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24. Februar 2021 | 07:00 Uhr
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Für den ITB-Chef gehören Impf-Nachweise bald zum Reisealltag

Ein persönlicher Impf-Nachweis auf Reisen könnte künftig ebenso notwendig sein wie der Reisepass, sagt ITB-Direktor David Ruetz (Foto) im Interview mit dem Reisemagazin „Connoisseur Circle“. Er gehe dennoch nicht davon aus, dass sich das Reiseverhalten nach der Pandemie grundlegend verändern werde.

Ruetz David Direktor ITB quer Foto Messe Berlin

ITB-Direktor David Ruetz glaubt nicht, dass sich das Reiseverhalten nach der Pandemie ändert

Nach den Worten von Ruetz sei es denkbar, dass ein Großteil der Reiseindustrie künftig auf Impf-Nachweise setzen werde, um größtmögliche Sicherheit für Reisende und Mitarbeiter zu gewährleisten und gleichzeitig möglichen Schließungen aufgrund von Corona-Ausbrüchen vorzubeugen. "So neu ist das gar nicht", sagt der Chef der Weltmesse für Tourismus. "In vielen Teilen der Welt ist heute bereits der Nachweis einer Gelbfieber-Impfung nötig. In Ostafrika gehört bei Reisen zwischen den Ländern vielerorts der Impfpass so dazu wie etwa der Reisepass."

Er habe jedoch nicht den geringsten Zweifel, dass die Menschen sich durch mögliche Vorschriften die Lust am Reisen nehmen lassen könnten, ist Ruetz überzeugt. Im Gegenteil: „Der Wunsch, wieder zu verreisen, ist bei vielen von uns weltweit nach den Monaten des Lockdowns sogar gewachsen. Nun liegt vieles an dem wissenschaftlichen Fortschritt und der Zusammenarbeit weltweit.“

Nach Einschätzung des ITB-Direktors weist insbesondere der Markt für Luxustourismus weiterhin große Wachstumspotentiale auf. Der Wunsch nach Abstand und Abgeschiedenheit sei in diesem Segment in vielen Fällen nicht nur vor, sondern auch während der Pandemie erfüllt worden. Bei Luxusreisen habe sich schon vor der Coronapandemie ein Paradigmenwechsel abgezeichnet. Luxus definiere sich zunehmend immateriell. Statt Opulenz und Überfluss seien Selbstfindung, Simplizität und Authentizität gefragt. Diese Entwicklung verstärke sich momentan noch.

"Die Pandemie bringt auch die Chance mit sich, das Konzept Reise und Urlaub neu zu erfinden", sagt Ruetz. "Overtourism und die Klimaerwärmung haben schon vor Corona eindringlich gezeigt, dass wir unsere Haltung dem Reisen gegenüber ändern müssen. Auch wenn die Zukunft unserer Branche anders sein wird, wird sie ja nicht unbedingt schlechter sein.“ Der ITB-Chef glaubt, dass Reisen wieder an Wert gewinnen. „Damit meine ich nicht nur den Preis eines Urlaubs. Die Bedeutung des Reisens als Quelle für Erlebnisse und Erinnerungen ist während der Pandemie gestiegen. Wir haben alle erlebt, was es bedeutet, wenn diese Freiheit plötzlich eingeschränkt wird.“

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