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29. Januar 2020 | 13:52 Uhr
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Ferienhausgäste lassen fünf Milliarden Euro am Urlaubsort

Insgesamt geben Ferienhausurlauber in Deutschland pro Jahr rund zehn Milliarden Euro aus, hat die Uni Passau im Auftrag der Plattform Fewo-direkt ermittelt. Mit Einnahmen von rund vier Milliarden Euro profitierten die lokale Gastronomie sowie der örtliche Lebensmitteleinzelhandel am stärksten von dem Segment.

Ferienhäuser Helgoland

Auch Ferienhausurlauber lassen Geld am Urlaubsort

Die Stichprobe, die vom Centrum für marktorientierte Tourismusforschung der Universität Passau erhoben wurde, ergab, dass deutsche Urlauber pro Jahr jeweils fünf Milliarden Euro für ihren Aufenthalt im Ferienhaus oder der Ferienwohnung und für die weiteren Aktivitäten während ihrer Reise ausgeben. Mehr als ein Drittel aller Ausgaben am Urlaubsort inklusive der Übernachtungskosten könne demnach allein dem Ferienhausmarkt zugerechnet werden.

Die Analyse zeige, dass Ferienhaustourismus einen wichtigen Beitrag für die lokale Wirtschaft leiste, erklärt Aye Helsig, Regionaldirektor bei Fewo-direkt für Zentraleuropa. Die durch Reisende generierten Einnahmen für lokale Gastronomiebetriebe oder den regionalen Einzelhandel sicherten das Einkommen für Familienbetriebe abseits der Tourismuszentren und könnten gleichzeitig auch dazu beitragen, Kapazitätsengpässe in Ballungszentren zu entlasten, glaubt der Ferienhausexperte.

Abgelegene Regionen profitieren

Vor allem ländliche Regionen profitierten von Ferienhausurlaubern, da sich ein Großteil der Ferienhäuser außerhalb großer Ballungszentren, am Stadtrand oder in kleineren Orten befinde, heißt es in der untersuchung. Insbesondere die Küstenbundesländer Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern wiesen einen prozentual höheren Anteil an Ferienhausurlaubern als an Hotelgästen aus, während der Anteil in Großstädten wie Berlin oder Hamburg mit fünf beziehungsweise neun Prozent deutlich geringer sei. Der Ferienhaustourismus biete daher „vielversprechende Entwicklungspotenziale für den ländlichen Raum“.

Insgesamt gäben Ferienhausurlauber mehr Geld am Urlaubsort aus als Reisende, die ausschließlich in Hotels übernachteten, heißt es weiter. Denn bei einem Ferienhausaufenthalt von durchschnittlich sieben Nächten werde mehr Budget für Einkäufe oder Freizeitaktivitäten benötigt als für einen Hotelaufenthalt, der im Schnitt nur vier Nächte dauere. Pro Person und Aufenthalt ließen die Ferienhausurlauber am Urlaubsort durchschnittlich 300 Euro im Sommer- und 312 Euro im Winterurlaub. Hotelurlauber ließen hingegen durchschnittlich nur 237 Euro beziehungsweise 243 Euro dort.

Knapp 30 Prozent des Urlaubsbudgets entfallen laut der Erhebung auf Besuche im Restaurant, Café oder der Eisdiele. Ferienhausurlauber seien damit nicht nur als klassische Selbstversorger zu verstehen, sondern unterstützten auch kleinere Betriebe, die ohne die zusätzlichen Einnahmen vielleicht nicht bestehen könnten, argumentiert der Ferienhausvermittler.

Langjähriger Streit um wirtschaftliche Effekte

Hintergrund für die Untersuchung ist ein langjähriger Streit darüber, welche Effekte Ferienhäuser und -wohnungen für die besuchten Regionen mit sich bringen. Vertreter der Hotellerie argumentieren gerne, dass die Urlauber als Selbstversorger kaum Geld in den Destinationen ließen und dass viele der Ferienunterkünfte während eines großen Teils des Jahres leerstünden.

Zusätzlich angeheizt wurde die Debatte im Zuge der Ausbreitung von Ferienunterkünften durch Anbieter wie Airbnb in Großstädten. Durch die Zweckentfremdung des ohnehin knappen Wohnraums würden dort die Mieten in die Höhe getrieben, sagen die Gegner. Zudem entstehe der ortsansässigen Hotellerie eine Konkurrenz, die deutlich weniger stark reglementiert sei als diese.

Die Untersuchung zum Thema "Reisemarkt Ferienwohnungen/-häuser in Deutschland" basiert auf einer Online-Befragung im Zeitraum vom 18. September bis 2. Oktober 2019 unter 3.049 Teilnehmern.

 

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