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8. Juli 2019 | 07:00 Uhr
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Die Staatschefs und ihre Klimabilanz

Da in diesen Tagen alles und jeder auf seine CO2-Bilanz überprüft wird, bleiben natürlich auch die Regierungschefs nicht davon verschont. Die Plattform From A to B hat die Auslandsflugreisen der G20-Oberhäupter unter die Lupe genommen und Japans Premier Shinzo Abe zum größten Klimasünder erklärt. Interessant: Australien, Mexiko, Indonesien und die Schweiz verweigerten die Auskunft zu den Reisedaten.

Die Reiseplattform untersuchte alle 259 Auslandsflugreisen der G20-Präsidenten aus dem vergangenen Jahr und die damit verbundenen CO2-Emissionen auf Basis der von ihnen genutzten Flugzeugmodelle. Der japanische Premierminister Shinzo Abe führt die Liste der untersuchten G20-Politiker sowohl nach der zurückgelegten Distanz als auch bei den verursachten CO2-Emissionen an. Seine Boeing 747-400 hat rund 207.000 Kilometer zurückgelegt und dabei knapp 14.500 Tonnen CO2 ausgestoßen. Aus Kostengründen sei der Jumbo-Jet dieses Jahr durch eine Boeing 777-300ER ersetzt worden, die seit April als neue Japanese Air Force One fungiere, berichtet das Portal.

Auf Platz zwei der größten CO2-Verschmutzer rangiert laut From A to B US-Präsident Donald Trump mit 11.490 Tonnen. Trump hat demnach mit 131.000 Kilometern zwar nur 60 Prozent der Strecke des erstplatzierten Abe zurückgelegt, kommt jedoch auf 80 Prozent von dessen CO2-Ausstoß. Der Grund: Die Air Force One hat unter allen analysierten Flugzeugen den höchsten CO2-Emissionswert pro Kilometer (88 Kilogramm). Moon Jae-in aus Südkorea kommt mit 11.461 Tonnen bei 164.000 gereisten Kilometern 2018 auf die drittschlechteste Umweltbilanz.

Merkel trotz drittweitester Reisedistanz beim CO2-Fußabdruck im Mittelfeld

Auf 36 Staatsreisen im Jahr 2018 legte Angela Merkel insgesamt 171.000 Kilometer zurück und steht damit auf Platz drei der G20-Staatschefs mit den meisten Reisekilometern. Hierbei kommt die CDU-Politikerin auf 7.325 Tonnen ausgestoßenes CO2; das bedeutet Platz acht im Emissionen-Ranking. Pro Kilometer stößt der Airbus A340-300 der Bundeskanzlerin  durchschnittlich 42 Kilogramm CO2 aus. Umweltfreundlicher ist laut dem Portal Justin Trudeau. Obwohl der kanadische Premierminister die fünftweiteste Strecke zurückgelegt hat, kann der 47-Jährige den viertbesten CO2-Wert vorweisen - lediglich 3.300 Tonnen.

Die Spanischen Staatschefs reisten vor den Niederländern am umweltbewusstesten

Am klimafreundlichsten reisen nach der Analyse die Staatschefs mit den kleineren Maschinen. Besonders vorbildlich hätten das Mariano Rajoy und Pedro Sanchéz getan, die 2018 beide das Amt des spanischen Ministerpräsidentes bekleideten. Obwohl die spanischen Regierungschefs 40.000 Kilometer mehr reisten als Trump, verursachten sie nur 8,5 Prozent seiner CO2-Verschmutzung und belegen mit 985 Tonnen den letzten Platz des Rankings. 

Mit rund 1.080 Tonnen können die Niederländer die zweitbeste CO2-Reisebilanz vorweisen: Mark Rutten ist 2018 von allen untersuchten Politikern am wenigsten geflogen: Nur knapp 61.000 Kilometern. Auch sein Emissionswert pro Kilometer stellt den zweitbesten Wert dar (17 Kilogramm pro Kilometer). Auf dem drittletzten Platz landet der brasilianische Ex-Präsident Michel Terner mit 1.662 Tonnen (19 Kilogramm pro Kilometer).

So gingen die Tester vor: Innerhalb der Analyse wurden sämtliche Staatsreisen über eine Landesgrenze hinweg berücksichtigt, Flüge innerhalb eines Landes wurden nicht erfasst. Die CO2-Emissionen basieren auf den Durchschnittswerten für die einzelnen Flugzeugtypen, welche die ICAO ausweist.

Da Australien, Mexiko, Indonesien und die Schweiz die Auskunft zu den Reisedaten verweigert haben, wurden die Flugreisen der übrigen 16 G20-Nationen ausgewertet. Der König und Premierminister Saudi-Arabiens hat zwischen Oktober 2017 und Februar 2019 keine Staatsreisen ins Ausland unternommen und fällt von daher laut From A to B ebenfalls aus dem Ranking heraus.