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3. März 2022 | 19:33 Uhr
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Wie Reisebüros als Arbeitgeber wieder attraktiv werden

Dass Fachkräfte nach mehr als zwei Krisenjahren mit einem Branchenwechsel liebäugelten, sei nachvollziehbar, sagt RTK-Chef Thomas Bösl (Foto). Doch das Stimmungsbild werde sich bei einer Rückkehr zu mehr Normalität wieder drehen. Wichtig seien dabei unter anderem Weiterbildung und eine wirksamere Darstellung der Vorzüge der Reisebranche.

Bösl Thomas

Thomas Bösl glaubt an die Attraktivität von Reisebüros als Arbeitgeber

Die Reisebranche müsse die Abwanderung von Fachkräften und die zunehmenden Schwierigkeiten, offene Stellen mit qualifizierten Fachkräften zu besetzen, sehr ernst nehmen, betont Bösl im Gespräch mit Reise vor9. Dagegen helfe nur, auszubilden und Mitarbeiter durch Weiterbildung und Qualifikation bei der Stange zu halten. So hätten die in der Reisebürokette Reiseland untergebrachten eigenen Reisebüros der RT-Gruppe 60 Azubi-Stellen eingerichtet.

"Wir können die Vielfalt der Branche und ihrer Berufsbilder besser zum Ausdruck bringen", zeigt sich Bösl überzeugt. Dass sich insbesondere junge Leute mit altbackenen Berufsbezeichnungen wie Reiseverkehrskaufmann oder -frau oder mit Begriffen wie dem der Pauschalreise nicht mehr hinter dem Ofen hervorlocken ließen, verwundere ihn nicht.

"Mehr als nur Pauschalreisen"

Dabei sei der Job im Reisebüro viel mehr, als nur Pauschalreisen zu verkaufen, so der RTK-Chef. Aufgabe des stationären Vertriebs sei es vielmehr, sich zum Freizeitberater zu entwickeln, blickt er voraus. Es gehe längst nicht mehr nur darum, Kunden den Badeurlaub im Sommer zu verkaufen, sagt Bösl. Aktivurlaub, Städtereisen, Kurz- und Wellnessurlaub, aber auch spannende Erlebnisse vor der Haustür müssten ebenfalls zum Angebotsrepertoire der Reisebüros gehören. "Dafür müssen wir unsere Kundenbeziehungen besser nutzen", ist der erfahrene Touristiker überzeugt. Davon profitiere sowohl das Geschäft als auch der Bandbreite spannender Aufgaben für die Mitarbeiter.

Um mehr Flexibilität für ihre Mitarbeiter zu ermöglichen, hätten viele Reisebüros ihre Hausaufgaben bereits gemacht, glaubt Bösl. Teilzeitarbeit sei angesichts vieler Frauen in der Branche, die Arbeit und Familien unter einen Hut bringen wollten, längst Standard. Deshalb sollte es kein Problem sein, auch anderen Bewerbern, die ihre Balance zwischen Arbeit und Privatleben anders ausrichten wollten als in einem Vollzeitjob, Möglichkeiten zu bieten.

Investitionen in digitale Beratung

Auch an einem anderen Thema hätten die Reisebüros gerade während der Pandemie gearbeitet, sagt der RTK-Chef. Digitale Beratungsplätze, deren Einrichtung keineswegs trivial sei, seien mittlerweile ein wichtiger Baustein des Geschäfts; auch die Reisebüromitarbeiter seien mittlerweile in den darauf zugeschnittenen Beratungs- und Verkaufsprozessen geübt. Auch dies trage zu mehr Flexibilität in der Arbeitsplatz- und Arbeitszeitgestaltung bei.

Im übrigen teile die Reisebranche das Problem des Arbeitskräftemangels mit vielen anderen Branchen, merkt Bösl an. Das mache es nicht leichter, aber: "Manche von denen, die wegen der unsicheren Perspektiven die Branche verlassen haben, werden zurückkehren." Die intensive Bindung vieler Reisebüroprofis an ihren Job sei ihm in vielen Gesprächen deutlich geworden, so der RTK-Chef. Und für die Gewinnung neuer Aspiranten müsse sich die Branche auf neue wie alte Tugenden besinnen.

Christian Schmicke

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