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13. Januar 2026 | 16:55 Uhr
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Wie sich der Jugendreisemarkt verändert

Im Reise vor9 Podcast schildert Franziska Just, Chefin des Veranstalters Go Jugendreisen, was sich in ihrem Marktsegment verändert hat und was gleichgeblieben ist. Gestiegen seien die Erwartungen an Inhalte und Betreuung, sagt sie. Und sie verrät, warum es bei Go Jugendreisen weiter gedruckte Kataloge gibt.

Go Jugendreisen Grömitz

Sport spielt bei Go Jugendreisen nach wie vor eine wichtige Rolle

Gegründet wurde das Unternehmen 1986 von Justs Vater, der als Handballtrainer eine Vereinsfahrt nach Schweden zum Ausgangspunkt für das spätere Geschäftsmodell machte. Lange habe Go Jugendreisen im B2B gearbeitet und für bestehende Jugendgruppen von Sportverbänden, Schulen und anderen Trägern etwa Busanreisen, Zeltcamps, Verpflegung und Sportangebote organisiert, erzählt Just im Podcast. Inzwischen liege der Schwerpunkt auf betreuten Jugendreisen für Einzelreisende.

Gruppen entstehen erst unterwegs

Viele Kinder und Jugendliche buchten einzeln oder in kleinen Freundesgruppen. "Wir sammeln die ein an unterschiedlichsten Abfahrtsorten", sagt Just. Kennenlernen würden sich die Teilnehmer oft erst im Bus, dort entstehe die Gruppe für die Reise.

Am Kern des Produkts habe sich wenig verändert, meint Just: Es gehe weiterhin um Ferienbetreuung und eine gute Zeit für Kinder und Jugendliche. Geändert hätten sich die Rahmenbedingungen. Neben karitativen Trägern träten heute verstärkt größere Veranstalter auf. Außerdem verschiebe sich die Nachfrage weg von Zielen an Nord- und Ostsee hin zu Destinationen wie Spanien oder Kroatien.

Just beschreibt zugleich steigende Erwartungen an Inhalte und Betreuung. Eltern schauten genauer hin, wer die Aufsicht übernehme. "Es sind mehr Anforderungen an das Produkt da. Die Kids wollen Highlights erleben, Ausflüge machen", sagt sie.

Auch das Angebot bei der Unterbringung ist breiter geworden. Neben Zeltcamps gibt es Bungalows und Hotelzimmer – je nach Budget. Die Justs werben dennoch für das Gemeinschaftsgefühl im Zeltcamp. "Im Mai fahren wir los und bauen auf unterschiedlichsten Campingplätzen in Südeuropa Zelte auf – für 50 bis 500 Teilnehmer pro Camp", erklärt die Chefin im Gespräch mit Reise vor9.

Partyreisen ja, aber mit Grenzen

Das Bild von Jugendreisen als reiner Partytourismus greife zu kurz, meint Just. Partyreisen seien zwar Teil des Jugendtourismus, aber nicht der Hauptbestandteil. Go Jugendreisen setze dabei auf einen klaren Rahmen: Exklusive Partys mit Betreuern, bekannte Partner vor Ort und erprobte Abläufe.

Ein Ziel schließt der Veranstalter aus. "Nach Lloret de Mar bieten wir gar keine Reisen an", sagt Just. Ausflüge dorthin gebe es, aber keine einwöchigen Aufenthalte. Als Party-Destinationen ihres Unternehmens nennt sie etwa Rimini.

Social Media als Hauptkanal, Katalog nur für Bestandskunden

Die Entscheidung über Reise und Ziel werde meist gemeinsam von Eltern und Jugendlichen getroffen, berichtet Just. Auffällig sei, dass Jugendliche sich intensiver informierten, sich mit Gleichaltrigen austauschten und soziale Medien nutzten. Go Jugendreisen halte zudem an telefonischer Beratung fest, weil das Produkt erklärungs- und betreuungsintensiv sei.

In der Vermarktung dominiert Social Media. Tiktok sei der Hauptkanal, der Account sei während der Corona-Pandemie mit Auszubildenden gestartet worden. Just spricht von „zwischen 40 und 50.000“ Followern auf Tiktok und rund 20.000 auf Instagram, betont aber, Reichweiten seien aussagekräftiger als reine Follower-Zahlen. Gepostet werde täglich.

Einen gedruckten Katalog gibt es weiterhin, allerdings in anderer Rolle: Er werde nur an frühere Kunden verschickt oder auf Bestellung versandt. Neukunden kämen darüber nicht.

Generationswechsel und Kampf um Plätze

Just sagt, sie habe lange nicht im elterlichen Unternehmen arbeiten wollen, sei aber nach dem Studium des strategischen Marketings eingestiegen, weil sich Interessen und Kenntnisse dort verbinden ließen. Die Übergabe sei bewusst breit angelegt: Neben ihr tragen Florian, ein langjähriger Freund der Familie, und Sebastian, seit über 20 Jahren im Unternehmen, Verantwortung; der Vater sei aktuell noch mit an Bord.

Mit Blick auf den Markt sieht Just die zentrale Herausforderung weniger auf der Nachfrage- als auf der Angebotsseite. Es werde schwieriger, Destinationen zu finden, die große Jugendgruppen aufnehmen wollen – verstärkt durch den Campingboom seit Corona. Go Jugendreisen reagiert mit mehr Kontrolle über eigene Kapazitäten: In Grömitz habe das Unternehmen ein Jugendcamp übernommen, das derzeit saniert werde, erzählt die Veranstalterchefin.

Christian Schmicke

Den Podcast finden Sie hier: 

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