Mit 36 Reisebüroinhaberin und DRV-Vorständin
Ann-Katrin Lukasiewicz (Foto) ist früh in die Touristik eingestiegen. Mit 16 begann sie ihre Ausbildung am Counter. Mit 24 folgte das erste eigene Reisebüro in Emsdetten, nördlich von Münster, heute ist sie Chefin von neun Mitarbeiterinnen und im Deutschen Reiseverband (DRV) aktiv. Wie es dazu kam, erzählt die 36-Jährige im Gespräch.
Grenzenlos Reiseagentur
Keine Angst vor Verantwortung: Ann-Katrin Lukasiewicz ist mittlerweile Chefin eines neunköpfigen Teams
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Ann-Katrin Lukasiewicz ist bereits seit über 20 Jahren Touristikerin, hat neben der Arbeit am Counter zu Beginn ihrer Karriere on top Vollzeit BWL und Marketing in Steinfurt studiert und danach überlegt, wie es beruflich weitergehen sollte. Auch ein Job bei einem Veranstalter sei durchaus eine Option gewesen, so die 36-Jährige.
Die Idee zur Selbstständigkeit sei in der Familie entstanden, sagt sie im Rückblick. Tante und Onkel hätten ihr einen Raum hinter ihrem Friseursalon angeboten, somit sei ein Anfang ohne große Fixkosten möglich gewesen. Daraus wurde ein Plan und im September 2014 gründete Lukasiewicz ihre Reiseagentur Grenzenlos in Emsdetten.
Selbstständigkeit mit Unterstützung der Familie
"Die Räumlichkeiten zum Start waren klein. Morgens musste ich ein Tor hochfahren, der Zugang führte durch den Hinterhof. Doch die Neugier im Ort war groß", erzählt sie über die Anfänge ihres ersten eigenen Unternehmens. Der Erfolg kam schnell, schon nach einem halben Jahr habe sie die erste Halbtagskraft eingestellt. Später zog das Büro in größere Räume um, in denen es bis heute sitzt.
"2017 habe ich ein weiteres Reisebüro im Ort übernommen, das geschlossen werden sollte. Die Inhaberin sprach mich an, wir waren uns schnell einig. Zwei Mitarbeiterinnen wechselten mit", sagt Lukasiewicz. Damit wuchs das Team schneller als geplant. Plötzlich trug die damals junge Unternehmerin Verantwortung für mehrere Beschäftigte, darunter Vollzeitkräfte und eine Auszubildende.
Als größte Herausforderung beschreibt sie nicht die Krisen von außen, wie Air-Berlin-Insolvenz, später Thomas Cook und Corona, sondern die Führung eines wachsenden Teams. Es gehe darum, unterschiedliche Menschen und Generationen zusammenzuhalten. Ältere und Jüngere wollten oft Ähnliches, drückten es aber verschieden aus, so ihre Erfahrung. Das Gleichgewicht zu halten und auf neue Erwartungen an den Arbeitgeber zu reagieren, sei zu einer Daueraufgabe geworden.
Flexible Arbeit statt starrem Modell
Daraus hat Lukasiewicz Konsequenzen gezogen. Starre Öffnungszeiten und klassische Sechstagewochen hält sie heute für überholt. In ihrem Büro gelten feste Öffnungszeiten von Montag bis Freitag von 10 bis 13 Uhr und von 14 bis 17 Uhr. Die Vollzeitstelle umfasst 35 Stunden. Die Mitarbeiterinnen entscheiden flexibel, wie sie ihre Zeiten legen, solange das Büro gut besetzt ist.
Urlaubstage frei Haus
Hinzu kommen weitere Freiräume. Jeder hat einen Laptop, bei Bedarf ist Homeoffice möglich. Vor drei Jahren führte Lukasiewicz ein Modell ohne feste Begrenzung der Urlaubstage ein. Voraussetzung sei, dass das Büro laufe, besetzt bleibe und die Zahlen stimmten. Missbrauch habe es bislang nicht gegeben. Für sie sei das Teil eines Vertrauensmodells. Sie spricht von einem "Geben und Nehmen". Die geringe Krankheitsquote und Treue der Mitarbeiterinnen wertet sie als Beleg dafür, dass das Prinzip funktioniert.
Mehr Karrierechancen im Reisebüro
Lukasiewicz wirbt zugleich dafür, das Bild des Reisebüros neu zu denken. Sie hält es für ein Problem, dass der Beruf in der Branche selbst oft geringgeschätzt werde. Besonders deutlich werde das bei jungen Beschäftigten. Eine ihrer Mitarbeiterinnen mit Studium werde regelmäßig gefragt, wie lange sie "noch im Büro" bleibe. Sie widerspricht der Vorstellung, dass im Reisebüro nach der Beratung kaum Entwicklung möglich sei.
Karriere könne auch dort weiterführen, sagt sie. Wer engagiert sei, könne mit dem Unternehmen wachsen, neue Bereiche aufbauen und Verantwortung übernehmen. Sie denkt dabei offen in Richtungen wie Veranstaltergeschäft, Geschäftsführung oder sogar gemeinsame Gesellschaftermodelle.
Als Stimme der Reisebüros im DRV aktiv
Diesen Gedanken wolle sie auch im DRV einbringen, so Lukasiewicz. Dort engagiert sie sich als Vertreterin der mittelständischen Reisemittler in der Säule A. Ihr Ziel sei es, mehr junge Menschen für die Branche zu gewinnen und zu halten. Die Ausbildungszahlen bewertet sie als alarmierend. Gleichzeitig zeige ihre eigene Geschichte, dass der stationäre Vertrieb kein Auslaufmodell sei, sondern ein Feld mit Entwicklungsmöglichkeiten.
Spezialisierung und Mut als Erfolgsfaktoren
Den Erfolg ihres Reisebüros erklärt sich Lukasiewicz mit ihrer Leidenschaft und dem Mut, Dinge auszuprobieren. Sie habe sich früh auch an individuelle Reisen herangetraut und Kundenwünsche nicht an Standardpaketen ausgerichtet. Schon von Anfang an stellte sie Reisen passgenau zusammen, organisierte komplexere Arrangements und agierte damit häufig als Veranstalter.
So habe sich ihr Büro nach und nach einen Ruf für anspruchsvollere und individuellere Reisen erarbeitet. Diesen Weg wolle sie weitergehen. Ein Bereich, den sie noch ausbauen möchte, sind eigene Gruppenreisen. Eine Südafrika-Reise steht bei Lukasiewicz bereits auf der Agenda. Von starren, langfristig geschmiedeten Plänen habe sie sich allerdings verabschiedet. Zu oft sei etwas dazwischengekommen. Geblieben sei bei ihr immer die Offenheit für den nächsten, logischen Schritt.
Sabine Schreiber-Berger
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