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3. September 2020 | 13:36 Uhr
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Experten rechnen mit kräftigem Anstieg von Privatinsolvenzen

Zwar sei die die Zahl der Privatpleiten im ersten Halbjahr um 8,4 Prozent auf den niedrigsten Wert seit 2004 gesunken, meldet die Wirtschaftsauskunftei CRIF Bürgel. Doch angesichts steigender Arbeitslosenzahlen und schrumpfender finanzieller Polster sei mit einem kräftigen Anstieg zu rechnen. 6,8 Millionen Bundesbürger sind bereits überschuldet.

Schulden

6,8 Millionen Bundesbürger sind schon überschuldet

Für Branchen wie die Touristik ist die Entwicklung der Zahl von Privatinsolvenzen ein wichtiger Anhaltspunkt, wie sich das frei verfügbare Einkommen der Bundesbürger, das sie für Dinge wie Freizeit und Reisen ausgeben können entwickelt. Für das erste Halbjahr 2020 stimmt die Entwicklung noch hoffnungsvolle. In den ersten sechs Monaten des Jahres mussten demnach 38.695 Verbraucher eine Insolvenz anmelden - und damit so wenig wie seit 2004 nicht mehr.

Doch das könnte die Ruhe vor dem Sturm sein, mutmaßen die Finanzexperten von CRIF Bürgel in ihrem "Schuldenbarometer“. Denn dass in der ersten Jahreshälfte in der Summe bisher kaum ein Effekt der Corona-Krise auf die Entwicklung der Privatinsolvenzen zu sehen ist, liege auch daran, dass  Anfang des Jahres, in der Zeit vor der Corona-Krise, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für viele Verbraucher noch gut gewesen seien. Der Rückgang der Privatinsolvenzen habe wie in den letzten Jahren vor allem an der niedrigen Arbeitslosenquote in Deutschland gelegen. Mittlerweile habe sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt jedoch verschlechtert. Im Vergleich zum Vorjahr sei die Zahl der Arbeitslosen im Juni um 637.000 oder 29 Prozent gestiegen. Zudem sei bis Juni für mehr als elf Millionen Menschen konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt worden.

Wirtschaftliche Folgen zeigen sich verzögert

"Kurzarbeit und auch eigene finanzielle Ersparnisse mildern aktuell zunächst die finanzielle Schieflage vieler Bundesbürger ab. In einigen Fällen helfen auch weitere Kredite", erklärt CRIF-Bürgel-Geschäftsführer Frank Schlein. Durch die aktuelle Wirtschaftskrise werde die private Verschuldung aber deutlich zunehmen. Für das laufende Jahr gehen die Finanzexperten von bis zu 85.000 Privatinsolvenzen aus – 2021 könnten es über 100.000 werden. Die wirtschaftlichen Folgen durch die Corona-Krise hätten erst im zweiten Halbjahr 2020 und auch verstärkt 2021 einen Einfluss auf die Insolvenzzahlen.

Durch Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit hätten die Menschen künftig weniger Geld in der Tasche, um ihren Verpflichtungen wie Kreditzahlungen, Mieten oder Finanzierungen nachzukommen. Auf Dauer führe weniger Einkommen erst in die Überschuldung und dann in die Privatinsolvenz, so Schlein. Bereits jetzt gelten nach seiner Aussage rund 6,8 Millionen Bürger als überschuldet. Für viele dieser Personen könne ein Schock auf der Einkommensseite das Risiko verstärken.

Bremen und Sachsen-Anhalt mit höchsten Privatinsolvenz-Quoten

In regionaler Hinsicht führt Bremen die Statistik im ersten Halbjahr mit 90 Privatinsolvenzen je 100.000 Einwohnern an. Es folgt Niedersachsen mit 68 Insolvenzfällen je 100.000 Einwohner. Im Bundesdurchschnitt wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres 47 Privatpleiten je 100.000 Einwohner angemeldet. Über diesem Schnitt rangieren auch die Länder Sachsen-Anhalt (63), Schleswig-Holstein (62), Saarland und Hamburg (je 56). Am wenigsten Privatinsolvenzen meldeten im 1. Halbjahr 2020 Bayern (30 Fälle je 100.000 Einwohner), Baden-Württemberg (35) und Thüringen (36). In der Statistik der absoluten Privatinsolvenzzahlen stehen Nordrhein-Westfalen (8.825), Niedersachsen (5.454) und Baden-Württemberg (3.929) an der Spitze.

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