Hoteltech-Anbieter Mews mit Stellenstreichung im großen Stil
Der Hoteltech-Anbieter Mews baut rund 200 Arbeitsplätze ab und begründet den tiefsten Einschnitt seit der Pandemie mit dem Wandel durch Künstliche Intelligenz. Gründer Richard Valtr (Foto) sieht zahlreiche Aufgabenprofile im Unternehmen durch KI-Werkzeuge überholt.
Mews
Richard Valtr äußert sich zu den Kündigungen bei Linkedin: "Heute haben wir die schwierige Entscheidung getroffen, uns von mehreren unserer Teammitglieder zu verabschieden."
Erst im Januar 2026 hatte Mews eine Finanzierungsrunde über 300 Millionen Dollar abgeschlossen und wurde dabei mit 2,5 Milliarden Dollar bewertet. Nun trennt sich das Prager Unternehmen von rund 15 Prozent seiner etwa 1.350 Beschäftigten.
Laut dem Branchenportal Skift (Abo) erklärte Valtr, KI habe die betroffenen Stellen überflüssig gemacht. "Ein einzelner Mitarbeiter kann mit KI so viel mehr leisten", sagte er. Das Unternehmen habe bislang Projekte in funktional getrennten Teams bearbeitet, bei denen Spezialisten Aufgaben untereinander weitergereicht hätten. Dieses Modell werde nun aufgelöst, weil Mitarbeitende dank KI ganze Arbeitsprozesse eigenständig steuern könnten.
Valtr äußert sich auch bei Linkedin: "Keine leichte Entscheidung"
In einem persönlichen Linkedin-Post räumte Valtr ein, der Schritt sei "unglaublich schwierig" gewesen. Mews befinde sich in einer "sehr starken Position", wachse weiterhin schnell und das Produkt sei so gut wie nie zuvor. Genau deshalb wolle man jetzt handeln, bevor sich die Branche unwiderruflich verändert habe.
Laut Valtr gibt ein Hotel für jeden Dollar, den es in Software investiert, ein Vielfaches für professionelle Dienstleistungen wie Umsatzmanagement, Gästekommunikation oder Beschaffung aus. KI könne einen Großteil dieser Arbeit "intelligent, großflächig und profitabler" übernehmen. Das künftige Hospitality-Betriebssystem müsse "KI-nativ" sein – und Mews selbst müsse es ebenfalls werden.
Wachstumskurs und Kahlschlag gehen bei Mews Hand in Hand
Die Entlassungen stehen in einem bemerkenswerten Kontrast zur jüngsten Wachstumsdynamik von Mews. Laut Unternehmensangaben legte der Bruttogewinn aus Abo-Einnahmen 2025 um 55 Prozent zu, die Plattform bedient rund 15.000 Hotels in 85 Ländern. Allein in der DACH-Region nutzen laut Mews rund 6.000 Häuser das System.
Valtr betont, dass Mews weiterhin Mitarbeiter für bestimmte Positionen einstelle und seinen Kernmärkten verpflichtet bleibe. Kunden sollten künftig "mehr Kontakt mit mehr Mewsers" spüren. Ob eine schlankere Organisation dieses Versprechen tatsächlich einlösen kann, muss das Unternehmen nun unter Beweis stellen.
Pascal Brückmann