Warum Urlaub mit Camper ein Wachstumssegment bleibt
Der Markt für Camper- und Wohnmobilreisen wächst weiter. Im Reise-vor9-Podcast sagt Maximilian Schmidt, Geschäftsführer der Vermittlungsplattform Camper Days, dass sich das Geschäft 2025 trotz eines schwierigeren Umfelds positiv entwickelt habe. Gleichzeitig sieht er Engpässe bei Infrastruktur und Campingplätzen, vor allem in Europa.
Cruise America
Nicht immer sind die Übernachtungsplätze beim Camperurlaub so idyllisch wie hier, doch die Nachfrage wächst weiter
Camper Days vermittelt Wohnmobile in 35 Ländern; in klassischen Märkten wie den USA, Kanada, Australien und Neuseeland, aber auch in Zielen wie Südafrika, Namibia, Costa Rica oder Japan. Für 2025 beschreibt Geschäftsführer Maximilian Schmidt ein insgesamt wachsendes Geschäft, obwohl einzelne Märkte unter Druck geraten seien.
Vor allem die USA hätten sich schwächer entwickelt, sagt er im Gespräch mit Reise vor9. Schmidt führt das auf Unsicherheiten und deren starke mediale Präsenz zurück. Davon profitierten andere Destinationen. Kanada sei bei Camper Days 2025 um 20 bis 25 Prozent gewachsen, Australien sei zum größten Reisemarkt des Unternehmens geworden.
Auch Neuseeland habe sich positiv entwickelt. Parallel erweitert das Unternehmen sein Portfolio um neue, kleinere Märkte wie Costa Rica und Japan. Diese seien in absoluten Zahlen noch klein, zögen aber Interesse auf sich, so der Camper-Days-Chef.
Neben Fernzielen spielen auch Europa und Deutschland für Camper Days eine wichtige Rolle. Deutschland gehöre zu den wichtigsten Reisemärkten des Unternehmens. Innerhalb Europas verschieben sich die Trends nach Schmidts Beobachtung regelmäßig. Schottland sei zuletzt stark gefragt gewesen, für die laufende Saison liefen vor allem die Buchungen für Island sehr gut.
Camperurlaub spricht viele Zielgruppen an
Eine klare Standardkundschaft gebe es nicht, sagt Schmidt. Die größte Gruppe bilden bei Camper Days Millennials zwischen 21 und 35 Jahren. Dazu zählen häufig junge Familien oder Paare mit doppeltem Einkommen, die gezielt auf eine größere Reise sparen.
Gleichzeitig seien ältere Kunden und Rentner eine wichtige Zielgruppe. Sie hätten mehr zeitliche Flexibilität und erfüllten sich mit Wohnmobilreisen oft lang gehegte Reiseträume. Wer einmal Gefallen an dieser Urlaubsform finde, buche häufig später erneut.
Auffällig ist dabei laut Schmidt ein hoher Anteil an Neulingen. Nach seinen Angaben hatten 95 Prozent der Kunden vor ihrer Buchung keine Berührungspunkte mit Campern oder Wohnmobilen. Der Markt sei deshalb noch längst nicht gesättigt, glaubt er.
Wunsch nach Flexibilität treibt Nachfrage
Schmidt erklärt die Attraktivität des Segments mit Schlagworten wie Entschleunigung, Konsumverzicht, Naturverbundenheit und Flexibilität. Viele Reisende schätzten es, dass sie unterwegs spontan entscheiden könnten, länger an einem Ort zu bleiben oder ihre Route zu ändern.
Gerade dieses Moment des Zufalls unterscheide Camperreisen von stärker durchgetakteten Urlaubsformen. Zugleich zeige sich bei den Fahrzeugen ein Trend zu kleineren und mobileren Modellen. Sie böten mehr Flexibilität und seien vielerorts praktischer. Gefragt seien aber auch spezielle Modelle wie Allradfahrzeuge mit Dachzelt, etwa für Reisen in Namibia, Botswana oder Western Australia.
Infrastruktur bremst das Wachstum
Trotz des Booms sieht Schmidt auch Probleme. In Europa und Deutschland seien Campingplätze in Hochzeiten oft ausgebucht. Die Infrastruktur sei nicht im gleichen Tempo gewachsen wie die Nachfrage.
Das betreffe etwa Portugal, Spanien oder einzelne Regionen in Deutschland. Kurzfristig lasse sich dieses Problem nicht lösen. Schmidt sieht hier auch politische Verantwortung.
Camper Days versuche, Kunden mit Beratung zu unterstützen, etwa durch Routenvorschläge, die stark frequentierte Regionen umgehen. Für Campingplätze selbst verweist das Unternehmen auf spezialisierte Partnerplattformen.
Qualität der Partner bleibt entscheidend
Ein weiteres Thema ist die Auswahl der Vermietpartner. Camper Days arbeitet vor allem mit größeren, professionellen Anbietern, nimmt aber bei starker Nachfrage auch kleinere Partner ins Portfolio auf. Diese würden regelmäßig überprüft.
Schmidt nennt insbesondere technische Schnittstellen und Datenqualität als Herausforderung, vor allem bei kleineren Vermietern. Camper Days führe regelmäßige Gespräche mit den Partnern und bespreche Reklamationen quartalsweise. Anbieter, die die Qualitätsansprüche nicht erfüllten, würden wieder aus dem Portfolio genommen.
KI und Infrastruktur als nächste Aufgaben
Für die Zukunft erwartet der Camper-Days-Geschäftsführer weiteres Wachstum. Künstliche Intelligenz könne helfen, Partner schneller anzubinden und den Service zu verbessern. Gleichzeitig müsse die Branche an nachhaltigen Strukturen arbeiten.
Entscheidend sei, dass neue Kunden gute Erfahrungen machten. Nur dann lasse sich das Segment dauerhaft weiterentwickeln. Schmidt glaubt, der Markt stehe eher am Anfang als am Ende seines Wachstums.
Christian Schmicke
Sollte der Webplayer auf dieser Seite nicht funktionieren, klicken Sie einfach auf diesen Link: https://reisevor9.podigee.io/475-reise-vor9-podcast-mit-maximilian-schmidt-von
Kommentieren und folgen Sie Reise vor9 auf Linkedin