KI ersetzt Reisebüros noch nicht bei der Reiseplanung
Künstliche Intelligenz gewinnt in der Reiseplanung an Bedeutung, verdrängt das Reisebüro aber vorerst nicht. Der entscheidende Vertrauensanker bleibt der Mensch. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Forschungsprojekts Reisezukunft am Centrum für Entrepreneurship, Tourismus und Freizeitwirtschaft (Centouris).
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Künstliche Intelligenz ist den Reisebüros im Kampf um die Gunst der Reisenden auf den Fersen
KI-Chats haben sich in der Reiseplanung als zusätzliche Informationsquelle etabliert. Google, Buchungsportale und Anbieter-Websites prägen die Customer Journey zwar weiter, doch Anwendungen wie Chat GPT, Gemini und Copilot spielen inzwischen eine sichtbare Rolle. Laut Centouris-Studie liegen sie bei der Vorbereitung einer Reise bereits etwa auf Augenhöhe mit Social Media, Reiseführern und dem stationären Reisebüro.
Besonders stark ist die Nutzung in jüngeren Zielgruppen. Insgesamt greift fast die Hälfte der Befragten mindestens mehrmals pro Woche auf KI-Anwendungen zurück. Gleichzeitig bleibt der Anteil der Nichtnutzenden hoch. Für viele Reisende gibt es weiterhin Berührungsängste oder noch keinen konkreten Anlass, KI im Reisekontext einzusetzen.
KI hilft vor allem in der frühen Phase
Am stärksten genutzt wird KI dort, wo Orientierung gefragt ist. Rund 40 Prozent der Reisenden setzen sie bei der Suche nach Preisen, Reisezielen oder zur Inspiration ein. Etwa ein Drittel nutzt sie für Reiserouten, Angebotsvergleiche oder als Hilfe während der Reise.
Abschlüsse über KI-Reiseassistenten sind noch selten
Je näher es an die Buchung geht, desto deutlicher wächst jedoch die Zurückhaltung. Nur etwa ein Fünftel der Befragten hat KI bislang bei einer Buchung eingesetzt. Direkte Abschlüsse über einen KI-Reiseassistenten bleiben selten. Die Technik ist damit für viele eher Recherchewerkzeug als Buchungskanal. Für den Vertrieb sei das ein wichtiges Signal, ordnet Reisezukunft ein. KI könne Reisende in der frühen Phase abholen und die Orientierung erleichtern. Die eigentliche Buchungsentscheidung bleibe aber häufig an persönliche Absicherung gebunden.
Reisebüros bleiben Vertrauensfaktor
Besonders deutlich wird das beim Wunsch nach menschlicher Unterstützung. 62 Prozent der Befragten würden einen KI-Agenten eher nutzen, wenn jederzeit ein Mensch erreichbar wäre. Mehr als die Hälfte wünscht sich zudem eine menschliche Freigabe oder die Absicherung durch ein Reisebüro beziehungsweise einen Anbieter.
Vor allem bei An- und Abreise sowie während der Reise bleibt persönlicher Kontakt für viele wichtig. Genau dort können Reisebüros mit Erreichbarkeit, Verlässlichkeit und Problemlösung punkten. KI wird damit eher zur Ergänzung als zum Ersatz.
Centouris-Geschäftsführer Stefan Mang bringt die Stimmung der Befragten auf den Punkt. Reisende seien KI gegenüber aufgeschlossen, stellten aber klare Bedingungen. Für Reisebüros ergibt sich daraus eine neue Rolle als Schnittstelle zwischen digitaler Effizienz und menschlicher Verlässlichkeit.
Transparenz entscheidet über Akzeptanz
Neben persönlicher Unterstützung spielt Transparenz eine zentrale Rolle. 82 Prozent der Befragten wollen ausdrücklich wissen, ob sie mit einer KI oder einem Menschen kommunizieren. 60 Prozent würden Empfehlungen stärker vertrauen, wenn nachvollziehbar wäre, wie sie zustande kommen.
Zugleich ist die Sorge groß, dass Empfehlungen durch Provisionen oder bezahlte Platzierungen beeinflusst werden könnten. Anbieter müssen deshalb nicht nur offenlegen, dass KI im Einsatz ist. Sie müssen auch erklären, nach welchen Kriterien Angebote ausgewählt werden.
Hinzu kommt ein deutlicher Lernbedarf. Selbst unter den Jüngeren bezeichnet sich fast die Hälfte im Umgang mit KI-Reiseassistenten als eher unerfahren. Bei den Babyboomern sind es knapp drei Viertel.
Bei der Zahlung bleibt KI meist außen vor
Offenheit gegenüber KI endet für viele dort, wo sensible Daten ins Spiel kommen. 80 Prozent lehnen den Zugriff von KI-Agenten auf Zahlungsdaten ab, bei Bankdaten sind es sogar 85 Prozent. Auch bei Social-Media- und Standortdaten ist die Skepsis groß. Größer ist die Bereitschaft, Informationen zu teilen, wenn der Nutzen direkt erkennbar ist. So würden 45 Prozent ihre Reisehistorie oder Kalenderdaten freigeben, gut ein Drittel auch gesundheitsbezogene Angaben, wie Informationen zu Allergien. Finanzielle Vorteile reichen demnach nur begrenzt als Anreiz. Lediglich 30 Prozent wären bereit, für günstigere Angebote oder Cashback zusätzliche persönliche Daten preiszugeben.
Datenbasis der Ergebnisse ist eine Befragung, die von Mai bis Juni 2026 von Centouris durchgeführt wurde. Es nahmen laut Machern 1.500 Volljährige teil, die mindestens einmal im Jahr verreisen und deren letzte Reise nicht länger als zwei Jahre zurückliegt.
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