodge

Die Gomoti River Lodge in Botswana ist eines der Projekte von Chamäleon und die erste Vier-Sterne-Lodge im Land, die einem schwarzen Botswaner gehört. Insgesamt hat Chamäleon-Gründer Ingo Lies schon 30 Unterkünfte finanziert.

Sie engagieren sich in den Reiseländern. Warum?

Wir helfen in unserem eigenen Interesse. Diese Länder müssen sich entwickeln, Arbeitsplätze entstehen und Klimaschutz wird umgesetzt. Und dann passiert, was wir für unsere Gäste wollen, dass sie sich wie zu Hause fühlen. Die Übernachtung ist wesentlicher Teil des Erlebnisses. Nur ein Bett, da kann ich auch zu Hause bleiben. Den Unterschied machen die Menschen, die diese Unterkünfte führen und dort arbeiten. Wir suchen und finanzieren gezielt Lodges und Häuser, die Einheimischen gehören.

Finden Sie das überall?

Es gibt natürlich Regionen, wo wir das nicht finden oder die Qualität zu schlecht ist. Dort engagieren wir uns und helfen beim Aufbau von Unterkünften, auch mit Krediten, Ideen und Beratung. Vor allem in Afrika, der Kontinent braucht am meisten Entwicklung.

Lies Ingo Chamäleon Geschäftsführer Tansania Kaffeeplantage

Ein Beispiel?

Ja klar, in Namibia gibt es Omandumba. Das war ursprünglich eine Farm mit Schafen, Rindern und viel Land. Inzwischen sind auf Omandumba zwei Unterkünfte entstanden. Beide haben nur je zwölf Zimmer und einen ganz unterschiedlichen Stil. Unser Darlehen für eine der Unterkünfte ist mittlerweile komplett zurückgezahlt. Das funktioniert, weil wir nicht nur den Bau unterstützen, sondern dann auch Gäste dorthin bringen. Das ist entscheidend.

Hat Chamäleon diese Unterkünfte dann exklusiv im Programm?

Im Prinzip ja, zumindest was unsere Quellmärkte Deutschland, Österreich und die Schweiz angeht. Aber wenn wir keine Gruppen haben, können die Unterkünfte auch Individualreisende aufnehmen.

Wie viele Unterkünfte sind so durch Chamäleon entstanden?

Bisher ungefähr 30, hauptsächlich in Tansania und Namibia. Aktuell in Botswana die Gomoti River Lodge. Das ist die erste Vier-Sterne-Lodge im Land, die einem schwarzen Botswaner gehört. Bei den Reiseleitern ist die Situation ähnlich. Wir haben eine eigene Akademie gegründet, die schwarze Einheimische zu deutschsprechenden Reiseleitern ausbildet. Das alles sind Initiativen, in die Konzerne nicht investieren würden. Wir Mittelständler sind da im Vorteil, weil wir niemandem Rechenschaft schuldig sind. Wir können selbst entscheiden, mit welchen Sicherheiten wir Darlehen geben.

Namibia und Tansania sind Demokratien. Gibt es Länder, wo Chamäleon wegen der Politik nicht investieren würde?

Nein. Ich denke nicht politisch in diesem Sinne. Wir bauen gerade auf Sansibar eine Unterkunft. Sansibar ist mit das komplizierteste, was ich bisher gemacht habe. Baulich genauso wie von der Bürokratie her. Aber das Risiko ist überschaubar. Wir nehmen ja dafür selbst keine Kredite auf, sondern finanzieren das aus unserem laufenden Geschäft. Im schlimmsten Fall ist das Geld weg, aber das bringt uns nicht um.

Chamäleon Regenwald Projekt Ecuador

Jeder Gast von Chamäleon bekommt ein Stück Regenwald geschenkt. Wie funktioniert das?

Wir haben zwölf Millionen Quadratmeter Regenwald in Ecuador gekauft. Jeder Gast bekommt 100 Quadratmeter. In diesem Jahr werden wir rund 18.000 Gäste haben, 80 Prozent der Buchungen sind schon im Haus. Das heißt, es kommen dieses Jahr 1,8 Millionen Quadratmeter dazu. Wir kaufen immer wieder Grundstücke dazu. Im Augenblick haben wir genug, dass es bis zum Jahresende reicht.

Sind die Grundstücke so einfach zu haben?

Nicht von heute auf morgen. Darum kümmert sich unsere Stiftung, die ich zusammen mit meinem Partner und Freund Alfonso Tandazo gegründet habe. Beim Landkauf stehen wir in Konkurrenz mit der Ölindustrie und den Holzfällern. Aber es gelingt uns immer wieder, Regenwald zu kaufen und unter Naturschutz zu stellen. Wir kaufen von privat, und es gibt Bauern und Familien, die ihre Grundstücke für weniger Geld an uns verkaufen, weil sie die Idee zum Schutz des Regenwaldes gut finden. Wenn die Fläche groß genug ist, haben wir vor, sie in einem Nationalpark zu integrieren. Wir haben in Ecuador auch eine Lodge gebaut, so dass alle Gäste ihren eigenen Wald besuchen können.

Beruhigen sie damit ihr schlechtes Gewissen?

Niemand kann sich von dem CO2-Ausstoß, den sein Flug verursacht freikaufen. Aus meiner Sicht gibt es keine echte Kompensation. Ich halte das für eine Fake News. Wer fliegt, verursacht CO2-Ausstoß. Das ist eindeutig und nicht wegzudiskutieren. Man kann aber sehr wohl etwas dagegensetzen. Dafür gibt es zum Beispiel Organisationen wie Atmosfair und andere. Das ist eine Möglichkeit. Eine andere ist, was wir für uns geschaffen haben, Regenwald zu kaufen und unter Schutz zu stellen. Der wandelt CO2 um, aber ich würde nicht von Kompensation sprechen.

Der Regenwald war aber vorher auch schon da.

Das stimmt. Trotzdem glaube ich, dass es zurzeit wichtiger ist, erstmal diese Flächen zu schützen, als neue zu pflanzen. Das ist für mich der zweite Schritt. Aber beides ist gut.

Wollen Sie diese Initiative auf andere Länder ausdehnen, etwa in Asien?

Nein, das ist nicht geplant. Eine Fläche von zwölf Millionen Quadratmetern klingt zwar viel, ist es aber nicht. Letztendlich wäre eine Aufsplittung nicht sinnvoll. Was wir aber noch machen, ist “Plant for the Planet”. Das UN-Projekt unterstützen wir seit 1. Januar.

Wir funktioniert das?

Wir pflanzen für jeden unserer Gäste einen Baum. Das passiert ebenfalls zentral an einer Stelle in Mexiko. Dort entsteht jetzt also ein Chamäleon-Wald. Das sind dann 18.000 Bäume allein in diesem Jahr. Und jedes Jahr kommen entsprechend viele dazu.

Lies Ingo Geschäftsführer Chamäleon Reisen

Teil 1 des Interviews mit Chamäleon-Gründer Ingo Lies: Was machen die kleinen Veranstalter besser als die großen, Herr Lies?

Teil 3 des Interviews zum Vertrieb: Warum entdecken die Spezialisten die Reisebüros, Herr Lies?

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