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25. Juni 2019 | 07:00 Uhr
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Schleusensperrung trennt Tourismusregionen an der Havel

Die Schließung der Schleuse in Zaaren wegen Unwettern werde die Hauptverbindung zwischen den Wasserrevieren von Berlin, Brandenburg und der Mecklenburgischen Seenplatte für eine ganze Saison kappen, kritisiert der Deutsche Tourismusverband (DTV). Bootsverleihern, Kanuvermietern, Gastronomie und Handel drohten erhebliche Schäden.

Schleuse Zaaren

Bleibt länger gesperrt als vorgesehen: Schleuse Zaaren an der Havel

Die Sanierung der Schleuse Zaaren an der Oberen-Havel-Wasserstraße zieht sich länger hin als geplant. Ein Blitzeinschlag in ein Betonwerk in Templin habe dort die Steuertechnik komplett zerstört, heißt es in einer Mitteilung des Wasser- und Schifffahrtsamtes Eberswalde vom vergangenen Freitag. Zudem hätten die Arbeiten zur Betonierung wegen Starkregens mehrfach unterbrochen werden müssen. Deshalb könne der Termin zur Verkehrsfreigabe am 1. August nicht gehalten werden. Ein neuer Termin solle so bald wie möglich bekannt gegeben werden.

Durch die Sperrung der Schleuse ist die Mecklenburger Seenplatte nun nicht mehr auf direktem Weg auf Wasserstraßen vom Berliner Raum aus erreichbar. Ein möglicher Umweg führt nach Informationen der "Berliner Morgenpost" über die Untere Havel, die Elbe und die Elde-Müritz-Wasserstraße und sei mit mehr als 400 Kilometern fast doppelt so lang wie der direkte Weg über die Obere Havel. Die Seenplatte selbst sei ohne Einschränkungen befahrbar.

Die Zeitung zitiert den Geschäftsführer des Landestourismusverbandes, Peter Krause, mit den Worten, der wirtschaftliche Schaden durch die Sperrung bei den Tourismusbetrieben sei "immens". Der Wassertourismus habe für Brandenburg und Berlin eine enorme Bedeutung, so Krause. Allein im Bereich Bootsverleih mieteten über 120.000 Bootsurlauber pro Jahr bei einem der rund 80 Charteranbieter und über 120 Kanuverleiher ein Wasserfahrzeug und sorgten so normalerweise für einen Jahresbruttoumsatz von über 40 Millionen Euro.

Marode Wasserstraßen

Der Deutsche Tourismusverband forderte den Bund in einer Mitteilung auf, "endlich die dringend notwendigen Investitionsmittel und die personellen Ressourcen zur Verfügung zu stellen sowie einen eigenständigen Haushaltstitel für touristische Nebenwasserstraßen im Bundeshaushalt einzurichten". Gegen drohende Schleusenschließungen müsse ein Sonderinvestitionsprogramm aufgelegt werden.

Nicht nur Urlauber stünden jetzt vor dem Aus ihrer Reise, auch die wirtschaftliche Existenz von Unternehmen sei "nachhaltig bedroht“, so der Geschäftsführer des DTV, Norbert Kunz. Seit Jahren verfalle die Infrastruktur auf deutschen Freizeitwasserstraßen, so Kunz. Schleusen würden notgeschlossen, ganze Wassersportreviere vom Netz abgeschnitten. "Mit Beginn der Sommerferien erreicht das Drama an Orten wie Zaaren seinen traurigen Höhepunkt", klagt der DTV-Chef.

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