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15. Januar 2026 | 16:20 Uhr
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Bahn-Chefin Palla setzt alles auf Pünktlichkeit

Die neue Bahn-Chefin Evelyn Palla (Foto) stellt die Pünktlichkeit ins Zentrum ihres Sanierungskurses. In einem Interview mit der Zeit kündigt sie neue Fahrplankonzepte, weniger Bürokratie und klare Verantwortlichkeiten an. Bis 2029 soll der Fernverkehr wieder eine Quote von mindestens 70 Prozent erreichen. 2026 werde allerdings noch einmal schwierig.

Palla Evelyn

Pünktlichkeit soll bei der DB zum Maßstab werden, sagt Evelyn Palla

Palla macht im Gespräch mit der Zeit (Abo) unmissverständlich klar, woran sich der Konzern künftig messen lassen muss: "Alle werden jetzt konsequent an der Pünktlichkeit gemessen." Der Fernverkehr hatte 2025 mit rund 60 Prozent den schlechtesten Pünktlichkeitswert seiner Geschichte erreicht.

Das Ziel ist politisch vorgegeben: Bis 2029 soll die Quote im Fernverkehr wieder mindestens 70 Prozent erreichen. Für 2026 erwartet Palla zunächst eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau. Erst danach könne sich die Bahn Schritt für Schritt verbessern.

Baustellen als Haupttreiber von Verspätungen

Einen zentralen Grund für die Misere sieht Palla in der Vielzahl ungeplanter Baustellen. Rund 70 Prozent der Arbeiten kämen derzeit kurzfristig hinzu, weil Weichen, Stellwerke oder Oberleitungen ausfielen. Das Netz sei über Jahrzehnte vernachlässigt worden. Künftig soll sich das Verhältnis umkehren.

Ab 2027 will die Bahn feste Bauzeitfenster in den Jahresfahrplan integrieren. Ziel sei es, Sanierungen planbar zu machen und ungeplante Eingriffe deutlich zu reduzieren, sagte Palla der Wochenzeitung. Das solle helfen, Verspätungen gar nicht erst entstehen zu lassen.

Umbau des Konzerns und weniger Bürokratie

Neben der Infrastruktur nimmt die Bahn-Chefin auch den Konzern selbst in die Pflicht. Verwaltung und Führungsebenen sollen deutlich verschlankt werden. Rund 30 Prozent der Stellen in der Verwaltung sollen entfallen, die Zahl der Manager unterhalb des Vorstands halbiert werden. Entscheidungen sollen stärker vor Ort getroffen werden.

Dieses Organisationsmodell kennt Palla aus ihrer Zeit bei DB Regio. Dort habe eine klare regionale Gesamtverantwortung dazu geführt, dass niemand mehr Zuständigkeiten weiterreichen konnte. Das Prinzip will sie nun auch auf den Fernverkehr und die Infrastruktur übertragen.

Geld allein reicht nicht

Der Bund stellt der Bahn Milliardenbeträge zur Verfügung. Allein 2026 sollen es rund 23 Milliarden Euro sein. Dennoch warnt Palla vor schnellen Effekten. Der Sanierungsrückstand sei so groß, dass es mindestens ein Jahrzehnt dauern werde, bis sich die Qualität deutlich und dauerhaft verbessere.

Kurzfristige Entlastungen hält sie nur begrenzt für möglich. Eine Reduzierung des Regionalverkehrs an Knotenbahnhöfen würde helfen, liege aber in der Verantwortung der Länder und träfe Pendler besonders hart.

Kulturwandel mit klaren Konsequenzen

Der Umbau ist für Palla auch eine Frage der Unternehmenskultur. Kommunikation und klare Prioritäten seien entscheidend. Weniger Kennzahlen, mehr Fokus auf Ausfälle, Pünktlichkeit und Wirtschaftlichkeit.

Auch für das Management hat das Folgen. Variable Vergütungsbestandteile hängen künftig stärker an betrieblicher Qualität und damit auch an der Pünktlichkeit. Wer Ziele verfehle, spüre das finanziell, kündigt die Bahn-Chefin an.

Christian Schmicke

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